Ein Schüler eines Gymnasium errechnet eine Gleichung mit einem iPad im Matheunterricht.
Für viele Schüler gehört das Online-Lernen zum Alltag. Bildrechte: dpa

Thüringen Datenschützer sieht Online-Lernplattformen kritisch

Mit dem Digitalpakt soll die Digitalisierung an den Schulen vorangebracht werden. Doch viele Schüler lernen schon lange im Internet. In der Schule und zuhause nutzen viele zum Beispiel Online-Lernplattformen. Bisher gibt es die nur von privaten Anbietern. Und das wirft bei Thüringens oberstem Datenschützer ein paar Fragen auf.

von Lily Meyer, Landeskorrespondentin Thüringen MDR AKTUELL

Ein Schüler eines Gymnasium errechnet eine Gleichung mit einem iPad im Matheunterricht.
Für viele Schüler gehört das Online-Lernen zum Alltag. Bildrechte: dpa

Johanna ist neun Jahre alt und hat schon 21 Kinderbücher gelesen. "Gerade lese ich Ponyhof Apfelblüte." Vor allem aus Spaß. Eine weitere Motivation ist aber auch eine Online-Lernplattform, auf der Johanna ihr Wissen zu den Büchern testen kann - mithilfe von einem Quiz.

Kinder warten hinter Schulranzen, die in einer Reihe stehen
Digitales Lernen gehört heute schon in der Grundschule zum Alltag. Bildrechte: dpa

Johanna zufolge gibt es dabei drei Antwortmöglichkeiten. "Unten in der Ecke ist ein Rabe. Entweder nickt er oder er schüttelt den Kopf." Je nachdem, ob sie richtig oder falsch geantwortet hat. Am Ende wird dann angezeigt, wie viele Punkte sie gesammelt hat.

Neben Johanna und ihren Eltern kann sich auch ihre Lehrerin einloggen und sehen, wie viele Punkte die Drittklässlerin erreicht und wie viele Bücher sie gelesen hat.

Online ab der Grundschule

Johanna besucht die evangelische Grundschule in Erfurt. Online-Lernplattformen gehörten hier schon lange zum Schulalltag, sagt Schulleiterin Cornelia Schäfer. Doch nicht jedes Kind mache mit:

Wir nutzen diese Form zur Unterrichtsergänzung schon acht oder neun Jahre und wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Natürlich ist es nicht so, dass alle Kinder dieses Angebot nutzen, denn die Eltern müssen dem Ganzen auch zustimmen.

Cornelia Schäfer Leiterin der Evangelischen Grundschule Erfurt

Die Nutzernamen der Kinder setzen sich aus ihrem Vornamen und dem Namen ihrer Lerngruppe zusammen. Zum Beispiel: Johanna Papagei. Die Kinder melden sich also nicht mit ihrem vollen Namen an. Denn Datenschutz werde an ihrer Schule sensibel behandelt, sagt Schäfer. Wenn nur der Vorname genannt werde, entstünden keine Probleme, denkt die Schulleiterin.

Daten der Schüler können ausgelesen werden

Thüringens Datenschutzbeauftragter Lutz Hasse hat da so seine Bedenken und fragt, wohin die Daten der Schüler fließen:

Mann mit Hemd hält einen Vortrag gestikuliert dabei mit seinen Armen und Händen.
Lutz Hasse Bildrechte: MDR/Sascha Richter

Früher war es so, dass die Daten vom Schüler eben beim Lehrer landeten. Und durch die Digitalisierung ist es zumindest vorstellbar, dass die Daten, wenn auch verschlüsselt, beim Schulbuchverlag landen.

Lutz Hasse Datenschutzbeauftragter Thüringen

Datenschutz muss bei der Entwicklung mitbedacht werden

Das Problem: Die Datenschutzbehörden bekommen eine Online-Lernplattform erst zu Gesicht, wenn sie schon auf dem Markt ist. Erst dann können sie untersuchen, ob datenschutzrechtlich alles in Ordnung ist.

Hasse würde sich wünschen, dass die Schulbuchverlage die Datenschützer von Anfang an mit einbeziehen und schlägt ein kooperatives Modell vor. Doch die Idee komme nicht so recht bei Politikern an, sagt er.

Also da bin ich ein einsamer Rufer in der Wüste. Aber ich rufe weiter.

Lutz Hasse Datenschutzbeauftragter Thüringen

Bildungsministerium arbeitet an eigener Lernplattform

Bei der Vorstellung der Ergebnisse der Kommission Zukunft Schule steht Helmut Holter (Die Linke) am 21.06.2017 in der Staatskanzlei in Erfurt (Thüringen) vor Thüringens Landesfahne.
Helmut Holter - Bildungsminister in Thüringen. Bildrechte: dpa

Im Thüringer Bildungsministerium scheint der Ruf angekommen zu sein. Hier arbeite man gerade an einer eigenen Online-Lernplattform, sagt Bildungsminister Helmut Holter. In die Entwicklung würden Datenschutzbeauftragte mit einbezogen, damit alle datenschutzrechtliche Belange berücksichtigt seien.

Noch in diesem Jahr solle die Online-Lernplattform des Freistaats getestet werden, kündigt Holter an. Ab dem neuen Schuljahr könnten 20 "Pilotschulen" sowie Schulen in Landesträgerschaft und Studienseminare auf die Plattform zugreifen, um Erfahrungen zu sammeln und mögliche Probleme zu erkennen und zu beseitigen.

In Zukunft sollen dann alle Schulen in Thüringen die Schulplattform kostenlos nutzen können.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Juni 2019 | 05:19 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Juni 2019, 05:00 Uhr

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