Wegen Coronaepidemie DRK befürchtet Rückgang der Blutspenden

Lebenswichtige Blutbestandteile könnten knapp werden

Die DRK-Blutspendedienste in Mitteldeutschland rechnen in den kommenden Wochen mit einem Rückgang des Spendenaufkommens. Das erklären deren Sprecher dem MDR-Magazin "Hauptsache gesund". Das könnte schwere Folgen für die Versorgung u.a. von Krebspatienten mit dem Blutbestandteil Thrombozyten haben, der eine geringe Haltbarkeit von nur fünf Tagen hat.

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Die DRK-Blutspendedienste in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen befürchten einen Rückgang bei den Blutspenden in den nächsten Wochen. Das begündet Kerstin Schweiger vom DRK-Blutspendedienst Nord-Ost wie folgt: "Wir glauben, dass potenzielle Spender ausfallen könnten, weil die Zahl der Corona-Infizierten steigt und auch die der entsprechenden Kontaktpersonen. Zudem ist die Erkältungs- und Grippesaison noch nicht vorbei und könnte zusätzlich zum Ausfall beitragen. Ungewiss ist auch, wie die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus nach dem 20. April aussehen werden."

Geringe Haltbarkeit von Blutbestandteilen ist Knackpunkt

Ein Rückgang des Spendenaufkommens würde nach Auskunft von Schweiger das größte Problem bei der Therapie von Krebspatienten mit Thrombozyten hervorrufen. "Thrombozyten werden aus dem Blut gewonnen und sind nur fünf Tage haltbar. Beim Rückgang der Blutspenden sind diese Vorräte schnell aufgebaut und die Therapie ist gefährdet", so die Sprecherin. Anders sieht es nach ihrer Auskunft bei Blutkonserven und Blutplasma aus. Blutkonserven (Vollspende) sind 42 Tage haltbar, Blutplasma im tiefgefroren Zustand zwei Jahre.

Kein Corona-Test bei Blutspenden

Nach Auskunft der DRK-Blutspendedienste werden vor der Blutspende keine Corona-Tests durchgeführt. Um das Ansteckungsrisiko zu minimieren, dürfen Personen mit Erkältungssymptomen, Fieber und Durchfall kein Blut spenden. "Um die Abstandsregeln zu gewährleisten, kann es in Einzelfällen bei sehr gut besuchten Terminen vorkommen, dass Blutspender gebeten werden zu einem späteren Termin wiederzukommen", erklärte Kerstin Schweiger. Sie bittet die Spender deshalb, nach Möglichkeit die Terminreservierung im Internet zu nutzen. Das helfe die Anzahl von Anwesenden auf Terminen zu steuern und die Abstandsregeln einhalten zu können.

Bedarf an Blutspenden kann derzeit gedeckt werden

Eine Reihe Menschen bei der Blutspende.
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Die Spendebereitschaft der Bevölkerung ist nach Auskunft der DRK-Blutspendedienste derzeit sehr hoch und deckt den aktuellen Bedarf. Der liegt in Sachsen nach Informationen des DRK-Blutspendedienstes Nord-Ost bei 450 Blutspenden pro Werktag. Das seien in der aktuellen Situation, wo geplante Operationen verschoben werden, 30 Prozent weniger als unter normalen Bedingungen, wenn werktäglich rund 650 Blutspenden benötigt werden. Für Sachsen-Anhalt und Thüringen wird nach Auskunft des dort aktiven DRK-Blutspendedienst NSTOB der derzeitige Bedarf von insgesamt 400 Blutspenden pro Werktag gedeckt. Das ist derzeit ebenfalls ein Drittel weniger als der gesamte Regelbedarf in den beiden Bundesländern, der bei 600 liegt. Die Sprecher beider Dienst betonten, dass sich dies jedoch kurzfristig ändern kann.

Drei Viertel der Blutspenden vom Roten Kreuz

Das Rote Kreuz sammelt drei Viertel aller Blutspenden in Deutschland. Das geht aus dem jährlichen Bericht des Paul-Ehrlich-Instituts hervor. In Sachsen-Anhalt und Thüringen ist der DRK-Blutspendedienst NSTOB aktiv, in Sachsen der DRK-Blutspendedienst Nord-Ost. 18 Prozent der Blutspenden in Deutschland kommen  von staatlichen, kommunalen, anderen gemeinnützigen Blutspendediensten, von Krankenhäusern und der Bundeswehr. Sieben Prozent der Blutspenden werden von privaten Blutspendediensten und der plasmaverarbeitenden Industrie gesammelt. Der größte Teil davon kommt nach eigenen Angaben von der Firma Haema AG.

Dieses Thema im Programm: Haupsache Gesund | 02. April 2020 | 21:00 Uhr