Schriftzug am Unternehmenssitz der Enercon GmbH in Magdeburg
Der Windkraftanlagenbauer Enercron möchte 1.500 Stellen in Magdeburg streichen. Ein weiterer Rückschlag für Sachsen-Anhalt beim Versuch, auf erneuerbare Energien umzustellen. Bildrechte: imago/Torsten Leukert

Krise bei Enercon Sachsen-Anhalt glaubt weiter an die erneuerbaren Energien

Der Landtag in Sachsen-Anhalt debattiert am Freitag über die Zukunft der Windkraftstandorte im Land. Grund ist die Windenergiekrise, die Sachsen-Anhalt hart trifft. Der Windkraftanlagenbauer Enercon hat angekündigt, 1.500 Stellen in Magdeburg zu streichen. Für Sachsen-Anhalt nicht das erste Mal, dass die Hoffnungen in die erneuerbaren Energien enttäuscht werden.

von Anne-Marie Kriegel, Landeskorrespondentin Sachsen-Anhalt MDR AKTUELL

Schriftzug am Unternehmenssitz der Enercon GmbH in Magdeburg
Der Windkraftanlagenbauer Enercron möchte 1.500 Stellen in Magdeburg streichen. Ein weiterer Rückschlag für Sachsen-Anhalt beim Versuch, auf erneuerbare Energien umzustellen. Bildrechte: imago/Torsten Leukert

Erst Biodiesel, dann Solarenergie, nun die Windenergie. Wenn es um erneuerbare Energien geht, blickt Sachsen-Anhalt auf eine schmerzvolle Geschichte zurück. So oft hatte man gehofft, investiert, gearbeitet und den Plan verfolgt, aus der Energiewende eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte für das Land zu machen.

Der Zusammenbruch des Solar-Valley im Süden Sachsen-Anhalts mit 3.500 Arbeitsplätzen ist in deutlicher Erinnerung. Jetzt zieht auch Enercon mit der Rotorblattfertigung für die Windräder ins Ausland. Hat Sachsen-Anhalt aufs falsche Pferd gesetzt? Wirtschaftsminister Armin Willingmann von der SPD meint: Nein.

Wir sind in Sachsen-Anhalt sogar vorbildlich. Rund 60 Prozent unserer Energie wird bereits aus Erneuerbaren produziert.

Armin Willingmann, Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt

Das sei ein Spitzenwert in Deutschland und schon ziemlich nah dran an dem, was die Bundesregierung für die gesamte Bundesrepublik ab dem Jahr 2030 ausgerufen habe. Laut Willingmann gebe es also viel mehr in anderen Bundesländern deutliche Defizite beim Ausbau. Er findet, dass dieser Ausbau auch über Sachsen-Anhalt vorangetrieben werden könnte.

Sachsen-Anhalt mit einzigartigen Bedingungen

Nach wie vor würde Enercon, würden Zulieferer Windanlagen am Standort Sachsen-Anhalt produzieren, sagt der Minister. Und auch seine Kabinettskollegin Claudia Dalbert schüttelt auf die Frage nach dem falschen Pferd heftig den Kopf. "Nein, überhaupt nicht", sagt Sachsen-Anhalts grüne Energieministerin. Die erneuerbaren Energien seien Sachsen-Anhalts Zukunft, erklärt Dalbert mit dem Verweis auf den geplanten Kohleausstieg.

Sie sehe unter anderem großes Potenzial im grünen Wasserstoff. In diesem Bereich habe Sachsen-Anhalt "einzigartige Bedingungen", weil neben Vorprojekten auch entsprechende Forschung vorhanden sei. Zudem gebe es Gaskavernen, in denen der grüne Wasserstoff gelagert werden könne, führt Dalbert aus. Deswegen brauche das Land die Windkraft. Sie werde momentan "von Altmaier gegen die Wand gefahren" und dagegen müsse man kämpfen, finden die Ministerin. 

Energiewende eine "Selbstverständlichkeit"

Dalbert kritisiert die vom Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier geplanten Mindestabstände für Windenergieanlagen.

1000 Meter sollen es zukünftig mindestens zur nächsten Wohnsiedlung sein. Darüber müsse geredet werden, sagt auch Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann.

Seiner Meinung nach soll man "dem Bürger nicht einfach was vor die Nase setzen". Stattdessen müsse klar werden, dass Versorgungssicherheit, vernünftige Energiepreise und Klimaschutz nur dann erreicht werden könnten, wenn "wir uns auch zu erneuerbaren Energien bekennen." Das sei eine Selbstverständlichkeit, findet Willingmann.

"Grundsätzliche Wachstumsbranche"

Christoph Podewils vom Forschungsinstitut Agora-Energiewende in Berlin sagt, erneuerbare Energien seien grundsätzlich eine Wachstumsbranche. Dementsprechend könne auch nicht die Rede vom falschen Pferd sein. Laut Podewils werde die Energieversorgung in den nächsten drei bis vier Jahrzehnten großteils auf erneuerbare Energien umgestellt.

Wen man sich Wirtschaftsbereiche anschaut, in denen überhaupt Wachstum möglich ist, [...] sind erneuerbare Energien erst mal eine gute Branche.

Christoph Podewils, Forschungsinstitut Agora-Energiewende

Podewils ergänzt, was man aber eben auch sehe, sei, dass die politischen Rahmenbedingungen beim Biodiesel, der Solarenergie und jetzt eben auch beim Wind in einem relativ hohen Tempo verändert werden. Und das führe dazu, dass die Branchen in Nöte geraten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. November 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. November 2019, 05:00 Uhr

28 Kommentare

wo geht es hin vor 2 Wochen

@Chrisbob - Zitat von Ihnen: "Letztlich ist die eigentliche Herausforderung, den Strom immer dann bereitstellen zu können, wenn er gebraucht wird." Zitat Ende. Richtig. Da aber alle erneuerbaren Energien die notwendige Grundlastfähigkeit eben nicht besitzen, werden diese M.E. nach bis in absehbare Zukunft eben nicht federführend sein KÖNNEN und nur als "Zubrot" dienen. In Sachen Speicher, Netze und Puffer ist weltweit noch nichts revolutionäres in Sicht. PS: auch Gas ist übrigens ein bedeutender CO 2 - Emittent...

Strafrechts-Profit-eur vor 2 Wochen

Man braucht dann auch noch ein Pufferkraftwerk für die Zeit in der Wind- und Sonne fehlen.
Man muss den Eindruck haben, dass das Land absichtlich ruiniert wird.

Strafrechts-Profit-eur vor 2 Wochen

Zitat:
"Sachsen-Anhalt glaubt weiter an die erneuerbaren Energien"

Das wusste ich schon immer, dass das nur auf Glauben beruht.

Hätte man zunächst mal Modellprojekte gekoppelt mit Wärmekraftwerk zum Abfedern von Windflauten durchgeführt, dann hätte man konkrete Zahlen, was es bringt und was nicht.

So muss man leider unfassbaren Dilettantismus konstatieren, der offenbar fortgeführt werden soll.