Stimmzettel zur Bundestagswahl, auf dem 2 Würfel liegen, CDU und AfD
Die CDU-Spitze in Sachsen ist gegen eine AfD-Koalition, doch in der Parteibasis gibt es auch andere Stimmen. Bildrechte: imago/Torsten Becker

Landtagswahl Sachsens CDU-Kandidaten schließen Koalition mit AfD aus

Laut den aktuellen Wahlumfragen könnte die Regierungsbildung in Sachsen nach der Landtagswahl am 1. September schwierig werden. Die CDU-Spitze schließt bislang eine Zusammenarbeit mit der AfD aus. Doch vielleicht hält sie nicht Wort, fürchten die Gründer der Kampagne "Zukunft Sachsen". Sie haben alle Direktkandidaten der CDU in Sachsen angeschrieben und um eine klare Stellungnahme gebeten.

von Christine Reißing, Landeskorrespondentin Sachsen MDR AKTUELL

Stimmzettel zur Bundestagswahl, auf dem 2 Würfel liegen, CDU und AfD
Die CDU-Spitze in Sachsen ist gegen eine AfD-Koalition, doch in der Parteibasis gibt es auch andere Stimmen. Bildrechte: imago/Torsten Becker

Sascha Kodytek ist 23 und studiert Jura in Leipzig. Er war SPD-Mitglied, erzählt er, sei aber vor einigen Monaten ausgetreten. Auch, um für "Zukunft Sachsen" neutral zu sein – die Kampagne, für die Kodytek spricht und die alle 60 Direktkandidaten der CDU gefragt hat, ob sie mit der AfD koalieren würden. Von vielen hätten sie auch eine Antwort bekommen:

Bisher sagen alle CDU-Direktkandidaten, die uns geantwortet haben, dass sie eine Koalition mit der AfD ausschließen.

Sascha Kodytek

Über die Hälfte der Antworten sei schon vergangene Woche eingegangen. Freitag habe es dann eine klare Mehrheit gegeben, so Kodytek. Die genauen Ergebnisse veröffentlicht er bei Spiegel Online. Sie gingen aber über ein simples Nein hinaus, verrät er.

Initiative "Zukunft Sachsen" Die Initiatoren haben alle 60 CDU-Direktkandidaten für die Landtagswahl befragt. Demnach lehnten 44 CDU-Kandidaten eine Koalition mit der AfD ab. Von den übrigen 16 Kandidaten ging demnach bis 15. Juli keine Antwort ein. Es gibt einen Bundesbeschluss der CDU, der jede Koalition mit der AfD ausschließt.

Klare Ansagen "mit Herz"

Die meisten hätten argumentiert, und nicht nur taktisch. "Viele haben Werte und Überzeugungen in diese Begründungen geschrieben und auch aus ihrer Sicht dargestellt, wie sie die Arbeit der AfD erlebt haben. [...] Das sind schon Begründungen, in denen ein bisschen Herz drin ist. Deshalb nehme ich die auch sehr ernst."

Ministerpräsident und CDU-Landeschef Michael Kretschmer schließt eine Zusammenarbeit mit der AfD immer wieder aus. Die Spekulationen darüber, ob Teile der sächsischen Union der AfD gegenüber trotzdem nicht abgeneigt sind, reißen derweil nicht ab. Lars Rohwer, CDU-Direktkandidat aus Dresden, sagt aber: "Wir würden Austritte ohne Ende bekommen. Und zurecht! Weil wir nicht nur gesagt haben, dass wir das nicht tun mit diesen beiden Parteien – Links und AfD. Sondern weil es eben auch nicht zu den Werten der CDU passt."

AfD zu radikal

Dass immer wieder die Gretchenfrage gestellt wird, nerve viele in der CDU, auch Rohwer. Seine Partei stünde für die Grundwerte Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit, argumentiert er in seiner Antwort-Mail an die Kampagne. Die AfD vertrete Positionen, die Menschenrechte verletzten. "Ich sehe in der AfD nicht nur rechte Positionen, sondern radikale bis extreme Positionen. Und sowas darf nicht Teil einer Regierung sein."

Stephan Meyer, parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Landtag, sieht das ähnlich. Er ist gerade im Urlaub. Am Telefon nennt er geplante Wahlkampfauftritte sächsischer AfD-Politiker mit dem umstrittenen Thüringer Vorsitzenden Höcke als Beleg für die Radikalisierung der AfD.

Nicht alle haben geantwortet

Dass einige CDU-Direktkandidaten die Umfrage möglicherweise trotzdem nicht beantworten werden, beurteilt er so: "Ich kann nur spekulieren, dass die Kollegen – wie das oft bei fachpolitischen Fragen der Fall ist – auf eine Fraktionsantwort abheben." Weil die Anfrage per Mail an alle gegangen sei, "sind sie davon ausgegangen, dass die Fraktionsführung antwortet. Und das ist auch passiert." Sollten nicht alle CDU-Direktkandidaten die Umfrage beantworten, läge das womöglich auch an der parlamentarischen Sommerpause, so Meyer. Anlass für neue Spekulationen sei das nicht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Juli 2019 | 06:09 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Juli 2019, 05:00 Uhr

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106 Kommentare

16.07.2019 23:48 Fakt 106

>>007, #104:
"..aber das unsere Zukunft blau ist u nur mit der AfD weiter gehen kann, dasss seh ich glasklar vor mir"<<
--------
Vermutlich so glasklar wie braune Kloßbrühe.

16.07.2019 19:41 Micha 105

Wir wissen doch alle das in der Politik jeder mit jedem ins Bett geht. Hauptsache es dient eigenen Zwecken, die Meinung des Volkes ist eher lästig...

16.07.2019 18:51 007 104

@ 102 Der Markus der Johannes genannt wurde oder umgekehrt, versteht meinen Post nicht?

Sehen sie in die frischen Bundesländer, da wird Politik gemacht. Dasss ist vorbildlich- dasss ist trendy- dasss ist sexy. Die Geschichte Deutschlands wurde schon immer in Mitteldeutschland geschrieben. Die Alternative für unser Land weißt in die einzig richtige Richtung. Alle Partein sind im freien Fall u sie reden noch von Wunschdenken??? Ich maß mir nicht an CO² sehen zu können, aber das unsere Zukunft blau ist u nur mit der AfD weiter gehen kann, dasss seh ich glasklar vor mir ...

16.07.2019 15:27 Paul21 103

"Die wahren Feinde der Demokratie sind diejeniegen, die sie predigen" . . . Satiere

16.07.2019 14:12 Der Markus 102

@ 007 / Klappe- die Dritte! Nr. 100

"Die Union wird noch darum betteln als Juniorpartner mit der AfD mit regieren zu dürfen."

Ist das jetzt schon ein Anflug von Größenwahn oder doch nur reines Wunschdenken?
Außerdem haben Sie doch eingangs selbst gesagt, dass die AFD eh kein Interesse an einer Koalition mit der CDU hat, was übrigens umgekehrt genauso gilt (auch bei einem Wechsel an der Spitze wäre es übrigens immer noch dieselbe CDU): Wozu dann also diese künstliche Aufregung bzw. völlig sinnfreie Phantomdebatte?

16.07.2019 13:06 Wo geht es hin? 101

@Peter - Zitat von Ihnen: "@97: Sie scheinen nicht zu wissen, welche inhaltliche Bedeutung das Wörtchen "halbwegs" hat. Im Duden steht dazu: "einigermaßen, leidlich, in mäßigem Grade".
Sie sollten meine Einschätzung zu Herrn Meuthen in diesem Sinne verstehen." Zitat Ende. Doch doch - ich weiss das schon. Da stellt sich mir aber die Frage, WARUM Sie diese Worte nicht auch damals für Meuthen verwendet haben? DA tauchten bei Ihnen ganz andere Atribute auf. Und bei "Unkenntlichkeit" verfügen Sie über reichlich an Erfahrung - wenn ich Ihre Verrenkungen hier so sehe.

16.07.2019 11:28 007 / Klappe- die Dritte! 100

CDU-Kandidaten schließen Koalition mit AfD aus?

Wie kommt die CDU eigentlich auf das schmale Brett, dass die AfD unter DIESER CDU Spitze mit koalieren will? Die Union wird noch darum betteln als Juniorpartner mit der AfD mit regieren zu dürfen.
Mal abwarten, je weiter die %te der Union sinken u deren Felle beginnen davon zu schwimmen, um so sympathischer wird die AfD. Im Bund will sogar die Union mit ihren ärgsten Gegner Grün in politische Bettchen hüpfen. Hmmm wie nennt man das? ...

16.07.2019 10:01 Peter 99

@97: Sie scheinen nicht zu wissen, welche inhaltliche Bedeutung das Wörtchen "halbwegs" hat. Im Duden steht dazu: "einigermaßen, leidlich, in mäßigem Grade".
Sie sollten meine Einschätzung zu Herrn Meuthen in diesem Sinne verstehen.
Und angesichts der Tatsache, dass Herr Meuthen von Herrn Höcke demontiert worden ist, verschwindet im Auge des Betrachters das "einigermaßen, leidlich, in mäßigem Grade" bürgerliche Antlitz der AfD bis zur Unkenntlichkeit.

16.07.2019 09:12 aus Dresden 98

@ 93 Der Markus
Ihre Schlussfolgerung geht am Inhalt des Posts vorbei und widerspricht den Gesetzen der Logik - nur weil die eine Seite nur an eine Moral hat, muss die andere Seite nicht notwendigerweise keine Moral haben. Ein solcher Schluss wäre nur möglich, wenn Sie die Altparteien und deren Wählerschaften im Besitz der allein gültigen Moral wähnen. Wer die hat, muss dann sein Handeln nicht mehr sachpolitisch rechtfertigen und an die sachlichen Gegenheiten anpassen. Und ebenso läuft die politische Argumentation derzeit ja auch ab.
So muss sich nicht auf die sachpolitische Ebene der Folgen der Altparteinpolitik (z. B. Massenmigration) begeben, wer die Altparteienpolitik (z. B. Massenmigration) zur allein selig machenden Moral erhoben hat.

16.07.2019 08:30 Wo geht es hin? 97

@Peter - Zitat von Ihnen: "Die halbwegs vernünftigen Köpfe, siehe Meuthen... " Zitat Ende. Da ist er wieder - der lupenreine Opportunist. Ich erinnere Sie an Ihr Gezeter über Meuthen, als es um angeblich illegale Wahlkampfspenden oder seine von Ihnen unterstellte Postenhascherei mit seinem Mandat für Brüssel ging. Schon wieder vergessen? Ich nicht. So viel zu Ihrer Glaubwürdigkeit. Mir grauts....