Wohnsiedlung im Südwesten von Dresden
Sozialwohnungen im Südwesten von Dresden Bildrechte: dpa

Faktencheck Was unterscheidet günstigen Wohnraum von Sozialwohnungen?

Zuletzt war viel darüber zu lesen, dass die Zahl der Sozialwohnungen in den letzten fünf Jahren stark zurückgegangen sei. So hat Leipzig noch rund 300 Sozialwohnungen, vor zehn Jahren waren es fast 5.000. In Halle und Magdeburg gibt es gar keine Sozialwohnungen. Dabei verweist Magdeburg darauf, dass es in der Stadt jede Menge günstigen Wohnraum gebe und Plattenbauten leer stünden. Doch was ist der Unterschied zwischen günstigem Wohnraum und Sozialwohnungen? Eine Spurensuche in Sachsen-Anhalt.

von Andre Seifert, MDR AKTUELL

Wohnsiedlung im Südwesten von Dresden
Sozialwohnungen im Südwesten von Dresden Bildrechte: dpa

Tatsächlich stehen 120.000 Wohnungen in Sachsen-Anhalt leer, zumeist Plattenbauwohnungen. Die Kaltmiete in einer kommunalen oder genossenschaftlichen Wohnung koste hier pro Quadratmeter im Schnitt 4,90 Euro, teilt der Verband der Wohnungsgenossenschaften mit. Das ist deutschlandweit der niedrigste Wert.

Für Hartz-IV-Empfänger übernehmen die Jobcenter sowieso die Kosten der Unterkunft und sorgen damit dafür, dass kein Mensch auf der Straße leben muss. 

Jobcenter schauen auf Quadratmeterpreise

Einen Mangel an günstigen Wohnungen gibt es in Sachsen-Anhalt also nicht. Dennoch hat die Sache einen Haken: Denn die Jobcenter übernehmen die Kosten der Unterkunft ja nicht für jede Wohnung, sondern nur für preiswerte. Das Jobcenter in Halle zum Beispiel übernimmt die Kaltmiete für eine Zweipersonenwohnung nur bis maximal 5,80 Euro pro Quadratmeter. In den besseren Innenstadtlagen in Halle liegt der Mietpreis für einen Quadratmeter in einer solchen Wohnung aber bei durchschnittlich 6,50 Euro kalt.

Ärmere können teure City-Mieten nicht bezahlen

Hartz IV-Bezieher sind also gezwungen, in preiswertere Wohnungen zu ziehen, meist in Plattenbauwohnungen am Stadtrand, wie Halle Neustadt oder Halle Silberhöhe. Die Folge ist, dass ärmere Menschen aus den Innenstädten verdrängt werden und soziale Brennpunkte an Stadträndern entstehen. Und währenddessen ziehen die besser Betuchten in die Innenstädte, was wiederum zur Folge hat, dass dort die Mieten noch schneller steigen. 

Sozialwohnungsbau in guter Lage

Genau das zu verhindern, ist das Konzept von Sozialwohnungen. Es geht also weniger um die Frage, ob insgesamt in einer Stadt ausreichend günstiger Wohnraum vorhanden ist. Es geht vielmehr um die Fragen, wo, in welchen Vierteln also, dieser Wohnraum fehlt und wie sozial Schwache und finanziell Bessergestellte dort zusammenleben können.

Sozialwohnungen in guten Innenstadtlagen wirken der Bildung von Ghettos an den Stadträndern entgegen. Auch eine Stadt wie Halle bräuchte daher neue Sozialwohnungen, zum Beispiel im Paulusviertel, wenn sie dort die soziale Vielfalt erhalten und fördern will.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Januar 2018 | 05:21 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Januar 2018, 06:23 Uhr

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10 Kommentare

06.01.2018 14:45 Fragender Rentner 10

Zitat von Oben: Tatsächlich stehen 120.000 Wohnungen in Sachsen-Anhalt leer, zumeist Plattenbauwohnungen.

Wo sind denn die Menschen alle hin, wenn nur dort so ein großer Leerstand ist?

Wieso sollen Sozialwohnungen gebaut werden, bei diesem Leerstand? :-(

Was wird da wieder für Boden versiegelt? :-(

06.01.2018 10:24 Günter Kromme 9

Antwort auf die Frage ist, eigentlich nichts. In denen kann man nur wohnen wenn man die Miete zahlen kann oder jemand das übernimmt. Und Mangel aus Unvermögen kennen die ehemaligen DDR-Bürger zur Genüge!

05.01.2018 21:58 part 8

Fakt ist, wir haben hier die gleiche Immobilienblase wie sie in den USA zuvor geplatzt ist. Reiche und Superreiche wissen nicht mehr wo sie ihr Geld noch anlegen sollen und spekulieren mit Immobilien. Den sozialen Wohnungsbau gibt es seit 20 Jahren faktisch nicht mehr, preisgünstige Wohnungen ebenfalls nicht mehr, nachdem die Plattenbauten subventioniert angerissen wurden. Die BRD ist wohl das einstigte Land auf der Welt, wo so ein Irrsinn systematisch durchgeführt wurde, weil Staatseigentum gilt es umzuwandeln zu Gunsten von... Hinzu kommt dann die Grundrechtsverletzung per real existierender Soziagesetzgebung, die ihrerseit auch nur wieder der Privatwirtschaft Steuergelder indirekt zuschlägt. Sozialwohnungen, Wohnheime für Studenten und Ähnliches in Staatlichem Eigentum wären die Lösung des landesweiten Problems, das durch markwirtschaftliche Prozesse nur verschärft wird.

05.01.2018 20:42 Kritischer Bürger 7

Fehlerteufelchen: .... bis diese 50% auch gemessen werden ..... sollte eher heißen .... bis diese 50qm auch gemessen werden....

05.01.2018 19:36 Kritischer Bürger 6

Leeren Wohnraum zuschneiden auf 50qm für eine Person & 60qm für zwei Personen entspricht einen Umbau. Das würde erstens bei Wohnungen die 52qm haben nicht gehen oder man verstärkt die Wände so weit bis diese 50% auch gemessen werden können, dann ist doch alles im grünen Bereich! Spart man sich zum einen die dünnen Zwischenwände in den Blöcken und nach außen hin kann man sogar von Wärmedämmung sprechen. Nur mal so ein Tip von jemanden der mehr als genug mit ArbL zu tun hat!

05.01.2018 19:29 Kritischer Bürger 5

Paulusviertel Halle?? Wo sind da die Anwohner, welche dort leben ja so empfangsfreudig für sozial-benachteiligte Mitmenschen? Paulusviertel wird sich eher zu einem kleinen Schicki-micki-Bezirk mausern und da sind sozial benachteiligte MIT SICHERHEIT HERZLICHST WILLKOMMEN. Das würde ja den Gesamtwert (Mietspiegel) extrem "nach unten ziehen" und ggf. sogar unter den Wert, welchen viele Bürger für Wohnungen (auch Wohneigentum) einstmals bezahlten um sich dort anzusiedeln. (Sarkasmus ein) Die Elite wird da sicher gerne noch solche Unternehmungen unterstützen. Gewiss, gewiss? (Sarkasmus aus)

05.01.2018 17:16 Schnellschnitt 4

Schließen Sie Herr Lauinger diese Erstaufnahmeunterkünfte und machen Sie daraus Sozialwohnungen für Bürger mit geringem Einkommen und für Sozialamt abhängige Bürger.
Denn ein leer stehen dieser Gebäude ist Steuergeldverschwendung. Bei Umbau zu Mietsozialwohnung wird wenigtens noch etwas für die Bürger mit kleinen Geldbeutel und Einkünften getan. Denn diese plattenbauten müßten auch erst wieder renoviert werden. Das kommt aufs Gleiche heraus.

05.01.2018 16:03 Fragender Rentner 3

Zitat von Oben: Was unterscheidet günstigen Wohnraum von Sozialwohnungen?

Na die Sozialwohnungen sind besser als die Plattenbauten und die können wir nicht jedem zumuten. :-)

05.01.2018 10:53 Hor Es Te 2

So kann man es mal wieder deutsch verklausolieren.Wegen Begrifflichkeiten gibt es KEINEN sozialen Wohnraum aber tausende günstige Wohnungen.Sind die den alle verrückt geworden?Oder muß,soll,darf man das alles nicht mehr verstehen.Mieten mit unter 5 € /m² nicht als Spzialwohnungen anzuerkennen und schnell eine andere Bezeichnung finden.Klipschulniveau oder die Bevölkerung mit sowas dumm halten.Sage ich dazu.

05.01.2018 08:02 Geht nicht! 1

Wenn mir ein Vermieter die angekündigte Mieterhöhung mit "der günstigen Lage"begründet, geht das gar nicht. Für die "Lage" kann der Vermieter nichts, das ist Zufall oder ein Geschenk des Himmels, für die Ausstattung kann er wohl was. Und da hapert es oft, weil alles "schnell und billig" gemacht wird. Hier fehlt zwingend ein Kontrollorgan in unserem Land, damit Mieterhöhungen auch wirklich gerechtfertigt sind.