Covid-19 Coronakrise hat finanzielle Folgen für Sachsens Krankenhäuser

Geld für Schutzausrüstung, Geld für Tests und dann auch noch leere Betten – die Corona-Krise hat große mitteldeutsche Kliniken schon Millionenbeträge gekostet. Das hat eine Umfrage von MDR AKTUELL ergeben. Vor allem größeren Häusern seien die Einnahmen weggebrochen. Könnten kleinere Häuser dagegen zu Pandemie-Gewinnern werden?

Zwei leere Krankenbetten stehen in der Corona-Notaufnahme des Städtischen Klinikum Dresden in einem Patientenzimmer nebeneinander.
Leere Betten in der Corona-Notaufnahme des Städtischen Klinikum Dresden. Bildrechte: dpa

Das Städtische Klinikum in Dresden schreibt seit Jahren rote Zahlen. Jetzt komme auch noch ein Corona-Minus hinzu, erklärt Marcus Polle, der kaufmännische Direktor.

Verluste in Millionenhöhe

Polle rechnet vor: Durch die Corona-Maßnahmen fehlten seit Wochen Patienten. Daher habe das Krankenhaus mit seinen vier Dresdner Standorten allein im März rund zwei Millionen Euro zusätzlichen Verlust gemacht. "Wir haben hier im Klinikum ein Jahresbudget von 300 Millionen Euro, das heißt wir haben einen Tagesumsatz von vielleicht 900.000 Euro. Und den haben wir nicht erreicht, weil wir deutlich weniger Kapazität vorgehalten haben, wie das vom Gesetzgeber vorgeschrieben war. Wir haben ungefähr 50, 60 Prozent unserer normalen Belegung gehabt. Und so setzen sich diese zwei Millionen Mehrverlust zusammen."

Auch andere größere Kliniken ächzen unter den Corona-Maßnahmen. Man kann sagen: Je größer oder je spezialisierter ein Krankenhaus, desto höher die Einbußen. Wir haben bei einigen Kliniken nachgefragt. Mittelgroße wie das Waldklinikum Gera, das Krankenhaus in Suhl und das Klinikum Magdeburg hoffen, wenigstens kein Minus zu machen. Große Kliniken wie das Uniklinikum Leipzig befürchten einen zweistelligen Millionenverlust.

Ein Problem, dass auch die sächsische Gesundheitsministerin Petra Köpping kennt. Sie hält sich aber noch bedeckt: "Abgerechnet wird zum Schluss. Das heißt, wenn alles vorbei ist und wir die ersten Zahlen auf dem Tisch haben, dann muss man sich hinsetzen und gucken, was hat gereicht und dann muss man eventuell nachsteuern. Ich kann da keine Versprechungen machen, weil das ein Bundesgesetz ist, aber man kann sagen, dass wir dort vereinbart haben mit Herrn Spahn, mit dem Gesundheitsminister, dass wir dort tatsächlich uns nochmal zusammensetzen, was es für Differenzen gegeben hat."

Bund zahlt Krankenhäusern Freihalte-Pauschale

Seit Mitte März sind Krankenhäuser bundesweit quasi im Katastrophenmodus. Sie wurden gesetzlich verpflichtet, Betten für Covid-Patienten freizuhalten. Bleibt ein Bett frei, zahlt der Bund Entschädigung, eine sogenannte Freihalte-Pauschale. Und zwar 560 Euro pro Tag und pro nicht belegtes Bett.

Was für große Kliniken zu wenig ist, könnte für kleine Krankenhäuser zu viel sein. Womöglich konnten kleine Häuser im ländlichen Raum durch die Freihalte-Pauschale ihre Betteneinnahmen in den letzten Wochen verdoppeln, schätzen einige Klinikmanager hinter vorgehaltener Hand im Gespräch mit MDR AKTUELL.

Einen Reibach machen sie aber nicht, sagt Friedrich München von der Sächsischen Krankenhausgesellschaft. "Sie müssen immer daran denken, das Krankenhäuser durch die Pandemie auch höhere Kosten haben, so zum Beispiel für die Schutzausrüstung und auch für die Tests, die sind nicht in der Fallpauschale einkalkuliert. Von daher, wenn es einen kleinen Gewinn geben sollte, wird der wieder aufgefressen."

Der Ausnahmezustand in den Kliniken hat den Bund bislang extrem viel Geld gekostet: Insgesamt flossen zuletzt allein an die 75 sächsischen Krankenhäuser wöchentlich um die 20 Millionen Euro an Freihalte-Pauschalen, erfuhr MDR AKTUELL aus dem Sozialministerium. Im Schnitt erhielt ein Krankenhaus täglich rund 40.000 Euro, nur für leere Betten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Mai 2020 | 08:08 Uhr

9 Kommentare

Armin C. vor 1 Wochen

@Peter
Wohl eher nicht, oder wollen Sie den Beamten Bestechlichkeit unterstellen?- Und auch Ihnen darf man wünschen, dass Sie den "Siegeszug der privaten Krankenhäuser" gut überstehen..

Peter vor 1 Wochen

Tja Sonnenseite, "überlesen" haben Sie sicherlich, dass sich das Ärzteblatt auf Daten des Statistischen Bundesamtes beruft.
Sind die auch von der Pharmaindustrie gesponsort?

Auf der Sonnenseite des Lebens vor 1 Wochen

"Ich zitiere dazu aus dem Ärzteblatt"

was sollen die auch schreiben, das Ärzteblatt bewirbt auch die Pharmaindustrie.

Schon dieser Fakt belegt den ganzen Unfug Ihrer Behauptung.