Sachsen-Anhalt Corona-Maßnahmen an Schulen – wie läuft's?

Seit dieser Woche läuft in Sachsen-Anhalt der Schulbetrieb nach den Herbstferien wieder – und das, während die Zahl der Corona-Neuinfektionen im Land so stark steigt wie noch nie. Grund genug, um einen Blick auf die Hygienevorschriften an den Schulen zu werfen. Reichen sie aus? Werden sie eingehalten? Welche Probleme gibt es?

Eine Lehrerin mit Maske erklärt Schülern etwas.
Wie gehen die Schulen in Sachsen-Anhalt mit den Maßnahmen um? Bildrechte: imago images/Belga

Die Hygieneregeln für die Schulen in Sachsen-Anhalt sind in einem Rahmenplan aufgeführt. Darunter: Abstand halten oder die Nies- und Hust-Etikette. Auch regelmäßiges Lüften wird vorgeschrieben. Eine grundsätzliche Maskenpflicht findet man darin allerdings bislang nicht, darüber können die Schulleitungen selbst entscheiden.

Wie die Maßnahmen eingehalten werden

In einigen Schulen im Land gilt eine Maskenpflicht, in den Bildungseinrichtungen in Halle zum Beispiel. Wird die eingehalten? Den Schülerinnen und Schülern zufolge ja. Und wenn sich mal nicht einer daran hält, dann würden die Lehrkräfte eingreifen, sagen sie.

Und wie sieht's beim Thema Lüften aus? Das würden manche Lehrkräfte oft vergessen, berichten die Schülerinnen und Schüler. "Das kommt auf den Lehrer an, also manchmal vergessen wir das auch und dann ist es vielleicht auch mal fünf Minuten später. Es wird eigentlich eingehalten."

Bildungsministerium zufrieden

In Halle werden die Hygieneregeln also offenbar weitgehend beherzigt. Und das ist nach Auffassung des Bildungsministeriums in Magdeburg auch im restlichen Land so. Ministeriumssprecher Stefan Thurmann: "An den Schulen herrscht inzwischen ein relativ solider Umgang mit den bestehenden Maßnahmen. Da ist viel in Fleisch und Blut übergegangen." An den Schulen im Land habe es bislang noch kein Infektionsgeschehen gegeben, sagt Thurmann. Die Maßnahmen erfüllten also ihren Zweck.

Eltern äußern Kritik

Von Schule zu Schule werden diese Maßnahmen allerdings recht unterschiedlich umgesetzt. Das sorgt in Teilen des Landeselternrats für großes Unverständnis.

Es werde sehr viel an die Schulen delegiert, die Schulleitungen hätten große Entscheidungsfreiheit, sagt der Vorsitzende des Landeselternrats, Matthias Rose: "Wenn es also bei der einen Schulleitung heißt, auf dem Schulhof besteht für die gesamte Pause Maskenpflicht für alle Schüler, dann ist das eine sehr große Einschränkung, weil man da dann ja nur reduziert frische Luft einatmen kann. Und ein paar Straßen weiter in der nächsten Schule, wurde mir berichtet, hat der Schulleiter angeordnet, dass im Unterricht wieder gesungen werden darf im Klassenraum." Letzteres ist laut Rahmenplan aber eigentlich untersagt.

Zwischen einheitlichen Regeln und Spielraum

Diese Unterscheidungen seien nur schwer erklärbar, sagt Rose. Er spricht sich für strikte und einheitliche Regeln an den Schulen in Sachsen-Anhalt aus. Das Bildungsministerium hat den Schulen aber ganz bewusst einen gewissen Spielraum gewährt, besonders beim Thema Maskenpflicht.

Sprecher Stefan Thurmann: "Überall dort, wo der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann, kann die Schule die Maskenpflicht verordnen. Wir kennen aber nicht die räumlichen und baulichen Gegebenheiten von über 800 Schulen im Detail. Das heißt, man kann keine Lösung finden, die jeder Schule gerecht wird. Deshalb ist es am sinnvollsten, wenn vor Ort solche wesentlichen Entscheidungen getroffen werden."

Eine Einschätzung, die der Landesschülerrat teilt. Die eine Schule löse das vielleicht besser als die andere, sagt der stellvertretende Vorsitzende Kenny-Lee Richter. Aber: "Da eine generelle Regelung zu finden, finden wir relativ sinnfrei, weil es die Kompetenz der Schulen und Träger einfach abschreiben würde."

Beschwerden der Schülerschaft über die Umsetzung der Hygienemaßnahmen seien ihm außerdem nicht bekannt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Oktober 2020 | 05:11 Uhr

10 Kommentare

Querdenker vor 3 Wochen

@Felix

Verzichten Sie doch auf „Argumentum ad hominem“ Beiträge und Kommentare ohne Mehrwert.

Was Mainstream ist, ist unwichtig. Der kann mal richtig und mal falsch liegen. Wichtig sind Fakten, Tatsachen, Erkenntnisse und Schlussfolgerungen daraus.

Zur Pandemie habe ich viele Studien mir über die Monate angeschaut und Meinungen von Fachleuten aus dem Bereich Virologie und Epidemiologie angehört. Aus diesem Grund sehe ich die Empfehlungen des RKI bzgl. Schulen (siehe mein erster Kommentar) als äußerst wichtig an in Bezug auf Herbst und Winter.

Wo die zu lasche Handhabung im Sommer an Schulen noch funktioniert hat, wird sie im Herbst und Winter wahrscheinlich scheitern. Das Schulen in der Pandemie kaum eine Rolle spielen ist Wunschdenken in Hinblick auf die kalte Jahreszeit.

Dreibeiner vor 3 Wochen

Gesundheitsbehörden können weiterhin Schulschließungen vornehmen. Daher sind die Schulen gehalten, sich auch auf eine teilweise oder vollständige Abkehr vom Regelbetrieb einzustellen, "um kurzfristig wieder Distanzunterricht anbieten zu können".

Felix vor 3 Wochen

Für eine Verhältnismäßigkeit benötigt es erst einmal eine nüchterne und gut recherchierte und mit der Vergangenheit verglichene Betrachtung. Manche sind so im Panikmodus und in Angst - die können schon gar nicht mehr rational denken.
Nur nebenbei: Ich arbeite im Hort und kann nichts, aber auch gar nichts, von einer dramatischen Lage erkennen - weder bei uns noch anderswo. Blicken Sie gern einmal in die armen Länder in Afrika & Co. - dann wissen Sie, was "dramatisch" bedeutet. Dort verhungern mehr Kinder als in anderen Jahren - und das wegen unserer "Coronapandemie".