Fachkräftemangel Den kommunalen Verwaltungen fehlen Mitarbeiter

Wie in vielen anderen deutschen Städten, fehlt es der Leipziger Stadtverwaltung an qualifizierten Mitarbeitern. Wie groß ist das Problem und welche Schritte können die Kommunen gehen, um sich im Kampf um Fachkräfte gegen die freie Wirtschaft durchzusetzen?

von Grit Bobe, MDR AKTUELL

Neues Rathaus Leipzig
Die Stadt Leipzig sucht neue Mitarbeiter. Bildrechte: dpa

Ein kurzer Blick auf die aktuellen Stellenausschreibungen der Stadt Leipzig im Netz genügt, um zu wissen: Es sind viele Jobs frei. Für fünf Berufe laufen dauerhafte Ausschreibungen, darunter für Notfallsanitäter und Erzieher. Dazu kommen mehr als 50 aktuelle Offerten für Stellen in der Verwaltung sowie in den städtischen Eigenbetrieben und Gesellschaften. Von einem großen Problem will Leipzigs Personalamtschefin Claudia Franko dennoch nicht sprechen, es sei aber natürlich eine Herausforderung für eine Stadtverwaltung, alle Stellen zu besetzen.

Wir haben in diesem Jahr ungefähr 1.000 Stellenbesetzungsverfahren zu führen.

Claudia Franko Personalamtschefin Leipzig

Franko zufolge sind da frei werdende Amtsleiterstellen dabei, Stellen im Stadtordnungsdienst, Sekretärinnenstellen, sowie Architekten und Stadtplaner.

Problem in ganz Sachsen

Nicht nur ein Problem in Leipzig, meint der sächsische Städte- und Gemeindetag. In ganz Sachsen gelinge es Städten und Gemeinden immer häufiger nicht mehr, ausgeschriebene Stellen mit Bewerbern zu besetzen, die auch die erforderliche Qualifikation dafür hätten, sagt Vize-Chef Ralf Leimkühler.

Für ihn ist das Problem teils hausgemacht. In den 90er- und 2000er-Jahren sei es notwendig gewesen, Personal abzubauen. Die Kommunen hätten daher bis 2010 weitgehend auf Neueinstellungen verzichtet. Heute sei das Durchschnittsalter der kommunal Beschäftigten mit knapp 48 Jahren höher als in der Privatwirtschaft.

In den nächsten 15 Jahren werden fast die Hälfte der kommunal Beschäftigten in den Ruhestand gehen, das sind knapp 35.000 von derzeit insgesamt 73.000 Beschäftigten.

Ralf Leimkühler Vize-Chef sächsischer Städte- und Gemeindetag

Anreize für Nachwuchs

Die Kommunen müssten sich früher als bisher mit der Nachbesetzung ihrer Stellen beschäftigen, schlussfolgert Leimkühler. Das vorhandene, jüngere Personal müsse stärker entwickelt werden, und zusätzliches Personal müsse ausgebildet werden. Insgesamt müsse der öffentliche Dienst attraktiver werden. Auch die öffentliche Hand und die Kommunen kämen nicht darum herum, Marketing zu betreiben.  Also darauf hinzuweisen, was es für Einrichtungen in der Kinderbetreuung gebe, an den Schulen vor Ort, was auch für potenzielle Bewerber attraktiv sei.

Genau darauf setze auch Leipzig, sagt Personalamtschefin Claudia Franko. Man bilde unter anderem eigene Nachwuchskräfte aus, besetze jedes Jahr über 300 Ausbildungs- und Studienplätze für Sozial-, Erziehungs- und Verwaltungsberufe und biete allen Absolventen, die den Abschluss mit mindestens der Note 3 schafften, auch eine unbefristete Übernahme an.

Headhunter und Onlineplattformen

Zudem nutze man längst verschiedene Kanäle, um freie Stellen publik zu machen, darunter auch Internet-Plattformen wie Xing oder Monster, erzählt Franko. Weil, so sagt sie, "wir schon der Meinung sind, dass wir das meiste sehr gut selber können. Aber bspw. bei Amtsleiterbesetzungsverfahren, wo wir wissen, dass es da schwierig wird, gute Bewerber zu finden, greifen wir auf Personalberater zurück, die uns dann entweder im gesamten Prozess unterstützen oder dahin gehen, dass sie potenzielle Bewerber direkt ansprechen".

Dass sogenannte Headhunter helfen, Bewerber für Führungspositionen zu finden, sei aber die Ausnahme und komme nur etwa fünf, sechs Mal im Jahr vor, erklärt Franko. Sie wirbt um Personal - auch für die eigene Abteilung:

Weil wir jemanden suchen, der unser Recruiting so gut aufstellt, dass wir weiterhin sehr gute Leute finden können.

Claudia Franko Personalamtschefin Leipzig

Denn: Auch für den Bereich Personalgewinnung im Leipziger Personalamt wird derzeit noch ein Abteilungsleiter gesucht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. November 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. November 2019, 05:00 Uhr

6 Kommentare

wo geht es hin vor 10 Wochen

Vielleicht würde auch mal eine Verschlankung der Verwaltungen helfen? Dazu müssten natürlich zig Gesetze; Vorschriften und Verordnungen geändert/gestrichen werden. Wäre nicht leicht und würde einen gewaltigen Kraftakt erfordern. Aber wäre das überhaupt erwünscht? Denn: wer sägt schon den Ast ab, auf dem er sitzt? Ich glaube, es gibt nicht allzuviele Länder auf der Erde, wo derart viele Menschen im Vergleich zum verarbeitenden Gewerbe ihren Lohn und Brot aus der öffentlichen Hand bekommen. Wenn ich mich nicht irre, sind von derezeit ca. 33 Mio arbeitenden Menschen schon ca. 15 Mio direkt oder indirekt von der öffentlichen Hand abhängig. Für mich ein krasses Missverhältnis.

ElBuffo vor 10 Wochen

Da machen auch tatsächlich viele nix. Einfach weil sie da, zu nichts zu gebrauchen aber unkündbar sind. Das wissen die ja auch und werden z.B. ganz plötzlich kurz vor der Frist nach monatelang dauerkrank wieder für kurze Zeit gesund, um dann gleich wieder dauerzuerkranken.
Ich nehme aber stark an, dass besonders bei den anderen Stellen ordentlich gespart wurde. Und sei es, dass jahr(zehnte)lang nur befristet eingestellt wurde. Damit konnte man zu dieser Zeit schon nicht mehr die Besten anlocken.

mensrea vor 10 Wochen

Sie haben mit Ihrer Analyse recht. Jahrelang wurden Stellen abgebaut, nicht wieder besetzt oder konnten erst besetzt werden, wenn der vorherige Inhaber, und mit ihm alle Kenntnisse, ausgeschieden ist. Allerdings darf man dabei nicht vergessen, dass sich in dieser Politik auch teilweise die Wählererwartung wiederfindet. Wie oft höre ich abschätzige Bemerkungen über Beamte/Angestellte des öffentlichen Dienstes und die Tatsache, dass man da doch gar nicht soviele braucht; die machen ja eh nix. Also hat die Politik reagiert bzw. sich im Recht gewähnt, wenn man keine Mitarbeiter im Bauamt, Sozialamt, Schule etc. einstellte.