Gesundheitsämter Thüringen Landkreistag: Landesregierung behindert Personalsuche

Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Gesundheitsämtern der Landkreise stehen seit Beginn der Pandemie besonders im Fokus. Dort werden Kontaktketten nachverfolgt und Tests durchgeführt. Um diesen öffentlichen Gesundheitsdienst zu stärken, haben Bund und Länder im September beschlossen, dass mehr Geld unter anderem für Personal fließen soll. In Thüringen dauert die Umsetzung davon allerdings zu lange, sagt der Landkreistag. Das zuständige Ministerium ist anderer Meinung.

Ein Schild mit der Aufschrift "Gesundheitsamt".
Der "Pakt für den öffentlichen Dienst" soll mit einer Finanzspritze Gesundheitsämtern helfen, neues Fachpersonal einzustellen. Bildrechte: imago images/Waldmüller

Das Gesundheitsamt in Schleiz, das Torsten Bossert leitet, liegt am äußersten Zipfel von Thüringen im Saale-Orla-Kreis. Die bayerische Landesgrenze ist nur den berühmten Katzensprung entfernt. Seit Beginn der Pandemie sei wahnsinnig viel zu tun, aktuell sei es aber noch mehr geworden, schildert der Amtsarzt.

Torsten Bossert spüre, dass das Team seines Gesundheitsamts Erschöpfungszeichen zeige, obwohl es gut auf die zweite Welle vorbereitet sei: "Es gibt Mitarbeiter, die haben noch 25 Tage Urlaub. Ich habe mittlerweile 400 Überstunden angehäuft, ich habe selber auch noch drei Wochen Urlaub."

Rechtliche Grundlage für neues Personal fehlt

Das Schleizer Gesundheitsamt ist damit keine Ausnahme. Bundesweit ist in den Gesundheitsämtern aktuell viel zu tun. Darum haben Bund und Länder den sogenannten "Pakt für den öffentlichen Gesundheitsdienst" beschlossen: Der Bund stellt den Ländern vier Milliarden Euro unter anderem für mehr Personal zur Verfügung. Bis Ende 2021 sollen mindestens 1.500 neue Stellen geschaffen und mit Fachpersonal besetzt werden.

Die Landkreise loben diesen Pakt, auch die Präsidentin des Thüringischen Landkreistages, Martina Schweinsburg. Was allerdings bislang fehle, sei eine rechtliche Grundlage, damit der Beschluss auch in Thüringen umgesetzt werden könne.

Die CDU-Landrätin aus Greiz fordert: "Im Prinzip würde jetzt ein Fünfzeiler von der Staatskanzlei oder von dem Sozialministerium oder wem auch immer - mir ist das mittlerweile Wurscht - reichen, in dem gesagt wird: Stärkung des öffentlichen Gesundheitsdienstes, wir sind noch in Abstimmungen mit den Ressorts, aber fangen Sie an, es ist nicht fördermittelschädlich, wir werden diese Verordnung rückwirkend in Kraft setzen. Dann könnten wir loslegen."

Thüringer Gesundheitsministerium: Für Pakt-Umsetzung brauche es Geduld

Im Thüringer Gesundheitsministerium erwidert man hingegen: So ein Fünfzeiler sei nicht nötig. Der Pressesprecher im Ministerium, Frank Schenker, sagt, dass dem Ministerium der generelle Personalmangel der Gesundheitsämtern bekannt sei: "Laut einem Gutachten, das wir letztes Jahr als Ministerium ausstellen lassen haben, waren weit über 40 Stellen in den Gesundheitsämtern nicht besetzt."

Selbstverständlich sei es in den Kreisen möglich, diese Stellen auszuschreiben, wenn sie denn besetzt werden würden, sagt Pressesprecher Schenker weiter: "Es geht jetzt erst mal darum, die akut offenen Stellen zu besetzen, und das hängt nicht direkt mit dem Pakt für den ÖGD zusammen."

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Was das Geld aus dem Pakt für den öffentlichen Gesundheitsdienst, kurz ÖGD, betrifft, brauche es noch Geduld, sagt Frank Schenker: "Es ist nachvollziehbar, dass die Gesundheitsämter darauf warten, dass sich die Gesundheitsämter diese personelle Stärkung wünschen, aber bis dahin ist noch viel bundesweit zu klären, was wir in Thüringen nur minimal beeinflussen können."

Sorge um die Suche nach Fachpersonal

Diese Geduld hat die Präsidentin des thüringischen Landkreistags, Martina Schweinsburg, allerdings nicht: "Je später wir anfangen, umso schwerer wird es, an Fachpersonal heranzukommen. Thüringen liegt in der Mitte Deutschlands und die Stadtgrenze hier ist teilweise die Sachsen-Grenze und 50 Kilometer weiter beim Kollegen im Saale-Orla Kreis grenzt das Land an Oberfranken. Und wir sitzen hier und kriegen das Personal nicht und lauern und lauern."

Diese Befürchtung teilt Torsten Bossert aus dem Schleizer Gesundheitsamt. Es sei ohnehin schwierig, Fachpersonal zu finden. Wenn andere Bundesländer mit den Ausschreibungen auch noch schneller seien, würden sich bald keine Fachleute mehr finden lassen, sagt Amtsarzt Torsten Bossert.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Oktober 2020 | 05:00 Uhr

2 Kommentare

Leachim-21 vor 5 Wochen

in diesen Artikel steht das es in Thüringen über 40 Stellen nicht besetzt sind, Frage warum werden diese Stellen die ja schon da sind nicht besetzt und wer hatte diese Stellen über die Jahrzehnte nicht besetzt. Forderungen kann man stellen , jedoch sollte man auch handeln und nicht wie die Landkreise die immer noch nicht die offenen Stellen besetzt haben , Zeiten sich doch oder ?

ElBuffo vor 5 Wochen

Kann man da nicht die Leute einsetzen, die zu Massen beim BAMF eingestellt wurden? Da die Flüchtlingszahlen zurückgehen, dürften die doch jetzt nach einer Anschlußverwendung suchen? Oder ist es da so, dass die jetzt lebenslang Anspruch auf ihren Posten bei voller Löhnung haben?
Ansonsten frage ich mich natürlich auch grundsätzlich, wo jetzt plötzlich das Fachpersonal herkommen soll. Sitzen die zu Tausenden auf der Straße und sind bisher nichtmal bei den Gesundheitsämtern untergekommen?