Nach der Wahl in Thüringen Erhöhter Zulauf bei Werteunion

Nach der umstrittenen Wahl des Ministerpräsidenten in Thüringen sind mehrere hundert Mitgliedsanträge bei der "Werteunion" eingegangen. Die Gruppierung sieht ihre Position in der "Causa Kemmerich" bestätigt. Aus der CDU erhält sie dafür scharfe Kritik.

Eine Anhängerin der Werteunion steht mit einer Fahne bei einer Gedenkveranstaltung.
Bildrechte: dpa

Die konservative Gruppe "Werteunion" verzeichnet nach eigenen Angaben einen erhöhten Zulauf an Mitgliedern. Seit dem Tag der Ministerpräsidentenwahl in Thüringen seien 402 neue Mitgliedsanträge eingegangen, so ein Mitglied des Bundesvorstandes gegenüber dem MDR-Magazin "exakt".

Christian Sitter, Vorsitzender der "Werteunion Thüringen", sagte im Interview mit MDR-exakt, die Gruppe sehe sich als legitime Vertretung der Konservativen in der CDU: "Wohlwissend, dass es natürlich viele Konservative in der CDU gibt, die noch nicht Mitglied bei uns sind. Und unser Ziel ist es selbstverständlich weiterhin, zumindest als Sonderorganisationen anerkannt zu werden", so Sitter im Interview.

Führende CDU-Politiker kritisieren Werteunion

Angela Wanner, Mitglied des Bundesvorstands der "Werteunion" sieht gegenüber MDR-exakt den Grund für den Mitgliederzulauf darin, dass die "Werteunion" zu Thomas Kemmerich gestanden habe, als die CDU "eingeknickt" sei: "Standfestigkeit und Prinzipienfestigkeit werden hier belohnt. Es zeigt auch, dass wir in der Mitte der Partei angekommen sind. Wir werden ernst genommen, finden Gehör und werden zunehmend als die letzte Hoffnung für die CDU gesehen", so Wanner.

Die "Werteunion" ist ein eingetragener Verein, aber keine von der CDU legitimierte offizielle Gliederung der Partei. Nach der Wahl von Thomas Kemmerich (FDP) zum thüringischen Ministerpräsidenten hatte der Bundesvorsitzende der "Werteunion" dem FDP-Politiker gratuliert. Führende CDU-Politiker kritisieren die Gruppierung seitdem scharf.

So hatte etwa der Bundesvize des CDU-Arbeitnehmerflügels CDA, Christian Bäumler, auf den Abgrenzungsbeschluss der CDU zur AfD hingewiesen und gesagt: Wer diesen nicht akzeptiere, dürfe keine Verantwortung in der Union übernehmen. Bäumler ging sogar noch weiter: "Wer die Werte der CDU nicht teilt, hat in der CDU nichts zu suchen."

Bundesweit hat die Werteunion nach eigenen Angaben mit Stand vom 4. Februar 2020 3.698 Mitglieder. Die CDU hat bundesweit 404.600 Mitglieder. Zum Vergleich: der Arbeitnehmerflügel CDA hat etwa 11.000 bis 12.000 Mitglieder, sagte deren Sprecher gegenüber MDR-exakt.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 12. Februar 2020 | 20:15 Uhr