Eine deutsch-polnische Streife aus deutschen Bundespolizeibeamten und Beamten des polnischen Grenzschutzes.
Deutsche und polnische Grenzschützer gehen bereits seit Jahren gemeinsam auf Streife. Bildrechte: dpa

Deutsch-polnischer Grenzschutz Weniger illegale Grenzübertritte, aber mehr Geschleuste

Die Bekämpfung von Schleusern ist einer der Schwerpunkte bei der Zusammenarbeit mitteldeutscher und polnischer Polizeibehörden. Die Kooperation ist unbedingt nötig, denn die Schleuser-Kriminalität hat zuletzt zugenommen. Unser Reporter war unterwegs mit den Einsatzkräften.

von Sebastian Hesse, MDR AKTUELL

Eine deutsch-polnische Streife aus deutschen Bundespolizeibeamten und Beamten des polnischen Grenzschutzes.
Deutsche und polnische Grenzschützer gehen bereits seit Jahren gemeinsam auf Streife. Bildrechte: dpa

Grenzübergang Ludwigsdorf, nördlich von Görlitz, an einem Montagabend im April: Seit Stunden kontrollieren Beamte der Bundespolizei stichprobenartig gemeinsam mit dem Zoll Fahrzeuge - dieses Mal Lkws, Pkws und Reisebusse, die auf dem Weg nach Polen sind.

Deutsch-polnische Dienststelle

Auf Deutsch komme man bei den Kontrollen jedoch oft nicht weit, sagt schmunzelnd der Sprecher der Bundespolizei-Inspektion Ludwigsdorf, Michael Engler:

Ist ja ein offenes Geheimnis, dass man hier an der Stelle mit polnischen Sprachkenntnissen deutlich weiter kommt als mit deutschen.

Michael Engler, Bundespolizei-Inspektion Ludwigsdorf

Hier in Ludwigsdorf, wo das Europa der offenen Grenzen gelebter Alltag ist, sind die Strukturen im Kampf gegen Menschenschmuggel, illegale Einreise und bei der Fahndung nach Drogen, Diebesgut oder illegaler Pyrotechnik längst den neuen Gegebenheiten angepasst worden.

Anabolika-Schmuggler gefasst

Engler erklärt, dass die Bundespolizei-Inspektion Ludwigsdorf ein Alleinstellungsmerkmal habe: "Wir haben bei uns eine gemeinsame deutsch-polnische Dienststelle integriert". Deutsche und polnische Kollegen nähmen regelmäßig gemeinsam an solchen Einsätzen teil.

An jenem Aprilabend, an dem ich mit den Bundespolizisten unterwegs war, ging uns unter anderem ein polnisches Muskelpaket ins Netz, das illegale Anabolika über die Grenze schmuggeln wollte.

Schleuser-Aktivität nimmt zu

Was für solche punktuellen Kontrollen vor Ort gilt, ist längst bei allen Aufgaben der Bundespolizei gängige Praxis. Allein schon, weil die Schleuserkriminalität ein internationales Unwesen ist, wie Markus Pfau, der Leiter der Inspektion Kriminalitäts-Bekämpfung erklärt.

Das würde überhaupt nichts bringen, wenn wir rein national, auch selbst nur im Verbund mit den Länderkollegen in Deutschland, uns diesem Phänomen widmen. Wir müssen dem auch ein Netz an internationalen Ermittlern entgegenstellen.

Markus Pfau, Inspektion Kriminalitäts-Bekämpfung

Ein paar Zahlen dazu: 2016 waren unter den rund 5.200 illegal nach Mitteldeutschland Eingereisten 565 Geschleuste. Dann wurde die Balkanroute geschlossen: Es wurde schwieriger, ohne Schleuser-Hilfe nach Deutschland zu gelangen. Entsprechend ist 2018 die Zahl der "Illegalen" auf 3.200 zurückgegangen, die der Geschleusten aber auf 721 angestiegen.

Mittlerweile wirken viele Nationen daran mit, den Menschenschmuggel einzudämmen. EUROPOL fungiert als Koordinierungsstelle. Aktuelles Beispiel: Dieser Tage erst gelang in Rumänien ein Fahndungserfolg dank mitteldeutscher Hinweise:

Die deutsch-polnische Grenze in Görlitz
Die deutsch-polnische Grenze in Görlitz. Bildrechte: IMAGO

Aus verdeckten Ermittlungen war Markus Pfaus Behörde bekannt geworden, dass eine Schleusung bevorstehe. "Wir haben hier über die internationalen Wege einen sehr schnellen Austausch mit unseren Kollegen entlang der Balkanroute realisieren können", erklärt Pfau. Im Ergebnis seien Fahndungsmaßnahmen eingeleitet worden. Ein Lkw habe festgestellt und 13 Personen befreit werden können. So funktioniere internationale Zusammenarbeit.

Oder mithilfe sogenannter "Joint Investigation Teams". Den internationalen Ermittlern gelang es unlängst, eine Fälscherwerkstatt für Ausweisdokumente in Griechenland dichtzumachen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. Mai 2019 | 10:49 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Mai 2019, 17:43 Uhr

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11 Kommentare

05.05.2019 08:49 GRUEN UNSERE ZUKUNFT 11

OK @ 04.05.2019 13:04 Mane 10 wir haben verstanden - alle nur keine Rechtsextremen Nationalisten weil wir weiter grenzenlos Reisen und ohne Währungsrechner schnell mal in Salzburg, Brüssel, Bozen (Tirol), Malle (Spanien) oder Frankreich Schoppen und Party machen wollen

04.05.2019 13:04 Mane 10

Woher haben die Geschleusten die Kohle?Sind doch alle arm,oder? Leute wählt richtig oder Ihr alle werdet noch richtig arm.Nur die ,welche schon jetzt nicht viel haben.

04.05.2019 11:17 jochen 9

Ich fordere Gefängnis für die politisch Verantwortlichen der illegalen Asylanteneinreisen.

04.05.2019 10:13 007 8

Weniger illegale Grenzübertritte aber mehr Geschleuste???

Also das ist doch schon ein Widerspruch in-sich. Oder sind geschleuste etwa legal? Sich schleusen lassen ist genauso kriminell wie jemand zu schleusen. Oder, wie der Hehler so der Stehler. Es ist schon sagenhaft mit welchen Wortspielereien die Bürger hier in diesem Siedlungsgebiet ver...(darf ich nicht sagen)...t werden ...

03.05.2019 23:43 Hossa 7

Man muss sich nun langsam mal einig werden.
Es wird ja immer propagiert das die „Flüchtlinge“willkommen sind .
Warum kriminalisiert man die Menschen die sie zu uns bringen?

03.05.2019 20:45 Walter 6

Ihre Schlagzeile ist sehr verwirrend!

Ist geschleust werden nicht auch ein illegaler Grenzübertritt?

03.05.2019 19:54 Auf zum letzten Gefecht! 5

was soll ihre Antwort?
Das ist doch allgemein bekannt und selbst mit Wiedereinreiseverbot dürfen Migranten einreisen.

Wissen sie das etwa nicht oder verdrängen sie es wieder mal?

03.05.2019 19:44 D.o.M. 4

Man erinnere sich an die somalischen Piraten, die ein deutsches Schiff entführt hatten. Wo leben sie heute? Hier und von uns Steuerzahlern alimentiert. Was soll also den hier erwähnten Schleusern oder Grschleusten passieren ? Nix!

03.05.2019 19:31 D.o.M. 3

Und was nützt der Polizeieinsatz gegen Schleuserei? Was passiert, sobald ein Geschleuster auf deutschem Boden ist, egal ob von der Polizei aufgegriffen oder nicht? Er ruft laut "Asyl" und hat es geschafft. Er bleibt hier, mit welchem Status auch immer.

03.05.2019 18:41 pkeszler 2

@Frank von Bröckel 1: "Polen, du hast es in dieser Angelegenheit wirklich gut getroffen!"
Sie wissen das offensichtlich sehr genau. Sind Sie etwa bei der Polizei tätig?