Bundeswehrsoldaten
Das Verteidigungsministerium hat bisher zurückhaltend auf die Forderung Kretschmers reagiert. Bildrechte: dpa

Zukunftskonzept für die Lausitz Bundeswehr statt Braunkohle

Bundeswehr statt Braunkohle – so sieht ein mögliches Zukunftskonzept für die Lausitz aus. Zumindest wenn es nach Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer geht. "Ein oder zwei neue Bataillone wären die wirtschaftliche Lösung für eine Kleinstadt wie Weißwasser", so der Ministerpräsident. Bringen Bundeswehrsoldaten eine ganze Region wirtschaftlich voran? Und wie sehen die Pläne für eine Bundeswehraufstockung in Sachsen aus?

von Niklas Ottersbach, MDR AKTUELL

Bundeswehrsoldaten
Das Verteidigungsministerium hat bisher zurückhaltend auf die Forderung Kretschmers reagiert. Bildrechte: dpa

Die kleine Erzgebirgsstadt Marienberg hat eine lange militärische Tradition. Früher hat der sächsische König hier seine Truppen stationiert. Heute ist das Panzergrenadierbataillon der Bundeswehr in Marienberg zu Hause. Sachsens einzig verbliebene Kampftruppe.

Wirtschaftsfaktor Bundeswehr

1.000 Soldaten mitten in der Stadt. Das bringe Vorteile mit, sagt Marienbergs Oberbürgermeister André Heinrich.

Für uns ist das natürlich spürbar. Wenn die aus dem Kasernentor rausgehen, sind die fünf Minuten später auf dem Marktplatz.

André Heinrich | OBM Marienberg

Laut Heinrich sind die Soldaten nicht nur positiv für öffentliche Einrichtungen wie Bäder oder Gaststätten, sondern auch für die Werkstätten. Dort lässt die Bundeswehr zum Beispiel ihre LKW reparieren. All das bringt Geld. Konkrete Zahlen kann Marienbergs Oberbürgermeister allerdings nicht nennen.

Personelle Aufrüstung

Neben den 3.200 Soldaten in Sachsen sind auch 1.400 zivile Mitarbeiter an Bundeswehrstandorten im Freistaat beschäftigt: Köche, Förster, Putzkräfte – Tendenz steigend. Denn die Bundeswehr rüstet personell auf. In den nächsten Jahren sind für ganz Deutschland 20.000 neue Stellen geplant.

Wo genau, möchte das Bundesverteidigungsministerium auf MDR-Anfrage aber nicht sagen. Nur so viel: Sachsen sei auch im Gespräch. Vor allem die Lausitz müsse da mitbetrachtet werden, findet Ministerpräsident Kretschmer. Als Beispiel nennt er Weißwasser mit dem Truppenübungsplatz in der Muskauer Heide. Sozusagen als Arbeitsplatz-Puffer für die Braunkohle-Jobs, die in Zukunft wegfallen werden.

Kritik an Kretschmers Vorschlag

Joachim Ragnitz hat da seine Zweifel. Der Wirtschaftswissenschaftler vom Dresdner IFO-Institut glaubt nicht an die Bundeswehr als Jobmotor für die Lausitz: "Man kann ja jetzt nicht erwarten, dass die Braunkohlekumpels zur Bundeswehr gehen und dort Soldaten oder Gärtner werden. Deswegen nützt das den Leuten, die vom Braunkohleausstieg betroffen sind, primär erstmal gar nichts. Der Stadt mag es vielleicht nützen, weil da zusätzliche Steuereinnahmen erzielt werden. Aber das ist ja nicht das allergrößte Problem der Lausitz."

Werbung für Sachsen

Die Bundeswehr könnte also nur einer von vielen Bausteinen für die Lausitz sein. Aber der kann ja Stück für Stück wachsen. So stellt sich das CDU-Politiker Jens Lehmann vor.

Er sitzt als einziger Sachse im Verteidigungsausschuss des Bundestags und wirbt dort für den Freistaat. Nicht nur für neue Soldaten und Kasernen, sondern auch für neue militärische Forschungseinrichtungen. Vor allem aber dafür, dass Sachsen ein Stück abbekommt vom wachsenden Kuchen namens Bundeswehr.

"Gerade der Cyber-Bereich wird extrem wichtig werden in der Bundeswehr. Da wird eine ganze Menge investiert und fließt auch rein", meint Lehmann. "Und da muss man auch sagen: Man muss Ansprüche anmelden und wir haben die Voraussetzungen dazu."

Soldaten bleiben nicht

Platz ist zumindest vorhanden. Was noch fehlt: eine Autobahnanbindung für die Oberlausitz. Denn die meisten Bundeswehrsoldaten sind Pendler, der Großteil der Panzergrenadiere in Marienberg auch. So sehr sich der Oberbürgermeister aus dem Erzgebirge über sie freut – noch mehr freut er sich über Industrie-Arbeitsplätze.

Zum Beispiel über die Firma, die Metallfedern in Marienberg herstellt. 900 Arbeitsplätze und dahinter Familien, die sich in der Stadt was aufgebaut haben. Die Panzergrenadiere dagegen sind für ein paar Jahre in Marienberg stationiert. Und danach wieder weg.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. Januar 2019 | 06:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Januar 2019, 08:51 Uhr

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50 Kommentare

12.01.2019 07:30 Sabrina 50

@ 10.01.2019 16:35 Max W. 37
.
Ich glaube, Sie überschätzen die AfD. Vielmehr als ein Unisextoiletten-Diskussion und neoliberale Positionen, die schon vor 1933 gescheitert sind, hat diese Partei nicht zu bieten.
Außerdem ist diese Partei gerade dabei, den Beitritt zur f.d.p. vorzubereiten.

11.01.2019 23:35 007 49

Bundeswehr statt Braunkohle?

Nanu sollen die Lausitzer jetzt von der Braunkohle zur Bundeswehr gehen? Obwohl, ausrücken können die eh nicht da ist es egal. Ich finde wir sollten beides abschaffen. Auf beides können wir verzichten. Dann könnte BMW sein Werk in der Lausitz bauen u nicht in Ungarn H. Kretschmer.
Ich verlasse mich da ganz auf unsere schlauen Politiker ...

11.01.2019 13:55 Ekki 48

Die Gestaltung des Tagebaurands und der vorgesehene See sollen die Stadt schöner machen und über die teils schmerzlichen Verluste während der Auskohlung hinwegtrösten. CDU, SPD und FDP hatten schon vor drei Jahren, als der inzwischen genehmigte Betriebsplan für die Zeit von 2020 bis 2030 zur Diskussion gestellt worden war, einen gemeinsamen Wunschkatalog formuliert. Eine Anbindung an den See und eine gute Erreichbarkeit des 500 Meter breiten Randstreifens zur Naherholung zwischen jetziger Kante und geplantem Hochplateau werden gefordert. Auch auf eine neue Straßenverbindung drängen die Politiker.

11.01.2019 08:58 Frührentner 47

vllt. erst mal etwas Bodenständiges 46 wie Solarpark und natürlich Obst-Bäume vllt sogar Wein einpflanzen
oder .... Spreewald touristenmäßig erweitern
BOSCH könnte mit paar Chinesen (die bauen fristgerecht und nicht wie BER), ein Batteriewerk für unsere abgasfreien eMobile bauen

11.01.2019 01:11 Dorfbewohner 46

@33

“Die Lausitz...Landwirtschaft, Fortwirtschaft, Tourismus, Industrien, Chemische Industrie, großes Zentrum, überlegenen Infrastruktur, Kommunikation / Internet, TECHNISCHEN UNIVERSITÄT, Technologie-Unternehmen, ICE…Dann könnte das was werden in der Region.”

Eine wahrhaft konstruktiver Gedanke, besonders das mit Ihrer “Fortwirtschaft”...ich bin sprachlos!

10.01.2019 23:10 Mediator 45

Die Bundeswehr wird sicher nicht eine Region mit Arbeitsplätzen versorgen können, die aus einem Industriezweig ohne Zukunft aussteigt. Statt sich als Freistaat zu wünschen, dass wahlweise ein Kombinat oder zwei Bataillone vom Himmel fallen, sollte man einmal seine Möglichkeiten nutzen um in Zukunftstechnologien zu investieren statt den Tod der Braunkohle künstlich hinaus zu zögern.

Die Bw braucht sicher keine:
- Standorte im nirgendwo (Attraktivität)
- alte Leute die von der Kohle auf Soldat umschulen
- neue Bataillone, für die man aktuell weder das Material noch das Personal hat
- Begrenzungen der eigenen Handlungsoptionen, in Form von politischer Einmischung in Aufstellungs- und Stationierungsentscheidungen.

10.01.2019 21:23 Rasselbock 44

Sehr geehrter Herr Kretzschmer
Die Bundeswehr kann nicht wesentlich vergrössert werden wegen der 2+4 Verträge zur Ausgestaltung der deutschen Einheit. Da nach Art 3GG keine Wehrgerechtigkeit gegenüber jedermann hergestellt werden kann wurde nach einem Urteil des BVG die Wehrpflicht ausgesetzt, die BW zur Freiwilligenarmee umgestaltete. Als Ministerpräsident eines Bundeslandes sollte man so etwas wissen. Es lässt sich schlussfolgern: Es fehlt Ihnen die Kompetez eine solches Amt ausführen zu können. Bevor man solche Bolzen heraushaut informiert man sich grüpndlich. Alles klar?

10.01.2019 20:08 part 43

Die Bundeswehr braucht niemand, aber wohl Einheiten für den Katastrophenschutz. In den überfluteten Tagebauen könnten sogar Löschflugzeuge ihre Ladung aufnehmen wenn man denn welche hätte, dafür wird lieber das Moor im Emsland in Brand gesteckt. Schwerter zu Sandsäcken sollte wohl heute die Deviese lauten statt weitere regionale Nato- Osterweiterungen.

10.01.2019 17:19 Graf von Henneberg 42

Sehr verehrter Herr Kommentator Nr. 29 - Sie haben etwas vergessen bei Ihrer freudvollen Aufzählung des Arbeitssegens, welcher sich aus 2/3 Mannschaft und 1/3 Führungspersonal der beiden Batallione in die Lausitz ergießen wird - das Freudenhaus.

10.01.2019 17:03 Rumsdibums 41

@max w.
"Genau! Die Lausitz wird exterritoriales Gebiet, verwaltet von Moskau aus, nehme ich an. Das geht sogar noch einfacher: "Wir" unterstellen die dortigen BW-Verbände einfach der bekannt friedensliebenden Roten Armee. Dann kann, ausser in Syrien, nirgendwo nie nichts mehr passieren und in der Lausitz waltet die Pax Putin. Amen.
Ich hätte nicht gedacht, dass 40 Jahre plumpesten Agitprops eine solche Halbwertszeit in manchen Grosshirnarealen erreichen könnte..."

Ach so sieht ihre Welt aus!