Studium zu Corona-Zeiten Uni-Erfurt: Datenschutzrechtliche Bedenken bei Online-Prüfungen

Lily Meyer, Autorin
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An der Uni Erfurt beginnen nächste Woche die Prüfungen. Natürlich ist auch hier durch Corona alles anders – nach einem Online-Semester sollen auch die Prüfungen online geschrieben werden. Dazu hat die Uni Erfurt in ein System investiert, das bei Studierenden viele Fragen aufwirft – vor allem den Datenschutz betreffend. Was sind die Sorgen und was sagt Thüringens Datenschutzbeauftragter dazu?

Leerer Hörsaal einer Universität.
Der Hörsaal bleibt leer, die Prüfungen finden online statt. Aber ist das datenschutzrechtlich unbedenklich? Bildrechte: dpa

Marie sitzt vor ihrem Laptop und startet eine Online-Probeklausur. Unter ihrem richtigen Namen möchte die Studentin nicht genannt werden. Fünf Prüfungen muss Marie in diesem Semester schreiben – alle online mit dem Prüfungssystem WiseFlow, über das Marie und ihre Kommilitonen gerne früher mehr erfahren hätten: "Ich verstehe, dass das alles Hals über Kopf sein muss durch die ganze Situation. Das ist natürlich total schwierig. Ich hätte mir nur gewünscht, dass wir Studierenden einfach mehr mit einbezogen werden."

Studierende sind verunsichert

Für Verunsicherung sorgen unter anderem die Datenschutz-Richtlinie von WiseFlow. Zu den Informationen, die das Unternehmen erhält, können zum Beispiel die Personalausweisnummer oder Fotos gehören, heißt es da. Außerdem können automatisch Informationen darüber gesammelt werden, welche Seite und Produkte, im Internet angesehen oder gesucht wurden oder wie lange man auf bestimmten Seiten geblieben ist.

"Das will ich nicht", sagt Marie, "weil ich mir denke: Wozu brauchen die diese Information? Ich schreibe da lediglich meine Prüfung. Die sind eigentlich nur dafür da, dass ich da die Prüfung schreibe, und kriegen dafür auch schon gut Geld." 60.000 Euro bezahlt die Universität Erfurt für das System. Marie befürchtet auch, dass ihre Daten an Dritte weitergegeben werden könnten. Die Prüfungen deshalb auf unbestimmte Zeit zu verschieben, ist für viele Studenten und Studentinnen aber keine Option, erzählt Marie.

Uni Erfurt sieht beim Datenschutz kein Problem

Gerd Mannhaupt, Vizepräsident für Studium und Lehre an der Universität Erfurt ist sich sicher: Datenschutzrechtlich ist alles in Ordnung. Er versteht, dass die Datenschutzrichtlinie für Verunsicherung sorgt. Diese gelte aber ganz allgemein für über 100 verschiedene Einrichtungen: "Die Studierenden-Daten, die wir in WiseFlow einpflegen, sind der Vorname, der Nachname, die Identifikationsnummer des Universität-Erfurt-Accounts, weil die sich mit diesem Account anmelden müssen, und die E-Mail-Adresse. Mehr geht von uns nicht rüber."

Mannhaupt kennt die Bedenken der Studierenden. Deshalb ist er froh, dass der Großteil trotzdem von zuhause aus die Online-Prüfungen schreiben wird: "Sodass das alles handhabbar ist. Aber eben nicht, wenn jetzt bei 100 Studierenden 50 sagen: Das geht alles nicht. Und das scheint nicht der Fall zu sein."

Andernfalls hätte die Uni wegen der geltenden Abstandsregeln ein Platzproblem. Einzelne Studierende können ihre Prüfung in der Uni schreiben. Zum Beispiel wenn sie keinen Laptop oder keine Webcam haben. Das Programm WiseFlow müssen sie aber trotzdem nutzen.

Das sagt Thüringens Datenschutzbeauftragter

Das Thema beschäftigte auch Thüringens obersten Datenschützer. Lutz Hasse wurde von Studierenden darauf aufmerksam gemacht. Ihm waren Unstimmigkeiten aufgefallen, die aufgeklärt werden mussten. Aus seiner Sicht könnten die Online-Prüfungen nun stattfinden. Das erklärte Hasse am Montag auf Nachfrage von MDR Aktuell. Den Studierenden werde empfohlen, sich ein sogenanntes Plug-Out zu installieren, um ein Tracking Tool, das über Google Analytics läuft, auszustellen. Die Datenschutzerklärung zur Nutzung von UniWise wurde von der Universität um folgenden Absatz ergänzt:

"Das Cookie von Google Analytics sollten Sie durch die Installation des Google-Plugins zum Opt-Out für Google Analytics unterbinden. Andernfalls werden Daten an Google Analytics und Doubleclick.net übertragen: https://tools.google.com/dlpage/gaoptout?hl=de  ."

Mittelfristig müssen die Verträge zwischen der Universität Erfurt und WiseFlow so angepasst werden, dass das Plug-Out nicht mehr nötig ist, so Hasse. Tracking Tools haben in behördlichen Bereichen nichts zu suchen, erklärte der Datenschutzbeauftragte.

Anmerkung der Redaktion: Thüringens Datenschutzbeauftragter hat am Montag seine Zustimmung für die Online-Prüfungen signalisiert. Der Text wurde entsprechend aktualisiert.

In einer früheren Version dieses Beitrags war davon die Rede gewesen, die Uni Erfurt habe 600.000 Euro für die Online-Prüfungssoftware bezahlt. Es sind aber nur 60.000 Euro. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. Juli 2020 | 07:09 Uhr

2 Kommentare

Anni22 vor 5 Wochen

Hm online Prüfungen sind hoch riskant. Niemand weiß, wer wirklich die Prüfung ablegt. (Wer sitzt denn da wirklich und hat der eventuell Hilfe von weiteren Personen)? Einzige Möglichkeit Computer in der Uni aufstellen. Kontrolle durch Personal über Ausweis und Bild. Aber dann kann man auch normale Prüfungen mit Abstand schreiben lassen.

Kolo78 vor 5 Wochen

Alles sehr seltsam in Corona-Zeiten! Aber es muss ja weitergehen ...