Ein Vordruck für Einkommenssteuererklärung liegt neben einem Aktenordner mit der Aufschrift Finanzamt, einem Stift und einem Taschenrechner.
Der Steuerbescheid könnte in den kommenden Jahren in Sachsen-Anhalt später im Briefkasten landen. Die Landesregierung spart bei den Finanzämtern Personal ein. Bildrechte: dpa

Kaum neues Personal Sachsen-Anhalt spart bei Finanzämtern

Der 31. Mai löst bei manchen ein dumpfes Grauen aus. Bis zu dem Tag sollten die Steuererklärung erledigt sein. Digital oder als dicker Stapel Papiere wird sie an das Finanzamt geschickt. Im günstigsten Fall gibt es eine Rückzahlung. Darüber entscheiden die Finanzbeamten. Wie fast überall in der öffentlichen Verwaltung wurde auch in den Finanzämtern in den letzten Jahren Personal abgebaut.

von Vera Wolfskämpf, MDR AKTUELL

Ein Vordruck für Einkommenssteuererklärung liegt neben einem Aktenordner mit der Aufschrift Finanzamt, einem Stift und einem Taschenrechner.
Der Steuerbescheid könnte in den kommenden Jahren in Sachsen-Anhalt später im Briefkasten landen. Die Landesregierung spart bei den Finanzämtern Personal ein. Bildrechte: dpa

Gibt es Geld zurück - oder muss ich Steuern nachzahlen? Auf diese Frage gibt es in Sachsen-Anhalt eine besonders schnelle Antwort: durchschnittlich nach 6,5 Wochen. In Thüringen und Sachsen dauert es eine Woche länger. Bundesweit liegen die sachsen-anhaltischen Finanzämter auf dem dritten Platz, so eine aktuelle Statistik des Onlineportals "Lohnsteuer kompakt".

Personal laut Gewerkschaft zu alt

Das ist erstaunlich. In den vergangenen zehn Jahren ist Personal abgebaut worden. Die Zahl der Mitarbeiter ist von 4.300 auf 3.300 Mitarbeiter gesunken. Das bestätigt der zuständige Finanzminister André Schröder: "Insofern entspricht das einem Personalabbau von fast 25 Prozent. Im gleichen Zeitraum sind aber die Verfahren beschleunigt worden, auch durch die technischen Innovationen."

Zudem sei Sachsen-Anhalt bei der Finanzverwaltung im bundesweiten Durchschnitt. Pro 1.000 Einwohner gebe es 1,5 Mitarbeiter. Das genüge, findet sogar die Steuergewerkschaft und ihre Landeschefin Iris Herfurth. Aber es gebe ein anderes Problem. Viele Stellen seien über Jahre nicht nachbesetzt worden. Das Personal insgesamt sei gealtert, so Herfurth: "Der Altersdurchschnitt von 48 Jahren bedeutet natürlich künftig viele Altersabgänge. Da müssen wir schon gucken, dass wir uns verjüngen. Wenn Modernisierung, neue Besteuerungsverfahren auf uns zukommen, müssen wir junges und geschultes Personal haben."

Behörden bekommen nur 20 Nachwuchs-Finanzbeamte

Für dieses und nächstes Jahr waren ursprünglich je 40 Plätze für Nachwuchs-Finanzbeamte geplant. Doch um im Haushalt zu sparen, wurde das auf jährlich 20 Neueinstellungen gekürzt. Das kritisiert Iris Herfurth von der Steuergewerkschaft: "Im Moment haben wir den Einstellungskorridor um 50 Prozent verringert. Das verschärft unsere derzeitige Situation. Hinter so einer momentanen Entscheidung kann ich als Gewerkschaft nicht dahinterstehen."

Doch der Finanzminister hat den gesamten Haushalt und die Personalausgaben im Blick. Erst in fünf Jahren würden besonders viele Mitarbeiter altersbedingt ausscheiden. Mit etwas Vorlauf sorge man dann für Nachwuchs, so CDU-Minister André Schröder: "Ab 2020 bis 2022 werden wir mehr Neueinstellungen in der Steuerverwaltung haben, um das auszugleichen. Ich will noch eines dazu sagen: In der Vergangenheit gehörte es zur Personalpolitik, Signale für Frühverrentung auszusenden." Nun würde jede Fachkraft gebraucht. Die Finanzbeamten können künftig also nicht damit rechnen, früher in Pension zu gehen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im Radio: MDR | 31.05.2017 | 05:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Mai 2017, 05:00 Uhr