Alters- und Pflegeheime Corona-Schnelltests noch nicht flächendeckend einsetzbar

Menschen in Alters- und Pflegeheimen sind im Frühjahr von den strikten Corona-Schutzmaßnahmen besonders betroffen gewesen. Nun sollen Schnelltests, sogenannte Antigen-Tests, einen besseren Schutz gewährleisten und sichere Kontakte ermöglichen. Der Bund übernimmt die Kosten. Die Verordnung von Gesundheitsminister Spahn gilt seit einer Woche. Zu massenhaften Tests hat das bislang aber offenbar noch nicht geführt.

Eine Pflegerin schiebt einen Mann in einem Rollstuhl. Beide tragen einen Mundschutz.
Um die Schnelltests einzusetzen zu können, brauchen die Einrichtungen geschultes Personal. Bildrechte: imago images / localpic

Der Arbeiter-Samariter-Bund, ASB, ist Träger vieler Altenpflegeeinrichtungen im gesamten Bundesgebiet. Allein in Sachsen sind es 31 Heime. Hinzu kommen über 40 ambulante Pflegedienste und Tagespflegeeinrichtungen. Erfahrungswerte mit der neuen Verordnung hat man beim ASB in Sachsen bislang aber nicht. Auf Nachfrage heißt es dort, im Verein werde auf Bundesebene gerade erst eine Strategie ausgearbeitet, wie man mit der neuen Verordnung überhaupt umgehen wolle.

Schnelltests ergänzen PCR-Tests

Der Vorstoß aus Berlin kam offenbar überraschend, auch für die Landespolitik. Nach den Worten von Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping ist man nicht ausreichend vorbereitet gewesen. Nicht jeder könne die Antigen-Tests durchführen, denn dafür brauche es zunächst geschultes Personal: "Das heißt, es wird nicht von heute auf morgen sofort überall einsatzbar sein. Wir haben aber auch in den Pflegeeinrichtungen medizinisches Personal, das so etwas durchführen kann." Um die Schnelltests in der vulnerablen Gruppe so schnell wie möglich einsetzen zu können, stimme man sich derzeit miteinander ab.

Die Antigen-Schnelltests lassen also auf sich warten. Künftig sollen sie den aufwendigeren PCR-Test zwar nicht ersetzen, aber ergänzen. Sie sind schneller auszuwerten, liefern ein Ergebnis schon nach 15 bis 20 Minuten und müssen nicht eigens im Labor analysiert werden. Der Nachteil ist, dass sie nicht so zuverlässig wie der PCR-Test sind und erst reagieren, wenn der Getestete schon infektiös ist.

Verfügbarkeit und Reaktionszeit entscheidend

Bei Pro Seniore, einem der größten privaten Betreiber von Seniorenpflegeheimen im Land, ist man schon etwas weiter als beim Arbeiter-Samariter-Bund. Aber auch hier sind die Antigen-Tests noch nicht im Einsatz. Das Unternehmen teilte MDR AKTUELL schriftlich mit, man habe den eigenen Bedarf ermittelt und verhandle bereits mit verschiedenen Herstellern. Das Hauptaugenmerk liege dabei auf der dauerhaften Verfügbarkeit und der Reaktionszeit, falls kurzfristig ein höherer Bedarf entstehe, zum Beispiel bei Eintritt eines verschärften Pandemie-Geschehens.

Pro Seniore geht von 20 Tests pro Bewohner und Monat aus. Für seine 16 Einrichtungen in Mitteldeutschland rechnet das Unternehmen mit einem Bedarf in mittlerer fünfstelliger Größenordnung.

Kostenübernahme auch ohne Symptome

Nach eigenen Angaben hat Pro Seniore die Bewohner seiner Einrichtungen bislang erst dann auf das Coronavirus getestet, wenn Symptome oder zumindest Unregelmäßigkeiten im Gesundheitsbild aufgetreten sind. Künftig wird häufiger getestet. Auf Grundlage der neuen Testverordnung werden die Kosten für Antigen-Tests auch dann übernommen, wenn ein Bewohner keine Symptome zeigt.

Gleiches gilt auch für Mitarbeiter und Besucher. Dazu schreibt das Unternehmen: "Wir versprechen uns davon mehr Sicherheit für unsere Bewohner und Mitarbeiter. Entscheidend ist gerade im Pflegebereich, dass eine Infizierung mit dem Virus frühzeitig erkannt wird und schnellstmöglich die geeigneten Maßnahmen zur Eindämmung ergriffen werden können."

Wann die Tests aber tatsächlich flächendenkend in den mitteldeutschen Pflegeheimen zum Einsatz kommen, ist unklar.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Oktober 2020 | 05:00 Uhr

9 Kommentare

Peter vor 5 Wochen

Guter Schwabe, wieso verbreite ich Panik, wenn ich Zahlen nenne.
Im Übrigen dauert es eine gewisse Zeit, bis ein Corona-Infizierter schwerkrank auf der ITS landet, das RKI sagt, um die 14 Tage. Das heißt, die Zahl der Schwerkranken wird wohl angesichts der rasant steigenden Infektionen in den nächsten 14 Tagen ebenfalls stark steigen.
Schönen Tag zurück.

Guter Schwabe vor 5 Wochen

@Peter: Ihre Zahlen verdeutliche doch, dass unser Gesundheitswesen in der Lage ist, diese Fälle zu bewältigen.
Merken Sie, es kommt immer auf die Auslegung an. Panik verbreiten sollten Sie endlich mal unterlassen. Schönen Tag noch

Peter vor 5 Wochen

Manch Zeitgenosse hat seine eigenen Erkenntnisse zum Anstieg der Infektionszahlen.
Großer Klaus bringt wieder mal die Grippe und die Falsch-Positiven ins Spiel.
Akel fabuliert über ct-Werte.
Und Herr Kohfeld zweifelt die Zahlen überhaupt an.
Dabei sprechen die Fakten eine eindeutige Sprache:
Laut Risklayer liegen die wöchentlichen Testungen seit 8 Wochen konstant bei etwa 1 Mio pro Woche.
Laut Risklayer stieg in diesem Zeitraum die Zahl der Neuinfektionen von etwa 1.500 pro Tag auf gegenwärtig über 10.000.
Laut DIVI Intensivregister wurden am 11.09. nur 29 schwerkranke Corona-Patienten innerhalb eines Tages neu in die Intensivstationen der deutschen Krankenhäuser eingeliefert. Corona-Patienten belegten 220 Intensivbetten. 119 Menschen mussten invasiv beatmet werden.
Laut Stand heute sind es 261 neu eingelieferte Schwerkranke. Heute sind 1.030 Betten mit schwerkranken Corona-Patienten belegt. 459 müssen invasiv beatmet werden.