Unterricht in einer Grundschule
Schon 2010 wurde in Thüringen erstmals auf einen absehbaren Lehrermangel hingewiesen. Bildrechte: imago/wolterfoto

Thüringen Schwarz, Rot oder Grün: Wer ist Schuld am Lehrermangel?

Das Thema wird im Thüringer Wahlkampf heiß diskutiert: der Lehrermangel im Land. Die CDU wirft der rot-rot-grünen Regierung vor, in den vergangenen Jahren nicht genug getan zu haben. Die rot-rot-grüne Regierung argumentiert, sie müsse aufräumen, was die vorherige CDU-geführte Landesregierung hinterlassen habe.

von Lily Meyer, Landeskorrespondentin Thüringen MDR AKTUELL

Unterricht in einer Grundschule
Schon 2010 wurde in Thüringen erstmals auf einen absehbaren Lehrermangel hingewiesen. Bildrechte: imago/wolterfoto

Wenn weniger Kinder geboren werden, es also weniger Schülerinnen und Schüler gibt, braucht man auch weniger Lehrer. Genau das dachte man sich nach der Wende wohl in Thüringen, wie auch in anderen ostdeutschen Bundesländern, und stellte über mehrere Jahre nur wenige neue Lehrerinnen und Lehrer ein.

Ein Fehler, vor dem die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Thüringen schon in den 90er Jahren gewarnt habe, sagt deren Sprecher Michael Kummer: Man habe darauf aufmerksam gemacht, dass – wenn man über Jahre nicht einstelle – irgendwann Lehrer in den Kollegien fehlen würden.

Viele Langzeitkranke unter den älteren Lehrkräften

Dass es dann tatsächlich so kommen würde, darauf habe die GEW Thüringen 2010 hingewiesen, als der Lehrermangel zum ersten Mal absehbar geworden sei. Man habe immer wieder darauf aufmerksam gemacht und frühzeitig gewarnt, insistiert GEW-Sprecher Kummer.

Das Bildungsministerium und vor allem das Finanzministerium hat das Problem einfach ausgesessen oder ignoriert. Jetzt haben wir die Probleme.

Michael Kummer, GEW Thüringen-Sprecher

Es gebe ungefähr 1.000 Langzeitkranke bei den Thüringer Lehrerinnen und Lehrern und das könne man einfach nicht kompensieren, erklärt Kummer. Denn die älteren Lehrerinnen und Lehrer würden zwar nicht häufiger krank, blieben es aber länger.

Schon 2011 erste Kampagnen gegen Lehrermangel

Michael Kummer macht vor allem die strikte Sparpolitik für den Lehrermangel verantwortlich. Es könne nicht sein, dass man in diesem öffentlichen Bereich, der Schule ebenso wie Polizei oder Justiz sei, so massiv spare.

Rolf Busch, Landesvorsitzender des Thüringer Lehrerverbandes (links) und sein Stellvertreter Frank Fritze
Der stellvertretende Vorsitzende des Thüringer Lehrerverbandes, Frank Fritze (rechts). Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

Der Thüringer Lehrerverband habe 2011 eine seiner ersten Kampagnen gegen den Lehrermangel gestartet, erinnert sich der stellvertretende Landesvorsitzende Frank Fritze: Nach dem Motto "Stoppt den Lehrerkollaps!" habe man dem damaligen Minister vor dem Landtag eine große Tablettenschachtel übergeben wollen.

Der Minister sei damals nicht persönlich erschienen, weil er es als Affront angesehen habe, erinnert sich Fritze. Aber schon damals sei absehbar gewesen, dass mehr Lehrer aus dem Schuldienst ausscheiden als junge Leute nachrücken würden.

Lehrerverband gibt aktueller und letzter Regierung die Schuld

2011 war das Bildungsministerium in SPD-Hand, die das Problem deshalb mit zu verantworten habe, findet Fritze: "Aber auch die CDU war in der Regierungsverantwortung und hätte dem Minister da mal ein bisschen Bescheid geben können."

Und jetzt hat Rot-Rot-Grün die ersten drei Jahre auch verpennt. Das ist einfach so. Die haben zu spät reagiert.

Frank Fritze, Lehrerverband Thüringen

Richtig erkannt worden sei das Problem erst vor zwei Jahren, sagt Fritze. Trotzdem habe man immer noch nicht alle Register gezogen, effektiv entgegenzusteuern.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Oktober 2019 | 08:53 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Oktober 2019, 05:00 Uhr

15 Kommentare

MDR-Team vor 4 Wochen

Hallo Keine Bereicherung mehr..., an dieser Stelle weisen wir darauf hin, dass es diverse Gründe gibt, um zu migrieren. Den anerkannten Flüchtlingsstatus erhält man in Deutschland, wenn man asylberechtigt ist. Das BAMF schreibt dazu: "Asylberechtigt und demnach politisch verfolgt ist eine Person, die im Falle der Rückkehr in ihr Herkunftsland einer schwerwiegenden Menschenrechtsverletzung ausgesetzt sein wird." Nachzulesen hier: http://www.bamf.de/DE/Fluechtlingsschutz/AblaufAsylv/Schutzformen/Asylberechtigung/asylberechtigung-node.html Liebe Grüße aus der MDR.de-Redaktion

Keine Bereicherung mehr.. vor 4 Wochen

Die ganze Sache lässt sich auf einen Punkt reduzieren, Geld!
Es Geld da, für Wirtschaftsflüchtlinge aber kein Geld für die Ausbildung unserer eigenen deutschen Kinder.
Das ist der Fehler von RRG und CDU und nichts anderes.
Was für eine Schande am eigenen Volk, die unsere Zukunft sichern soll.

kennemich vor 4 Wochen

Zitat: Schwarz, Rot oder Grün: Wer ist Schuld am Lehrermangel?

Das ist kine gute Frage, denn immer nur die, die an der Macht sind, sind schuld und wenn wir dran sind, dann versprechen wir euch es bestimmt ebenso zu machen. :-)