Nach Corona-Ausbruch Neustart für ZASt in Halberstadt

136 bestätigte Covid-19-Fälle sind bislang aus der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber (ZASt) in Halberstadt gemeldet worden. Sie gehörte in den vergangenen Wochen zu den Corona-Hotspots in Mitteldeutschland. Die ZASt stand unter Quarantäne und in der Kritik. Nun wurde die Einrichtung völlig umgekrempelt.

Wohncontainer auf dem Gelände der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber (ZASt) in Halberstadt (Sachsen-Anhalt)
Die ZASt in Halberstadt stand wegen zahlreicher Corona-Infektionen wochenlang unter Quarantäne. Bildrechte: dpa

Zäune und Container zum Absperren, mehrere Männer vom Wachschutz, eine Schleuse: Vor der Kantine der ZASt sieht es zurzeit ein bisschen aus wie im Eingangsbereich eines großen Musikfestivals. Wären nicht die Abstände zwischen den Menschen und die mit Masken bedeckten Gesichter.

Doch nur so kommen die Bewohner an Mahlzeiten. Auch Sana aus Syrien und Hosan aus dem Iran holen sich in der Kantine ihr Essen ab. Meckern können die beiden nicht. Sie sagen, das Essen sei lecker und es gebe immer genug: "Wir müssen hier nicht hungern. Das Essen ist sehr gut."

Mehrwöchige Corona-Quarantäne

Das war nicht immer so. Denn von Ende März bis Anfang Mai stand die ZASt am südlichen Stadtrand von Halberstadt unter Quarantäne, nachdem sich Covid-19 immer weiter unter den Bewohnern verbreitet hatte. Die Bundeswehr half beim Aufbau der Quarantäne und als Wachschutz, auch Ärzte ohne Grenzen waren da.

Die Bewohner protestierten: gegen ihre Isolation oder gegen fehlendes Klopapier. Und sie hätten Fotos vom angeblich schlechten Essen gepostet, erinnert sich der Leiter der ZASt, Eckhard Stein: "Was dann noch auftauchte, waren die kleinen Dinge des täglichen Lebens. Der Erste der nachfragte war ein Raucher der nach Zigaretten fragte und sagte, 'Ich kann hier nicht raus, wie komme ich hier jemals zu Zigaretten', da waren die ersten Unruhen."

Inzwischen hat sich die Aufregung gelegt. Doch fünf Wochen Quarantäne – dass sich das wiederholt, will Eckhard Stein unbedingt verhindern. Zusammen mit dem Gesundheitsamt und dem Sozialministerium hat er daher ein Konzept ausgearbeitet, das in den vergangenen Tagen schon größtenteils umgesetzt wurde. 

Hygieneregeln und Symptomkontrollen

Stein zufolge beinhaltet das unter anderem, dass man auf die Einhaltung der Hygieneregeln achtet. Es sollen aber auch regelmäßige Symptomkontrollen bei den Bewohnern durchgeführt werden, "sodass wir das Ziel haben, alle Bewohner alle zwei Tage wenigstens einmal diesbezüglich angesprochen zu haben und sofort auch reagieren, wenn jemand Symptome hat".

18.04.2020, Sachsen-Anhalt, Halle (Saale): Mit Mundschutz und entsprechendem Sicherheitsabstand halten rund 50 Menschen auf dem Marktplatz eine Kundgebung ab.
Die Situation in der ZASt hatte in Sachsen-Anhalt wiederholt für Proteste gesorgt. Bildrechte: dpa

Der wichtigste Teil des Corona-Konzepts ist aber, die Bewohner voneinander zu trennen und die Auslastung der ZASt zu verringern. Denn in den drei großen Wohnhäusern sind normalerweise 850 Flüchtlinge aus bis zu 45 Ländern. Viele von ihnen wurden in dezentrale Unterkünfte verlegt, zum Beispiel Schwangere und Menschen mit Vorerkrankungen.

Außerdem müssen alle Bewohner, die positiv getestet werden, in extra Quarantäne-Unterkünfte in anderen Städten. Die Halberstädter Unterkunft wurde in den vergangenen Tagen damit immer leerer. Zurzeit sind nur noch 490 Flüchtlinge da. 

Bewohner helfen selbst mit

Außerdem wird penibel auf Sauberkeit geachtet: So wurden Zimmer und Toiletten desinfiziert. Doch das Infektionsrisiko lasse sich nicht auf Null verringern, sagt Eckhardt Stein. "Fakt ist, dass wir nach wie vor Gemeinschaftssanitäreinrichtungen haben, das ist sicherlich die Krux einer solchen großen Einrichtung." Und deswegen müsse man ganz besonders darauf achten, dass an diesen de facto Hotspots für ausreichend Hygiene und Desinfektion gesorgt wird.

Übrigens helfen beim neuen Corona-Konzept auch die Bewohner selbst mit: Unter den Flüchtlingen wurden Hygiene-Beauftragte ernannt, die 80 Cent pro Stunde bekommen – dafür, dass sie überall auf die Einhaltung der Regeln achten. 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Mai 2020 | 12:08 Uhr