Ein Meisterbrief hängt in einem Friseursalon.
Betriebe mit einem Meister an der Spitze gibt es laut Erfurter Handwerkskammer länger. Außerdem sorgten sie für Nachwuchs. Bildrechte: dpa

Nach CDU-Vorstoß Thüringer Handwerk für Meisterpflicht

Handwerk hat Goldenen Boden, sagt man. Tatsächlich sind die Auftragsbücher vieler Handwerker voll. Aber, wie so oft, fehlt auch hier der Nachwuchs. Besonders in den Berufen, in denen vor 14 Jahren die Meisterpflicht abgeschafft worden ist. Die Thüringer CDU will deshalb eine Bundesratsinitiative starten, um die Meisterpflicht für einige dieser Berufe wieder einzuführen.

von Lily Meyer, MDR-AKTUELL-Landeskorrespondentin für Thüringen

Ein Meisterbrief hängt in einem Friseursalon.
Betriebe mit einem Meister an der Spitze gibt es laut Erfurter Handwerkskammer länger. Außerdem sorgten sie für Nachwuchs. Bildrechte: dpa

Wer schon mal eine kaputte Fliese im Badezimmer ausgetauscht hat, kann sich im Prinzip Fliesenleger nennen. Er dürfte auch einen eigenen Betrieb gründen. Denn seit 2004 muss man weder eine Gesellen- noch eine Meisterprüfung ablegen, um selbstständiger Fliesenleger zu werden.

Betriebe mit Meister an der Spitze leben länger

Das gelte auch für den Uhrmacher, den Goldschmied und 50 weitere Handwerksberufe, erklärt Thomas Malcherek von der Handwerkskammer Erfurt: "Die Änderung der Handwerksordnung war natürlich vor dem Hintergrund einer schweren wirtschaftlichen Lage getroffen worden, die wir in Deutschland hatten. Mit gut fünf Millionen Arbeitslosen. Jedoch ist das Ziel nicht erreicht worden." Nämlich das Handwerk attraktiver zu machen.

Zwar schossen sogenannte Solo-Unternehmen wie Pilze aus dem Boden. Aber: "Die Betriebe, die einen Meister an der Spitze haben, leben länger. Wir schließen daraus, dass die kaufmännische Fähigkeit höher ist."

Wenige lassen sich zum Fliesenleger ausbilden

Ein weiteres Problem ist, dass der Nachwuchs auf der Strecke bleibt. Denn in der Regel dürfen nur Meister Lehrlinge ausbilden: "Wir berücksichtigen natürlich, dass auch in den Meisterberufen die Stärke der Auszubildenden nachgelassen hat. Das ist demografisch bedingt und auch gesellschaftlich bedingt, weil viele studieren müssen. Jedoch selbst heute können wir noch einen erheblichen Unterschied feststellen. Es gibt einige Berufe, gehen wir mal vom Fliesenleger ganz bewusst aus, da werden kaum noch junge Leute ausgebildet." Malcherek begrüßt daher den Antrag der Thüringer CDU-Fraktion.

CDU und SPD für mehr Qualität im Handwerk

Darin fordert die Partei die Landesregierung auf, sich auf Bundesebene für das Handwerk einzusetzen, erklärt Herbert Wirkner, Sprecher für das Handwerk der CDU-Fraktion: "Wir möchten, dass die jetzige Handwerksordnung novelliert wird. Auf der Grundlage von europäischem Recht soll die Möglichkeit geprüft werden, im Bund wieder den Meisterzwang für viele Berufe im Handwerk einzuführen. Die Ausbildungsberechtigung muss wieder da sein. Es muss wieder mehr Qualität auf dem Handwerksmarkt organisiert werden."

Die wirtschaftspolitische Sprecherin der SPD, Eleonore Mühlbauer, findet den Antrag der CDU zeitgemäß und sieht noch ein weiteres Problem: "Der Generalunternehmer oder der Bauherr bedient sich des nicht-meisterpflichtigen Fliesenlegers, um damit auch Lohnkriterien außer Kraft zu setzen. Der Verbraucher ist am Ende des Tages nicht sicher, ob es in den Bereichen den Qualitätsstandards entspricht, die wir haben wollen."

Wirtschaftsministerium verweist auf Bundespolitik

Alle Fraktionen des Thüringer Landtags haben dafür gestimmt, den Antrag im Ausschuss zu beraten. Die Staatssekretärin des Wirtschaftsministeriums Valentina Kerst hingegen hält die geplante Bundesratsinitiative derzeit für nicht zweckmäßig. Sie gibt zu bedenken, dass das Thema bereits auf Bundesebene behandelt werde.

Am 17. Oktober soll eine entsprechende Koalitionsarbeitsgruppe gegründet werden. Unterstützt werde die vom Zentralverband des Deutschen Handwerks, der außerdem zwei Gutachten in Auftrag gegeben habe. Kerst schlägt deshalb vor, das Thema Anfang 2019 wieder aufzunehmen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Oktober 2018 | 06:47 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2018, 05:00 Uhr

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6 Kommentare

14.10.2018 12:51 Bippus 6

Nr.5 Sie sprechen mir aus den Herzen!

13.10.2018 10:27 Meister aller Klassen 5

Meisterbrief, Meisterschule ist sowieso nur eine kostenaufreibende Angelegenheit zu Gunsten der Handwerkskammern. Zur Führung eines Handwerksbetriebes werden an den Handwerkskammern nicht die Nötigen Voraussetzungen gelehrt, wie die Buchführung Steuerpflicht, Nebenkosten, Auftragsbeschaffung und Kalkulation usw.. Hier findet doch nur eine praktische Ausbildung mit sinnlosen Sachverhalten als Belehrung statt.

13.10.2018 07:55 Malermeister im Ruhstand 4

Na Klar, der Handwerkskammer in Erfurt fehlen die Handwerkskammerbeiträge und der Thüringer Regierung die Steuereinnahmen. Wer mag sich heut zu Tage noch als Handwerker selbständig machen bei diesen Kosten die auf die Handwerksmeister zu kommen, dazu die körperliche schwere Arbeit, die Auftragsvergabe vorwiegend durch Vetternwirtschaft und die bösartigen Handwerksstundenlöhne. Hier landet doch fasst jeder Handwerksmeister am Ende seiner Arbeitsleistung in der Altersarmut oder als Pflegefall.

12.10.2018 21:10 Chris 3

Fakten: deutschlandweit
2017 - 2353 Auszubildende
2012 - 2266 Auszubildende
2007 - 2642 Auszubildende
2002 - 4481 Auszubildende
1997 - 9573 Auszubildende
Seit 2009 hat sich das stabil eingependelt... sicher viel zu wenige aber die Arbeit machen dann eben ungelernte...

12.10.2018 20:58 Chris 2

Das Panikmache die so nicht stimmt.
Laut statischen Bundesamt gab es deutschlandweit 2006 2615 und 2017 2353 Auszubildene Fliesen-, Platten- und Mosaikleger! Bitte bei den Fakten bleiben.

Stellt euch mal 14000 Fliesenleger nur in Thüringen vor?!? Auf welcher Berufsschule waren die? Auf der wo 70000 Maurer und 200000 Krankenschwestern waren? Lol

12.10.2018 13:08 Petrolist 1

Laut Landesamt für Statistik (mit 2 Mausklicks im www zu finden) gab es 2017 ca. 25.000 Lehrlinge (ja, es sind Lehrlinge) in Thüringen. Laut Artikel hat davon ca. jeder 4. Fliesenleger gelernt. Ist schon erstaunlich gute Quote. Aber ich denke mal, daß die Daten von der CDU Apolda kommen. Da nimmt man es mit Zahlen eh nicht so genau. (Mike, Dich werde ich nie als M.P. anerkennen)