Michael Kretschmer (CDU, M), Ministerpräsident von Sachsen, Christian Hartmann, CDU Fraktionsvorsitzender im Sächsischen Landtag, und Martin Dulig (SPD), Wirtschaftsminister von Sachsen, warten auf den Beginn der Sondierungsgespräche zwischen CDU, Bündnis90/DieGrünen und SPD im Festsaal im Ständehaus.
Ministerpräsident Kretschmer schweigt MDR AKTUELL gegenüber zu den Sondierungsgesprächen. Bildrechte: dpa

Kenia-Koalition in Sachsen CDU-Basis bei Regierungsbildung gespalten

Ein großes Geheimnis machen die Politiker in Sachsen aus der Regierungsbildung. Was CDU, Grüne und SPD während der Sondierungsgespräche genau besprechen, soll möglichst nicht nach außen dringen, damit die Verhandler in Ruhe diskutieren können. Um ihre Mitglieder von dem Dreierbündnis zu überzeugen, wollen die Parteien immer wieder ihre Basis mit einbeziehen. Die Christdemokraten machen das aktuell mit mehreren Mitgliederkonferenzen überall in Sachsen, etwa in Meißen.

von Astrid Wulf, Landeskorrespondentin Sachsen, MDR AKTUELL

Michael Kretschmer (CDU, M), Ministerpräsident von Sachsen, Christian Hartmann, CDU Fraktionsvorsitzender im Sächsischen Landtag, und Martin Dulig (SPD), Wirtschaftsminister von Sachsen, warten auf den Beginn der Sondierungsgespräche zwischen CDU, Bündnis90/DieGrünen und SPD im Festsaal im Ständehaus.
Ministerpräsident Kretschmer schweigt MDR AKTUELL gegenüber zu den Sondierungsgesprächen. Bildrechte: dpa

Dunkle Wolken hängen am Himmel, immer wieder fängt es an zu regnen an diesem Abend Mitte September. Mit schnellen Schritten strömen CDU-Mitglieder zu ihrem Treffen in Weinböhla - gar nicht weit von Meißen entfernt. Die meisten sind Männer. Auch Sachsens CDU-Chef Michael Kretschmer eilt im leichten Regen in das Veranstaltungsfoyer. "Wir bleiben heute unter uns", sagt er.

CDU sucht Gespräch mit der Basis

In einem vertraulichen Rahmen will der Ministerpräsident mit Parteimitgliedern aus dem Kreis Meißen über die Sondierungen sprechen. Unter den Dutzenden Besuchern ist auch der Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes Meißen, Ulrich Reusch. Er findet gut, dass Kretschmer sich der kritischen Basis stellt.

Auch diese Stimmen gibt es, die sagen, es hat keinen Sinn, die von vornherein sagen, wir müssen so wie die Verhältnisse sind, auf uns gestellt, uns als Minderheitsregierung durchwuseln.

Ulrich Reusch CDU-Kreisverband Meißen

Für ihn sei diese aber genau wie für den Landesverband aktuell keine Option. Man müsse abwarten, was die Sondierungen ergeben.

CDU-Basis: Zwischen Skepsis …

Die Skepsis, mit SPD und vor allem mit Grünen eine gemeinsame Linie zu finden, ist auch diesen CDU-Mitgliedern aus Meißen, Coswig und Weinböhla anzumerken:

Symbolbild: Keniakoalition Sachsen - Logo mit Halmafiguren
Dass die SPD und Grüne große Forderungen stellen, gefällt nicht jedem. Bildrechte: imago images / Steinach

Wolfgang Poldrack ist CDU-Mitglied und ärgert sich über die Forderungen der kleineren Parteien: "Es ist leider so, dass diese kleinen Parteien, die kleine Prozente geholt haben, nun große Forderungen stellen und das ärgert mich sehr. Aber anders wird's nicht gehen."

Matthias Richter aus Coswig erwarte in Sachsen eine Regierung, die für die nächsten fünf Jahre den Ton angebe. "Dass die CDU praktisch das Heft in der Hand behält." Bedenken habe Frank Vetter aus Weinböhla wegen des Bündnisses mit den Grünen. Er glaube, dass die Werte der CDU ein bisschen in den Hintergrund rücken werden.

… und Zuversicht

Genauso gibt es aber die Partei-Kollegen, die optimistisch sind. Gilbert Birke aus Radebeul sagt, die Sondierung der Parteien sei der einzige vernünftige Weg. Man müsse einen Kompromiss finden. Auch Volkmar Maschke vom Stadtverband Nossen hoffe, dass rot, grün und schwarz eine gute Regierung bilden werden. "Dass für Sachsen was rauskommt, das ist das wichtige ..."

Kein klares Meinungsbild bei der CDU

Auch bekannte Landespolitiker gehören zum CDU-Kreisverband Meißen. Der konservative Landtagspräsident Matthias Rößler genauso wie der Landtagsabgeordnete Geert Mackenroth. Letzterer beobachtet in seinem Stadtverband in Riesa große Meinungsunterschiede:

Geert Mackenroth
Geert Mackenroth Bildrechte: dpa

Einige sagen, die Marschrichtung ist richtig, einige sagen, die Marschrichtung kritisieren wir. Es gibt kein einheitliches Meinungsbild. Das zeigt zunächst, dass wir informieren müssen und dass auch der Ministerpräsident seine Haltung mal erklärt und sagt, was seine Erwartungen sind.

Geert Mackenroth CDU-Stadtverband Riesa

In dieser Woche will Kretschmer mit Mitgliedern weiterer Kreisverbände in Sachsen ins Gespräch kommen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. September 2019 | 06:18 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. September 2019, 05:00 Uhr

34 Kommentare

Werner vor 3 Wochen

Lieber Peter,
"Man kann sich nicht darauf VERLASSEN, daß das, was vor den Wahlen gesagt wird, auch WIRKLICH nach den Wahlen GILT. Und wir müssen damit rechnen, daß das in verschiedenen Weisen sich WIEDERHOLEN kann." Das hat kein Hinterbänkler gesagt, sondern Kanzlerin A. Merkel, 2008 auf einer PK nach einer CDU-Vorstandssitzung.
Nach gehäuften "Vorfällen" mit der medialen Absägemaschine in der letzten Zeit, kann man sich ungefähr vorstellen, was Hr. Kretschmer an "Ungemach" wiederfahren wäre, wenn er beim Befehl aus Berlin, zum Verbot von Zusammenarbeit gesagt hätte: "Nöö, wir machen im Freistaat Sachsen, was wir in Abstimmung mit der Basis für Richtig für unser Land halten, Bätschi, ehh Basta". Hr. Kretschmer muss vorsichtig sein. Er gilt schon beim Klima und Russland als Querulant, und hat mit der Generalstaatsanwaltsch.DD, öffentlichen Widerspruch gegenüber der Kanzlerin, -amt und -sprecher, zu "HetzjagdEN&PogromEN" gewagt, der freche Kerl, und die haben das nur aus den Medien.

nasowasaberauch vor 3 Wochen

Geräuschlos, weil dort rot/rot/grün regiert und die sind sich politisch noch näher, als wenn die CDU als "Störenfried" mit dabei ist. Inwiefern diese Koalition für die innere Sicherheit von Berlin hilfreich ist, das beurteile jeder für sich.

Rotti vor 3 Wochen

Das ist eigentlich eine klare Sache. Wenn ich CDU wähle und es kommt am Ende grün raus, dann mache ich den selben Fehler nicht zweimal. 2021 Bundestagswahl. Die Schnittmengen mit den Grünen gehen meiner Meinung nach über Machtgier nicht hinaus.
Noch soviel: In diesem Jahr feiern wir 30 Jahre Friedliche Revolution. Die ging von Sachsen aus. Die SED (heute LINKE) hat gespielt verloren. Die Menschen, die auf ihre Stromrechnung, auf die Tanksäule schauen, an der Bushaltestelle stehen, wo schon lange mehr kein Bus fährt oder zig Kilometer zum Arzt fahren, bei dem sie Gott sei Dank noch aufgenommen worden sind, die machen dann ihre Klimarechnung auf. Die ehrliche Variante in Sachsen ist eine Minderheitsregierung. Egal, was die in Berlin dazu sagen. Die kümmern sich eh nur um sich selbst. Jetzt ist die Zeit für klare Verhältnisse.