Thüringen Nochmal Spitzenkandidat? Kemmerich will sich im Herbst erklären

Lily Meyer, Autorin
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In Thüringen soll nächstes Jahr im April ein neuer Landtag gewählt werden. Die SPD und die CDU bringen sich schon mal in Stellung, indem sie ihr Spitzenpersonal austauschen und mit neuen Spitzenkandidaten in den Wahlkampf starten wollen. Die FDP hat sich noch nicht aufgestellt. Thomas Kemmerich könnte wieder dabei sein.

Thomas Kemmerich
Thomas Kemmerich wurde Anfang Februar mit den Stimmen der Fraktionen von CDU, AfD und FDP für kurze Zeit zum Ministerpräsidenten Thüringens gewählt. Bildrechte: dpa

Thüringens FDP-Chef Thomas Kemmerich hat es als Kurzzeitministerpräsident zu bundesweiter Bekanntheit gebracht. Für Schlagzeilen sorgte jüngst auch sein Besuch bei einer Anti-Corona-Demo im Mai in Gera, an der auch Verschwörungstheoretiker und Rechtsradikale teilgenommen haben sollen. Der FDP-Kreisverband Nordhausen forderte Kemmerich daraufhin zum Rücktritt auf.

Soweit geht man im Kreisverband Saalfeld-Rudolstadt nicht. Dessen Vorsitzender Lutz Maier sagt: "Ich denke mal, Thomas Kemmerich hat in den letzten Jahren bereits gezeigt, dass er dieser Partei keinen Schaden zufügen will. Jedoch gehe ich davon aus, dass der Druck auf Kemmerich aus der Partei so hoch sein wird, dass es schwierig wäre, eine erneute Wahl zu gewinnen."

Unterschiedliche Positionen in der FDP

Die FDP werde sich programmatisch und personell neu aufstellen müssen, sagt Maier. Es sollte nicht alles an Personen festgemacht werden, findet hingegen Bastian Boelecke. Er ist Mitglied im FDP-Kreisverband Unstrut-Hainich-Kreis.

Boelecke stellt fest, dass es drei unterschiedliche Positionen in der FDP gebe: "Ich gehöre zu der Fraktion, die sagt, wir sollten Sachthemen in den Vordergrund stellen. Es gibt diejenigen bei uns, die sagen: Also nachdem, was da jetzt insgesamt bereits passiert ist, ist Kemmerich untragbar." Und es gebe die dritte Position, dass es nicht an ihm gelegen habe und es falsch wäre, Kemmerich den Shitstorm zum Vorwurf zu machen.

Ob Kemmerich noch einmal als Spitzenkandidat antreten sollte oder nicht, da möchte Boelecke sich nicht festlegen. Volker Ortwig, Vorsitzender der FDP im Saale-Orla-Kreis sagt: Ja, aber mit einer ordentlichen Mannschaft, die FDP brauche ein gewisses Charisma. "Die FDP muss ihre Personalangelegenheiten endlich ordentlich klären. Und die FDP muss dem Bürger klare Ansagen machen und dem Bürger auf den Mund schauen und nicht nach dem Mund reden. Das ist das Entscheidende."

Kemmerich legt sich nicht auf Kandidatur fest

Wären jetzt Landtagswahlen, würde die FDP laut einer aktuellen Insa-Umfrage im Auftrag der Thüringer Allgemeinen auf drei Prozent kommen. Auf seine eigene Person will Kemmerich dieses Tief nicht beziehen: "Ich bezieh da auf gar nichts was. Die Zahlen sind nüchtern ermittelt worden. Natürlich sind die Umstände da und beeinflussen etwas, aber wir bleiben bei der Sacharbeit."

Auf die Frage, ob er weiterhin Vorsitzender der Thüringer FDP bleiben und erneut als Spitzenkandidat antreten möchte, antwortet Kemmerich: "Das entscheiden die Gremien. Wir haben im November einen Parteitag. Da steht turnusmäßig die Wahl eines neuen Landesvorstandes an. Und weitere Planungen in dieser Form gibt es nicht."

Im Herbst möchte sich Kemmerich zu letzten Monaten äußern

Von verschiedenen FDP-Mitgliedern hört man allerdings, Kemmerich könne sich eine erneute Spitzenkandidatur durchaus vorstellen. Ute Bergner ist noch Mitglied der Fraktion im Thüringer Landtag, der Kemmerich vorsitzt. Sie hat sich allerdings von der FDP abgewandt. Ihre Mitgliedschaft ruht zurzeit. Bergner meint: "Nach meinem Kenntnisstand ist das die Überzeugung der Kollegen hier in der Fraktion, dass Herr Kemmerich an der Spitze den Erfolg sichert."

Vorgenommen hat sich Kemmerich in jedem Fall, sich im Herbst öffentlich zu den Ereignissen der vergangenen Monate zu äußern, bisher ist er jedem Interview dazu aus dem Weg gegangen: "Ob das Ihren Erwartungen nachkommt – nach Aufarbeitung – werden wir sehen. Aber wir werden mit der Öffentlichkeit über die Ereignisse der letzten Monate diskutieren", kündigt Kemmerich an. Was ihm wieder bundesweite Aufmerksamkeit bringen dürfte.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. Juli 2020 | 06:49 Uhr

18 Kommentare

Rotti vor 4 Wochen

Kemmerich sollte jetzt konsequent sein.
Er ist der mit Abstand bekannteste Liberale landesweit.
Kemmerich hat den Bonus als "gestürzter MP" . Vielleicht wird er unter den designierten MP Hirte der Wirtschaftsminister?
Derzeit hat er, soweit ich die Umfragen kenne, die FDP landesweit nach vorne gebracht.
Das ich richtig liegen muss, dass bestätigt mir auch das ständige abarbeiten und schäbigen an der Person Kemmerich.

Atheist vor 5 Wochen

Diesem Mann mangelt es jedenfalls nicht an einer gehörigen Selbstbewusstsein was man schon bei seiner Wahl, wo er vor lauter Manneskraft kaum vorweärts gehen konnte,,sehen konnte.
Nicht umsonst haben seine Friseurinen „Respekt“ vor ihm.

Jens66 vor 5 Wochen

Ich denke mal Sie haben nur Angst, dass Herr Kemmerich es besser macht, als ihr geliebter Bodo und dass nach ihm danach kein Hahn mehr gräht ! Und schreiben Sie nicht mehr "Wir" , wir sind hier nicht beim Neuen Deutschland!