Thüringen Positive Reaktionen zu Abiturprüfungen

In Thüringen gibt es positive Reaktionen auf den Beschluss der Kultusminister, dass es Abiprüfungen geben soll. Ein Sprecher der Landesschülervertretung sagte MDR AKTUELL, ein Durchschnittsabi ohne Prüfungen hätte Nachteile für Bewerber und wäre im Ausland nicht anerkannt worden.

Nach den Osterferien, so ist der aktuelle Stand, soll der Unterricht an Thüringens Schulen weitergehen. Wenn es dabei bleibt, wäre das der 20. April. Und nur zehn Tage später – am 30. April hätten die Abiturprüfungen beginnen sollen. Nicht zumutbar, sagt Thüringens Bildungsminister Helmut Holter:

"Ja, die Abiturienten und Abiturientinnen und die anderen Schüler und Schülerinnen sind zuhause. Aber es ist ein Unterschied, ob ich mich im schulischen Kontext auf die Prüfungen vorbereite oder unter diesen Bedingungen. Deswegen brauchen wir ausreichend Zeit für die Vorbereitung." Und zwar mit den Lehrerinnen und Lehrern, erklärt Holter weiter:

"Deswegen werden wir den Zeitpunkt der Prüfungen so festlegen, dass ausreichend Zeit – drei bis vier Wochen - dann zur Verfügung steht."

Andere Bundesländer prüfen bereits

Die Prüfungen ganz ausfallen zulassen wäre auch deshalb keine Option gewesen, weil in anderen Bundesländern schon geprüft wird, erklärt Holter: in Hessen und in Rheinland-Pfalz.

Die Landesschülervertretung Thüringen ist sehr zufrieden damit, dass sich die Länder darauf geeinigt haben, die Abiturprüfungen nicht ausfallen zu lassen. Ein sogenanntes Durchschnittsabi hätte mehrere Nachteile, meint Sprecher Leon Schwalbe:

"Das fängt an bei einer möglichen Nichtanerkennung dieses Abschlusses im Ausland oder auch bei einer schlechteren Bewertung des Abschlussjahrganges bei Unternehmen, wenn an sich bei einer Firma bewerben möchte, kann das durchaus Nachteile mit sich ziehen. Aber auch bei der Prüfungssituation, die dann nicht dabei ist und die ja nicht ohne Grund wichtiger Bestandteil des Abiturs ist."

Alles ist runtergefahren

Auch Claudia Koch ist froh über die Entscheidung der Kultusminister. Sie ist die stellvertretende Landeselternsprecherin für Gymnasien. Auch Holters Entscheidung, die Prüfungen zu verschieben findet Koch gut. Noch vor zwei Wochen schien es unwahrscheinlich, dass es überhaupt Schulschließungen geben könnte: Claudia Koch sagt dazu:

"Jetzt haben wir sie. Jetzt ist alles runtergefahren. Man hat sich das einfach nicht vorstellen können. Und ich denke, in der aktuellen Situation ist es tatsächlich am besten zu sagen: Wir treten ein Stück zurück, wir behalten die Ruhe. Wir entscheiden dann, wie der Minister gesagt hat auf Sicht. Und mit einem gesunden Bewusstsein darüber, dass auch Lehrer, Schüler Schulen sich dann in Ruhe auf Prüfungen vorbereiten müssen."

Vertrauen in die Kultusbürokratie

Auch Rolf Busch vom Thüringer Lehrerverband ist froh, dass sich die Bildungsminister auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt haben.

"Also wir haben wirklich eine extreme Situation und die Menschen haben, glaube ich, momentan auch schwierigere Fragen zu lösen, als Abitur und andere Prüfungen. Trotzdem muss es natürlich gelöst werden und ich vertraue da ein Stück weit auch der Kultusbürokratie und dem Kultusminister, dass eine Lösung gefunden wird, die also zu keinen großen Ungerechtigkeiten führt."

Keine Nachteile fürs Studium

Gerecht soll es auch zugehen, wenn das Abitur erst mal geschafft ist. Die Kultusminister seien bereits im Gespräch mit den Universitäten und Hochschulen, sagt Thüringens Bildungsminister Helmut Holter:

"Die Einschreibtermine und der Semesterbeginn werden entsprechend so gestaltet, dass niemand daraus einen Nachteil zieht."

Alle, die dieses Jahr das Abitur erwerben, sollen auch unter den gegebenen Bedingungen ein Studium aufnehmen können, erklärt Holter.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. März 2020 | 05:00 Uhr

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