Beispiel Leipzig Deutlich mehr Kinder in der Kita-Notbetreuung

Die Schulen werden schrittweise geöffnet, die Kitas bleiben weiter zu. Das hat für viel Protest gesorgt. In Thüringen gibt es zumindest die vage Absichtserklärung, die Kitas im Mai nach und nach zu öffnen. In Sachsen-Anhalt und Sachsen können jetzt mehr Berufsgruppen die Notbetreuung in Anspruch nehmen. Wie wirkt sich das aus? Nachgefragt in Leipzig.

Zwei Jungs spielen im Garten.
Ab sofort können mehr Berufsgruppen die Notbetreuung in Kitas in Anspruch nehmen. Wie wirkt sich das aus? Bildrechte: MDR/Unsplah/Ashton Bingham

Die Veränderung ist deutlich, sagt Felix Sauerbrey. Der  Abteilungsleiter Kindertagesstätten bei der Stadtverwaltung hatte am Montag schon die Zahlen für alle Kindergärten und Horte in Leipzig: "Die Zahl hat sich deutlich erhöht. Am Freitag waren es 2.100 Kinder in der Betreuung und nun 3.700."

Das ist ein Anstieg von 60 Prozent. Dazu kommt, dass möglicherweise viele Arbeitnehmer sehr kurzfristig die entsprechenden Unterlagen bekommen haben, die sie zur Notbetreuung berechtigen. Die Zahlen könnten also weiter ansteigen.

Betreuungsschlüssel könnte sich erhöhen

Abteilungsleiter Sauerbrey betrachtet die Situation pragmatisch: "Wir haben vier Kinder gehabt auf einen Betreuer in den letzten Wochen, wir müssen das jetzt neu betrachten anhand der neuen Betreuungszahlen. Es wird einen Großteil an Einrichtungen geben, die diesen Betreuungsschlüssel weiterhin gewährleisten können, es wird aber auch Einrichtungen geben, die wenig Räume haben, vielleicht auch Personalmangel. Gegebenenfalls muss man den Betreuungsschlüssel um ein oder zwei Kinder erhöhen."

Personell haben die städtischen Einrichtungen bereits reagiert. Bislang haben Erzieherinnen und Erzieher in einem rollierenden Verfahren gearbeitet, seit Montag sind wieder alle im Vollzeit-Einsatz. Sauerbrey will damit sicherstellen, dass alle Eltern, die Anspruch auf eine Notbetreuung haben, ihr Kind in eine Einrichtung bringen können.

Mehr Kinder, höheres Infektionsrisiko?

Wie sieht es mit dem Infektionsrisiko aus, wenn jetzt wieder deutlich mehr Kinder in die Einrichtungen kommen? Eine abschließende Einschätzung gibt es in der Leipziger Stadtverwaltung noch nicht. Konkrete Empfehlungen des Gesundheitsamtes werden am Dienstag im Laufe des Tages erwartet.

Auf jeden Fall hat die Stadt Leipzig bereits Atemmasken für das Kita-Personal geliefert bekommen. Die Horte werden fast zu 100 Prozent von der Stadt betrieben, bei den Kitas sind es aber nur 20 Prozent, der Rest ist in freier Trägerschaft. Sauerbrey versicherte aber, man werde den freien Kindergärten mit Rat und Tat zur Seite stehen. Gegebenenfalls auch mit Atemschutzmasken.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. April 2020 | 05:00 Uhr