Deutschlandtrend Mitteldeutsche Reaktionen auf Söders Umfragehoch

Die Corona-Krise beschert der Union ein neues Umfragehoch. Nach dem historischen Tief von rund 25 Prozent Ende 2019, haben sich die Christdemokraten nun wieder zu fast 40 Prozent aufgeschwungen. Und einer profitiert von den Höhenflügen ganz besonders: Der bayerische Ministerpräsident von der CSU, Markus Söder. Dem Deutschlandtrend zufolge findet die Mehrheit der Befragten, er wäre ein guter Kanzlerkandidat für die Union. Was halten mitteldeutsche CDU-Politiker davon?

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, nimmt nach einer Sitzung des bayerischen Kabinetts an einer Pressekonferenz teil und hält dabei einen Mundschutz mit der bayerische Rautenflagge in den Händen.
Er profitiert laut Umfrage von der Corona-Krise: der bayrische Ministerpräsident Markus Söder. Bildrechte: dpa

Wenn man Parteipolitiker in Zeiten wie diesen nach Personalien fragt, dann ist die Antwort fast absehbar: Das ist nicht der Moment für solche Debatten. So auch im Fall von Markus Söder, den sich viele Deutsche als Kanzlerkandidaten der Union vorstellen können. Dem aktuellen ARD-Deutschlandtrend zufolge sagen 53 Prozent der Befragten, der CSU-Mann wäre eine gute Wahl fürs Kanzleramt. Sollten die Christdemokraten also auf den Kollegen aus Bayern setzen?

Nicht die Zeit für Personaldebatten

Alexander Dierks, Generalsekretär der sächsischen CDU, reagiert zurückhaltend: "Ich glaube, es war eine der ganz großen Stärken der Union in dieser Pandemie, dass wir uns eben nicht mit uns selbst beschäftigt haben, sondern uns immer wieder die Frage gestellt haben: Was ist jetzt notwendig, um diese Herausforderung zu meistern? Ich glaube, das sollten wir beibehalten."

Dierks weiß aber, was viele Menschen an Söder schätzen: sein energisches Auftreten in der Krise. Er kündigte Schulschließungen an, als die meisten Länder noch damit haderten. Dann die Ausrufung des Katastrophenfalls und die Ausgangsbeschränkungen. Söder war aus Sicht seiner Anhänger immer einer der Schnellsten. Und er landet deshalb wohl auch in den Umfragen vor denjenigen, die sich als Kanzlerkandidaten bereits in Position gebracht hatten: Friedrich Merz, Armin Laschet und Norbert Röttgen.

Jens Spahn, Armin Laschet und Friedrich Merz, 2018
Jens Spahn, Armin Laschet und Friedrich Merz werden als mögliche Anwärter auf den Vorsitz der CDU gehandelt. Norbert Röttgen ist aber bisland der einzige offizielle Bewerber. Bildrechte: dpa

Gute Chancen für Söder

Deshalb werde man früher oder später über Söder sprechen müssen, meint Sven Schulze, Generalsekretär der CDU in Sachsen-Anhalt. Nur nicht jetzt. "Zum einen ist er Parteichef der CSU. Das heißt, wir werden uns natürlich mit der CSU auch einigen müssen. Und wenn er anders als in der Vergangenheit sagen würde, er könnte sich das doch vorstellen, dann wird das mit Sicherheit auch innerhalb der CDU zu Diskussionen führen. Ich glaube, dass er in einzelnen Bereichen, auch in Ostdeutschland, gute Chancen hätte, von unseren Delegierten Unterstützung zu bekommen."

Bisher hat Söder allerdings betont, dass er keine Ambitionen auf das Amt in Berlin habe. Raymond Walk, Generalsekretär der CDU in Thüringen, glaubt auch nicht, dass es allein Söders Corona-Politik ist, die ihm aktuell steigende Umfragewerte beschert. Die Union habe sich insgesamt gut geschlagen: "Die CDU/CSU hat deswegen gute Umfragewerte, weil sie sich in der Ausnahmesituation, in der wir uns befinden, als konsequente Macher, als zuverlässige Krisenmanager beweisen konnte. Und das liegt, wie ich finde, in erster Linie auch an der ruhigen, sachlichen und sehr kompetenten Art der Kanzlerin."

Forderung nach "Agenda für den Osten"

Umfrageergebnisse seien aber auch nur Momentaufnahmen, so Walk. Wenn es in einigen Monaten tatsächlich um die K-Frage gehe, würde er die Kandidaten außerdem an anderen Fragen messen als nur an ihrem Agieren in der Corona-Krise: "Wer kommt in Thüringen gut an, wer kommt im Osten gut an? Das sind doch die entscheidenden Fragen. Wir sollten uns vielleicht nicht so sehr leiten lassen von der medialen Sicht des Bundes oder aus Bayern. Mich würde erstmal interessieren, wer hat die beste Agenda für den Osten." Söder als Kanzlerkandidat wäre auch eine Seltenheit: Bislang gab es erst zwei von der CSU: Franz Josef Strauß und Edmund Stoiber. Beide verloren die Wahl.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. Mai 2020 | 08:12 Uhr

10 Kommentare

Britta.Weber vor 24 Wochen

Söder wäre ein guter Kanzlerkandidat, ebenso Merz auch. Besser als Laschet, Habeck oder Merkel auf jeden Fall. Für die CDU und unser Land ist es viel dringender, Frau Merkel auf das politische Altenteil zu bringen.

Wessi vor 24 Wochen

@ faultier ..und mit wem zusammen? (AfD scheidet aus, das hat er schon sehr klar gesagt,Sozis wollen nicht und mit der FDP, wenn überhaupt möglich, wirds nicht reichen).Also Habeck.

Critica vor 24 Wochen

Ob man gleich ein "guter" Kanzler wird, wenn man in einer Krise mal "auf den Tisch gehauen" hat, würde ich bezweifeln. Wir Wähler sollten schon genau schauen und auch andere Seiten der Persönlichkeit beleuchten - egal, um wen es sich handeln wird. "Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer"....