Intensivbetten-Belegung Covid-19: Krankenhäuser bereiten Notfallpläne vor

Ob das Gesundheitssystem bedroht ist, hängt entscheidend von der Zahl der Covid-19-Patienten ab, die auf der Intensivstation behandelt werden müssen. Das Robert Koch-Institut hat zusammen mit der Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin ein Verteilsystem entwickelt. Das schlüsselt auf, wie Patienten verlegt werden können, wenn ein Krankenhaus an seine Kapazitätsgrenze stößt.

Mediziner behandeln einen Patienten auf der Intensivstation
Mitteldeutschland ist Teil einer von fünf Kleeblatt-Regionen. Bildrechte: dpa

Noch haben fast alle Krankenhäuser auf ihren Intensivstationen ausreichend Kapazitäten. Es kann also jeder Covid-19-Patient genauso aufgenommen und versorgt werden wie ein Patient mit einem Herzinfarkt.

Christian Karagiannidis ist Sprecher des "Intensivregisters" der Deutschen interdisziplinären Vereinigung für Notfall- und Intensivmedizin (DIVI). Er warnt: "Wenn eine Region wirklich überläuft, dann kommen, wenn wir in der exponentiellen Phase dieser Infektion sind, sehr schnell, sehr viele Patienten hinzu. Dann muss man auf einen Schlag mehr Kapazitäten schaffen."

Deutschlandweite Zusammenarbeit

Viele Krankenhäuser könnten innerhalb von wenigen Tagen zusätzliche Intensivbetten bereitstellen. Um die 7.000 Betten sind das derzeit in ganz Deutschland. Die bestehende Kapazität könnte so also noch um 25 Prozent erhöht werden. Innerhalb der meisten Bundesländer werden Intensiv-Patienten aber jetzt schon verlegt, weil die Kapazitäten an einigen Krankenhäusern nicht ausreichen.

Karagiannidis zufolge braucht es für den echten Katastrophenfall ein übergeordnetes Konzept, wie Patienten in Deutschland verteilt werden. Also für den Fall, dass einzelne Bundesländer gar keine Möglichkeit mehr hätten, Intensivpatienten zu behandeln, erklärt der Sprecher des DIVI.

Mitteldeutschland wird Kleeblatt-Region

Und an diesem Konzept wird gerade gearbeitet. Kleeblatt-Prinzip heißt es. Deutschland wird in fünf Regionen, oder fünf Kleeblätter eingeteilt. In diesen Regionen wird dann zentral die Verlegung von Covid-19-Intensivpatienten organisiert. Michael Bauer von der Universitätsklinik Jena ist in die Planung eingebunden: "Für uns ist es Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen die da zusammenarbeiten und sich gegenseitig  unterstützen." Wenn es zu einem regionalen Ausbruch komme, brauche man die Zusammenarbeit über die Bundesländer hinweg, betont Bauer.

Was in diesen Kleeblatt-Regionen angedacht ist, wird in Thüringen bereits praktiziert. Und auch in Sachsen, wo Michael Albrecht, Chef der Uniklinik in Dresden, die Patienten-Verlegung koordiniert. Entsprechend interessiert verfolgt er die Kleeblatt-Planungen. Es sei eine richtige Idee, die man im Notfall genau so umsetzen müsse. "Dazu braucht man allerdings erstmal die lokalen Steuerstellen in den Bundesländern", stellt Albrecht fest.

Verteilsystem bald einsatzbereit

Aber nicht alle Bundesländer sind beim Management ihrer Intensivbetten so gut aufgestellt wie Sachsen oder Thüringen. Deutschlandweit gibt es seit dem Frühjahr ein Intensivbettenregister, an das alle 1.900 Krankenhäuser ihre freien Kapazitäten melden. Das soll die Grundlage für die Arbeit des Kleeblatt-Prinzips sein. Die Planungen sollen in den nächsten Tagen abgeschlossen werden. Wenn die Zahlen sich weiter so entwickeln wie vorhergesagt, könnte das System zur Verteilung der Intensivpatienten in manchen Regionen schon bald zum Einsatz kommen – vielleicht sogar schon in 14 Tagen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. November 2020 | 05:38 Uhr

3 Kommentare

Matthi vor 10 Wochen

Notfallpläne machen nur sinn wenn sie im Vorfeld gemacht werden schließlich hatte man genug Zeit. Das jetzt in Thüringen geplante Operationen verschoben werden wie in Jena ist der inkompetens der Politik geschultet Reiches Deutschland.

ElBuffo vor 10 Wochen

Die Politiker gefallen sich daran, so zu tun als würde sie eine megadolle Krise meistern. Solch banale Dinge wie Risikogruppen effektiv schützen stören da bloß. Man müsste sich dann ja wieder ums Tagesgeschäft kümmern. Wenn man das aber bis zur Wahl vermeiden könnte, also das wäre wohl irgendwie schon toll für manchen Politiker.

pepe79 vor 10 Wochen

Eine der wenigen wirklich sinnvollen Ma§ nahemen und es freut mich zu lesen das es in Thüringen und Sachsen bereits länger solch ein funktionierendes Konzept gibt!

Was allerdings nicht sein kann, das Rettungsdienste laut MDR Bericht von Heute, keine Corona Tests bezahlt bekommen.
Da schüttet man Milliarden in die Wirtschaft, alle müssen sich diesem Lockdown unterwerfen und dann wird bei denen die gerade am Risikopatienten stehen noch über die Bezhlung der Tests gestritten.

Wann begreifen die Politiker endlich dass es mal an der Zeit ist Sinn,Unsinn und Effektivität von Maßnahmen zu hinterfragen! Schützt die Risilogruppen effektiver und msn kann vieles andere lockern und das heust bicht das man Feiern mit 500 Leuten zulassen muss.