Gesetzesvorschlag der EU Sachsen-Anhalt will Bleischrot als Jagdmunition verbieten

Blei oder nicht Blei – das ist hier die Frage. Die EU-Kommission will Blei aus den Jagdflinten immer weiter vertreiben und ein Gesetz auf den Weg bringen, das bleihaltige Jagdmunition zumindest in Feuchtgebieten verbieten soll. Doch Deutschland stellte sich bei einer Vorabstimmung im Europäischen Parlament quer und enthielt sich der Stimme. Denn hierzulande gibt es Kritik an dem Gesetzesvorschlag. Auch in Mitteldeutschland wird darüber diskutiert.

Für Wilko Florstedt ist der Gesetzesvorschlag der EU-Kommission vor allem eines – viel zu schwammig. Der Geschäftsführer des Landesjagdverbandes Sachsen-Anhalt erklärt: Brüssel wolle, dass Jäger keine Bleimunition mehr in Feuchtgebieten verschießen. Nur – was genau ein Feuchtgebiet sei, sage die Kommission nicht, kritisiert Florstedt. Das verunsichere die Jäger. "Die Gefahr bestünde, dass zum Beispiel auf ganz normalen Agrarflächen, die eben in einem jahreszeitlichen Ablauf etwas feucht stehen, durch erhöhten Niederschlag eben auch feucht sind, dass diese Bereiche eben möglicherweise auch schon zu Feuchtgebieten erklärt würden."

Mit der Konsequenz, dass die Jäger möglicherweise Strafen zahlen müssten. Wenn das klarer durch die EU-Kommission geregelt wäre, hätte Florstedt nichts gegen den Gesetzesentwurf.

Jäger schießen gerne mit Bleischrot

Denn schon jetzt müssten die rund 12.000 Jäger in Sachsen-Anhalt bei der Jagd auf Wassertiere auf Bleimunition verzichten. Das steht im Landesjagdgesetz. In den übrigen Gebieten könnten die Jäger allerdings mit Bleischrot schießen.

Denn das gehöre auch zur Wahrheit, sagt Florstedt, Blei sei ein Material, das sich sehr gut zur Jagd eigne. "Blei hat die physische Eigenschaft, sich leicht zu verformen, Energie eben auch schnell abzugeben. Im Gegensatz zu doch sehr spröden oder eben harten Alternativen wie zum Beispiel Stahlschrot. Die haben eine hohe Abprallwirkung und das ist eben im Rahmen der sicheren Jagdausübung eigentlich nicht gewollt."

Sachsen-Anhalts Umweltministerin fordert Verbot

Für Wilko Florstedt sei die Bleimunition jedoch nur eine Übergangslösung. Ihm sei klar, dass man irgendwann auf das giftige Schwermetall verzichten müsse. Doch bislang gebe es für ihn eben kein Material mit vergleichbaren Eigenschaften wie Blei. Da widerspricht ihm Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert. Es gebe Alternativen zu Blei. Stahlschrot oder Zinkschrot. "Nach allem, was mir vorliegt", sagt Dalbert, "zeigen die Untersuchungen auf, dass es keinen großen Unterschied in dem Verhalten zwischen bleihaltiger und nicht bleihaltiger Munition gibt."

Deshalb fordert Dalbert ein europaweites Verbot von Bleimunition. Denn dadurch, dass europa-einheitliche Vorgaben fehlen, regelt in Deutschland jedes Bundesland selbst, ob und in welchem Maße Bleimunition erlaubt ist. In Sachsen-Anhalt habe das Parlament nur bei der Jagd auf Wassertiere Bleischrot verboten. Ansonsten sei es erlaubt. Und daran könne auch sie nichts ändern, sagt die Ministerin.

Welche Gefahren Blei haben kann

Dass es aber auch anders geht, zeigt Sachsen. Dort ist Bleischrot seit 2014 generell verboten. In Thüringen wird es ab 2022 untersagt sein. In Europa gelten generelle Verbote in Dänemark oder den Niederlanden.

Und das zu Recht, meint Christian Kunz. Denn für den Landesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz Sachsen-Anhalt berge Blei Gefahren für Mensch und Tier. "Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat zum Beispiel festgestellt und empfiehlt auch, dass beispielsweise Schwangere oder Frauen, die Kinder haben möchten, auf Wildbret verzichten sollten, weil einfach die Splitter sehr sehr klein sein können und beim Essen nicht bemerkt werden. Und Blei als Schwermetall hat eben die unangenehme Wirkung, dass es sich einfach anreichert im Körper und nur schwer ausgeschieden werden kann."

Wildbret, also Fleisch von wild lebenden Tieren, einmal zu essen sei nicht schlimm. Aber wenn man es immer wieder esse, sei es bedenklich, meint Christian Kunz. Auch Tiere, die verschossenes Blei über das Wasser aufnehmen, würden an den Folgen leiden oder sogar sterben. Ein bis zwei Seeadler würden in Sachsen-Anhalt jedes Jahr durch Blei verenden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Juli 2020 | 07:08 Uhr

5 Kommentare

Generation 55 vor 9 Wochen

Wild ist Natur pur, lecker und gesünder als restliches pharmazeutisch gezüchtete Apothekencocktails die massenhaft Menschen zwar ernähren aber viele Giftstoffe beinhalten die weder Mensch noch Natur benötigen.

Generation 55 vor 9 Wochen

Blei auch Plumbum kann auch helfen. Wie bei allem anderen: die Dosis ist entscheident! Plumbum metallicum Homöopathie hilft bei beginnende Skleroseprozesse, besonders Gefäßsklerose; Konzentrationsschwäche; vorzeitiger Altersabbau. Die Verbreitung von Blei mit Waffen sollte weltweit geächtet werden.

CrizzleMyNizzle vor 9 Wochen

Sammelt der Jäger jede Bleikugel ein, die sein Ziel verfehlt? Und überhaupt, was ist das für ein Argument "Blei gabs früher auch". Würden Sie heute noch gern Bleirohre im Haus haben? Verbleites Bezin gabs ja auch mal... Und ja die Menschen überlebten Blei früher, aber auch nur weil es nicht sofort tötet, Blei ist ein echt fieser Stoff - der steht eher für langsame Vergiftung und gefährliche Anreicherung im Körper (Folgen dazu kann man nachlesen).

Früher wurde auch länger geröntgt... will bestimmt auch keiner wieder zurück ;-)
Wie Sie schon richtig geschrieben haben, es geht darum weniger Giftstoffe zu verwenden, also darum die Gefahren zu minimieren.

Mir könnte es fast egal sein (wenn das nicht im Wald liegen bleiben würde), Wild schmeckt einfach zu stark nach Wild ;)