Kundin kauft in 'Unser Laden' in Falkenau ein.
Die Einwohner von Falkenau lieben ihren kleinen Laden. Für Ältere ist es oft die einzige Möglichkeit, selbst einzukaufen. Bildrechte: MDR/Grit Bobe

Sachsen Einkaufen auf dem Land - Einwohner organisieren sich selbst

Für Supermarktketten sind kleine Orte finanziell nicht lukrativ. Einwohner müssen zum Einkaufen oft weit fahren oder schaffen selbst Einkaufsmöglichkeiten wie in Falkenau. Welche Unterstützung gibt es von der Politik?

Kundin kauft in 'Unser Laden' in Falkenau ein.
Die Einwohner von Falkenau lieben ihren kleinen Laden. Für Ältere ist es oft die einzige Möglichkeit, selbst einzukaufen. Bildrechte: MDR/Grit Bobe

Einkaufen in ländlichen Regionen ist oft nicht möglich. Nach der Wende wollten Aldi, Edeka und andere Unternehmen die kleinen Orte nicht mit Nahrungsmitteln versorgen. Deshalb müssen sich die Einwohner oft selbst helfen, so wie in Falkenau:

  • 300 Einwohner haben die Genossenschaft "Unser Laden Falkenau eG" gegründet
  • angeboten werden seit 2009 vor allem regionale Produkte und ein Post-Service
  • Gewinn wird mit dem Laden kaum gemacht


Keine klare Definition von Unterversorgung

Was kann die Politik tun, um sicherzustellen, dass auch auf dem Land jeder mit all dem versorgt wird, was man zum täglichen Leben braucht? Konkrete Zahlen, wie viele Menschen auf dem Land weite Wege auf sich nehmen müssen, um sich mit Brot, Butter und Wurst einzudecken, gibt es nicht.


Das liege vor allem daran, dass auch die Definition der Unterversorgung nicht klar geregelt sei, so Wolfang Gröll. Er betreut bundesweit Initiativen, die Dorfläden in Eigenregie auf die Beine stellen wollen.

Man spricht zwar ganz gerne von einer 15-minütigen fußläufigen Entfernung eines Grund- und Nahversorgers zum Verbraucher. Nur was sind 15 Minuten? Das ist für einen Rentner mit Gehhilfe anders zu bewältigen als für einen jungen Sportler.

Wolfang Gröll, Unternehmensberater

Politik wünscht sich große Ketten abseits der Städte

Es sei aber Aufgabe des Staates, Bürger mit Lebensmitteln zu versorgen, so Unternehmensberater Gröll. Das werde aber von der Kommunalpolitik oft verdrängt. Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig sagte MDR AKTUELL dazu: "Es ist jetzt nicht die alleinige Aufgabe des Staates zu schauen, ob es einen Laden gibt. Aber man muss zumindest die Infrastruktur dafür schaffen."

Dabei helfen könnte beispielsweise das Leader-Programm der Freistaats für die Entwicklung des ländlichen Raumes. Er wünsche sich, so Dulig, dass auch die großen Ketten an kleineren Formaten für die Orte abseits der großen Städte arbeiteten: "Ich sage eben auch, wer da jetzt die besten und klügsten Lösungen anbietet, wird auch in einer besseren Situation sein. Der Online-Handel nimmt auch im Lebensmittelbereich zu."

Auch Post und Nahverkehr verlassen kleine Orte

Thilo Walther steht an der Kasse von 'Unser Laden' in Falkenau.
Thilo Walther kennt jeden seiner Kunden in Falkenau. Bildrechte: Grit Bobe

Für Ulrich Petschow vom Institut für Ökologische Wirtschaft ist nicht nur der Rückzug des Einzelhandels aus dem ländlichen Raum ein Problem. Verschärft werde die Situation dadurch, dass auch Banken, die Post oder der ÖPNV dörfliche Gegenden zunehmend mieden: "Dieses Aus-der-Fläche-Gehen ist äußerst schädlich für den Zusammenhalt in den Regionen. Ich glaube, dass dort ein Umdenken ansetzen muss, dass es nicht nur um Effizienz geht. Sondern es muss darum gehen, den Focus auf Lebensqualität zu nehmen. Der ländliche Raum darf nicht weiter ausbluten. Er muss attraktiver gemacht werden."

Bürgerschaftlich oder genossenschaftlich organisierte Dorfläden wie der in Falkenau seien ein gutes Beispiel für das Engagement vor Ort, sagt Petschow. Dennoch könnten nicht allein die Bürger richten, was von staatlicher Seite nicht mehr geleistet werde.

MDR AKTUELL RADIO

Zuletzt aktualisiert: 13. Juni 2018, 06:00 Uhr

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2 Kommentare

13.06.2018 20:29 reiner202 2

Jedes Landwarenhaus ist besser als ein Supermarkt.

13.06.2018 07:53 Spottdrossel 1

Anträge für irgendwelche Förderung bei staatlichen Einrichtungen stellen, kostet Unmengen an Zeit, Gesunheit, Nerven und Geld. Vom Staat ist nichts als endlose Bürokratie und Hinhaltetaktik zu erwarten. Also schafft Euch die Infrastruktur komplett in Eigenleistung und wartet nicht auf Hilfe vom Staat, also Bund und Länder.