Schule E-Learning in Mitteldeutschland – das ist der Stand

Um die Ansteckungsgefahr in Zeiten von Corona zu senken, sind die Schulen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen geschlossen. Eltern wurden aufgefordert, Arbeitshefte und Bücher aus den Einrichtungen zu holen. Schüler bekommen Aufgaben per E-Mail, Online-Plattformen und Apps. Doch wie weit sind Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen beim Thema E-Learning wirklich? Ein Überblick.

von Ine Dippmann, MDR AKTUELL

Schüler lernen während des Unterrichts am Alten Gymnasium Oldenburg (AGO) mit einem iPad
Lernen über Online-Plattformen – dafür gibt es schon zahlreiche Möglichkeiten. Bildrechte: dpa

Die Situation in Sachsen

Sachsen setzt beim Thema E-Learning auf die Plattform LernSax und die Dienste des Sächsischen Bildungsservers, beispielsweise OPAL-Schule. Kultusminister Christian Piwarz informierte am Donnerstag: "Die Nutzerzahlen von LernSax haben sich innerhalb einer Woche mehr als verdreifacht, von rund 100.000 auf 308.000. Insgesamt nutzen nun 1.230 Schulen diese Plattform."

Der Nutzeranstieg führte allerdings zu erheblichen Serverproblemen. Piwarz erklärte deshalb: "Am Wochenende erhöhen wir die Kapazitäten, sodass LernSax ab Montag wieder zuverlässig für Schüler, Lehrer und Eltern erreichbar ist." Aufgrund der Arbeiten am System wird die Plattform voraussichtlich am Freitag und über das Wochenende zeitweise nicht erreichbar sein.

LernSax bietet unter anderem ein Videokonferenztool für den virtuellen Unterricht. Darüber hinaus gibt es aber auch noch andere Lernplattformen. "Die Anbieter überschlagen sich derzeit mit kostenlosen Hilfsangeboten. Das Spektrum reicht von Microsoft bis zum lokalen IT-Anbieter, heißt es aus dem Sächsischen Kultusministerium. Auch medienpädagogische Zentren, die pädagogischen IT-Koordinatoren, Zweckverbände der Schulträger sowie die freie Wirtschaft unterstützten die Schulen.

Wie sind Lehrer für diese Wissensvermittlung vorbereitet?

Seit 2011 bietet Sachsen den Lehrern Schulungen zum Thema Medienbildung an. Ziel sei es, so das Kultusministerium, bis 2025 alle Pädagogen zum Thema fortzubilden. Zuletzt hätten mehr als 450 Lehrkräfte an der jährlichen Herbstakademie Medienbildung teilgenommen. Medienbildung soll außerdem fester und prüfungsrelevanter Bestandteil der Lehrerausbildung werden. Für das Lehramtsstudium sei das gerade in Arbeit, beim Referendariat werde es bereits umgesetzt. "Wir wollen in Zukunft auch verstärkt auf digitale Fortbildungsmaßnahmen für Lehrer setzen, mit Online-Lernmodulen und einer Online-Fortbildungsakademie", erklärte eine Sprecherin des Kultusministeriums.

Einen Einstieg bieten die Medienbildung Sachsen unter www.medienbildung.sachsen.de sowie MeSax. Dort gibt es für Lehrer Handreichungen zu allen digitalen Werkzeugen, bei LernSax beispielsweise zum Unterrichten unter Quarantänebedingungen. Es werden auch Webinare zum Thema angeboten und die Medienpädagogischen Zentren sind sensibilisiert, hier bevorzugt Unterstützung zu geben.

Schüler einer 5. Klasse lernen mit iPads im Englischunterricht 5 min
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Auf- und Ausbau der nötigen Infrastruktur

Sachsen war das erste Flächenland, das für den "Digitalpakt Schule" eine Förderrichtlinie veröffentlicht und Fördermittel übergeben hat. Kern der Förderrichtlinie "Digitale Schulen" ist die Erstellung und Verbesserung der digitalen Infrastruktur in Schulen. Hierzu gehören insbesondere die strukturierte Datenvernetzung der Schule einschließlich WLAN, Präsentations- und Interaktionstechnik wie digitale Displays, interaktive Tafeln und weitere Endgeräte wie etwa Notebooks. Nach Informationen des Kultusministeriums liegen aktuell 58 Anträge mit einem Volumen von 29,2 Millionen Euro vor. Bewilligt wurden bis jetzt 36 Anträge mit einem Zuschuss von 15,2 Millionen Euro. Insgesamt stehen den Schulen in Sachsen 250 Millionen Euro bis 2024 für die digitale Ausstattung zur Verfügung. Davon kommen 225 Millionen Euro vom Bund und 25 Millionen Euro je zur Hälfte von Land und Schulträgern.

Die Situation in Sachsen-Anhalt

Moodle ist die zentrale Lernplattform des Landes Sachsen-Anhalt. Die Plattform ermöglicht es, digitale Lehr- und Lernmethoden einfach in den Unterricht einzubinden. Lernen, Üben, Kollaboration und Kommunikation können so zeit- und ortsunabhängig in einem geschützten Bereich im Internet gestaltet werden. An Schulen mit eigener Schulinstanz können Lehrkräfte eigene Moodle-Kurse anlegen und bearbeiten sowie dazu bereits vorhandene Kursangebote und einen Fundus an Onlinekursen nutzen.

Ein Schüler lernt während des Unterrichts im Fach Geschichte am Alten Gymnasium Oldenburg (AGO) mit einem iPad.
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Für Schüler gibt es unter Moodle die Lern- und Übungsplattform 2l4s. Hier finden sich Übungen für Gymnasium, Sekundar- und Förderschule in den Fächern Deutsch, Englisch, Mathematik und Naturwissenschaften. Schüler können sich anonym anmelden, die Aufgaben bearbeiten und erhalten vom System eine Rückmeldung über die Ergebnisse.

Sachsen-Anhalt stellt für das E-Learning noch weitere Online-Tools zur Verfügung. emuCLOUD heißt die Bildungscloud des Landes. Lehrkräfte können hier Dateien oder ganze Verzeichnisse hochladen und mit Schülern, Eltern und anderen Nutzern passwortgeschützt per Link teilen.

Das Medienportal emuTUBE bietet vielfältige, lizenzrechtlich abgesicherte Unterrichtsmedien. Mehr als 13.000 audiovisuelle bzw. auditive Medien stehen in unterschiedlichen digitalen Dateiformaten sowie mit Begleitmaterialien im Zusammenhang der aktuellen Fachlehrpläne zur Verfügung. Die Recherchefunktion erlaubt eine schnelle Zuordnung zu Fächern, Schuljahrgängen, Lehrplaninhalten und einzelnen Stichworten.

Grundschüler arbeiten in der Grundschule Offenstetten an einer interaktiven digitalen Schultafel 5 min
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Technisch-pädagogische Medienbildungskonzepte sind ein wichtiger Bestandteil für Schulen, um Fördermittel zu beantragen. MDR KULTUR hat an der Naumburger Utaschule nachgefragt, wie so ein Konzept entsteht.

MDR KULTUR - Das Radio Di 17.03.2020 18:05Uhr 05:15 min

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Über den Bildungsserver des Landes können Lehrkräfte mit einem Zugang eigene Angebote bereitstellen. Zudem sind analoge Lern- und Übungsmaterialien online abrufbar. Darüber hinaus stehe es den Schulen frei, weitere Tools einzusetzen, heißt es aus dem Kultusministerium. So setzen einige wenige Schulen auf die Cloud des Hasso-PIattner-Instituts, u.a. die Landesschule Pforta.

Die Nutzung des Bildungsservers und der E-Learning-Angebote (Cloud und Moodle) habe sich in den vergangenen Tagen verzehnfacht, sagt Stefan Thurmann, Sprecher der Bildungsministeriums in Sachsen-Anhalt. Besonders weiterführende Schulen würden damit arbeiten. Viele der rund 16.000 Lehrer in Sachsen-Anhalt hätten bereits eine Qualifizierung. "Aber jetzt sind alle gezwungen, sich damit auseinanderzusetzen und das passiert nun fast flächendeckend", sagte Thurmann. So habe eine Schule, die E-Learning bisher gar nicht genutzt habe, von Freitag auf Montag den Clouddienst für alle Klassen und Fächer aufgebaut. Aber noch laufe nicht alles rund. So seien die Serverkapazitäten für den Ansturm nicht ausgelegt, in den vergangenen Tagen habe es immer mal wieder Schwierigkeiten gegeben, sich einzuwählen.

Die Situation in Thüringen

In Thüringen wurde am vergangenen Freitag unter Schulportal Thüringen eine sogenannte Schul-Cloud freigeschaltet. Die Schul-Cloud ist eine intuitiv bedienbare digitale Lehr- und Lernumgebung, die für die Nutzer von jedem Ort, zu jeder Zeit und unabhängig vom Endgerät erreichbar ist. Mithilfe der Cloud können digitale Inhalte einfach und sicher in der Schule genutzt werden.

Bislang konnten nur 20 Schulen in einem Pilotprojekt darauf zugreifen. Nun ist es allen interessierten Schulen möglich, sich über das Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM) anzumelden. Thüringen hat rund 1.000 Schulen, in denen rund 195.000 Schüler lernen. Bis Donnerstag wurden in der Schul-Cloud 16 Schulen eingepflegt und bekamen damit volle Zugriffsmöglichkeiten. Weitere 107 Schulen haben die Aufnahme beantragt und werden innerhalb der nächsten Woche eingepflegt. Derzeit arbeiteten rund 8.500 Schüler aktiv in der Thüringer Schulcloud, heißt es aus dem ThiLLM.

Die Thüringer Schulcloud wurde von einem Muster adaptiert, dass das Hasso-Plattner-Institut (HPI) entwickelt hat. Das HPI in Potsdam ist Deutschlands universitäres Exzellenz-Zentrum für Digital Engineering. Es entwickelt die Schul-Cloud stetig weiter, die gemeinsam mit dem nationalen Excellence-Schulnetzwerk MINT-EC, zahlreichen Experten aus Wissenschaft und Praxis entwickelt wurde und durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird.

"Die Besonderheit der Einbindung der Schulcloud in das Thüringer Schulportal liegt in der konsequenten Vernetzung aller für die Thüringer Schullandschaft angebotenen Unterstützungsleistungen auf einer Plattform und mit einem Zugang", erklärt Dr. Andreas Jantowski, Direktor des ThILLM. Lehrerkräfte brauchen nur einen Zugang, um alle Angebote nutzen zu können: die Mediathek ebenso wie den Fortbildungskatalog und individuelle Lernumgebungen für Schulen und Klassen.

Ein Lehrer am Gymnasium, gibt Matheunterricht an einem Bildschirm. 5 min
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Wie sind Lehrer für diese Wissensvermittlung vorbereitet?

"Die Schulcloud bietet einen umfangreichen Hilfebereich, zum Teil mit Selbstlernvideos, mit denen sich Lehrkräfte in einem ersten Schritt selbst mit den Grundfunktionalitäten vertraut machen können, auch Supportleistungen werden Schritt für Schritt weiter ausgebaut", heißt es aus dem ThILLM.

Allerdings gibt es auch in Thüringen Schulen, die bereits eigene E-Learning-Systeme nutzen, bei denen der Schulträger die eigene Infrastruktur zur Verfügung stellt, sagte der Sprecher des THiLLM, Rigobert Möllers. Einige Schulen arbeiteten zum Beispiel mit MOODLE.

Zudem fehle an vielen Schulen noch die nötige digitale Infrastruktur, etwa ein brauchbarer Internetanschluss. Die Mittel des Digitalpakts müssten dafür genutzt werden, so Möllers. Er sieht in der Digitalisierung und E-Learning eine große Chance, für die Individualisierung des Lernens, auch über die Zeit der Schulschließungen hinaus.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 20. März 2020 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. März 2020, 11:03 Uhr