Die Notaufnahme der Uniklinik in Magdeburg.
Die Notaufnahme der Uniklinik in Magdeburg. Bildrechte: MDR/ André Plaul

Sachsen-Anhalt Debatte über zukünftige Finanzierung der Unikliniken

Den Unikliniken in Sachsen-Anhalt fehlt Geld: Die Geräte sind zu alt, die Gebäude heruntergekommen. Ein harter Sparkurs unter der vergangenen Regierung ist schuld, sind sich alle Beteiligten einig. Seitdem der neue Medizinische Direktor der Uniklinik Magdeburg Anfang des Monats die Krebsstation schließen ließ, nimmt die Diskussion mächtig an Fahrt auf. Und wie fast immer geht es ums Geld. Die Finanzierung der Unikliniken in Sachsen-Anhalt ist am Freitag auch Thema im Landtag.

von Anne-Marie Kriegel, Landeskorrespondentin Sachsen-Anhalt MDR AKTUELL

Die Notaufnahme der Uniklinik in Magdeburg.
Die Notaufnahme der Uniklinik in Magdeburg. Bildrechte: MDR/ André Plaul

Der Neue schlägt lautstark Pflöcke ein, tuschelt man auf den Landtagsfluren. Gemeint ist Hans-Jochen Heinze, der erst seit knapp zwei Monaten der ärztliche Chef der Uniklinik Magdeburg ist. Die Schließung der Krebsstation und die Umverlegung von Patienten der Station Anfang des Monats hatte für großes Aufsehen im Land und in der Politik gesorgt. Es müsse Geld her, und zwar schnell, sagt Heinze:

Die Lage ist ernst. Wir brauchen jetzt sofort die Finanzmittel.

Hans-Jochen Heinze, Chef der Uniklinik Magdeburg
Prof. Dr. Hans-Jochen Heinze, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates Universitätsmedizin Niedersachsen
Hans-Jochen Heinze, Uniklinik Magdeburg Bildrechte: imago/Hubert Jelinek

Man müsse die Angelegenheit differenziert betrachten. Für die Aufarbeitung der aktuellen Probleme, also für die Sicherstellung des Fundaments, würden rund 100 Millionen Euro auf vier Jahre verteilt benötigt, sagt Heinze. Das wären 25 Millionen im Jahr. Und damit kommt der Ärztliche Direktor der Uniklinik genau zur richtigen Zeit. Immerhin bereiten die Ministerien aktuell die Haushaltsverhandlungen vor.

Masterplan für Investitionsentscheidungen gefordert

Wissenschaftsminister Armin Willingmann bleibt hart. Ja es gebe einen Investitionsstau, ja der gehöre behoben, aber dazu brauche es dringend verlässliche Pläne. Konkret einen Masterplan Bau, in dem genau festgeschrieben ist, was wann gebaut werden soll. Dieser sei eine unverzichtbare Voraussetzung für entsprechende Investitionsentscheidungen.

Wirtschaftsminister Armin Willingmann
Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Willingmann erklärt: "Der Klinikvorstand entscheidet darin über vorrangige Maßnahmen, er nimmt eine Priorisierung vor. Und dann werden die Anträge ans Finanzministerium gestellt. Nachdem der Aufsichtsrat zugestimmt hat." Diesen Plan gebe es vom Uniklinikum Magdeburg bisher nicht. Es läge nur eine unzureichende Fassung aus dem vergangenen Frühjahr vor.

Linke will 30 Millionen pro Jahr für Unikliniken

Dass es für den Bau an den Unikliniken Konzepte braucht, das denkt auch Hendrik Lange von den Linken. Er ist der wissenschaftspolitische Sprecher der Fraktion. Er glaube allerdings nicht, dass man 100 Millionen, wie sie in Magdeburg die Runde machen, verbaut bekomme. Denn Bau brauche Zeit.

Man muss ein vernünftiges Investitionsprogramm auf den Weg bringen, das sich an den Baukonzepten der Hochschulmedizin orientiert.

Hendrik Lange, wissenschaftspolitischer Sprecher Linke

In dem am Freitag im Landtag zur Debatte stehenden Antrag, fordert die Linke je 30 Millionen Euro pro Jahr für die beiden Unikliniken im Land. Dabei soll ein Teil in die Anschaffung von sehr kostspieligen Geräten fließen, der andere in den Bau.

Barmer hält Unikliniken für ausreichend finanziert

Aus Sicht der Barmer waren die Unikliniken in Sachsen-Anhalt in den vergangenen Jahren für den laufenden Betrieb - für den die Kassen zuständig sind - auskömmlich finanziert. Für die Investitionen sei das Land zuständig, betont die Kasse.

Um die finanziellen Schwierigkeiten auszuräumen, schlägt der Landesgeschäftsführer der Barmer, Axel Wiedemann, eine Holding vor. Die Unikliniken in Halle und Magdeburg bleiben selbstständig, haben aber gemeinsame Bereiche wie Abrechnung, Einkauf oder Apotheke.

Bisher bestehe da eine Doppelstruktur, erklärt Wiedemann: "Anschließend würden wir eine Universitätslandschaft in Sachsen-Anhalt haben, die sich auch auf das Kerngeschäft, nämlich auf Forschung, auf Spitzenmedizin konzentrieren könnte. Und die dann bestimmte logistische Aspekte, bauliche Aspekte über die heute viel zu viel geredet wird und viel zu intensiv, die könnten dann an anderer Stelle und in anderer Gestalt auch klären und lösen."

Ihm sei klar, dass der Aufbau einer solchen Holding auch Geld koste, das sei aber gut investiert, betont Wiedemann.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Mai 2019 | 06:08 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Mai 2019, 05:00 Uhr

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9 Kommentare

24.05.2019 13:29 Cegabriel 9

Es braucht wohl viel Leidenschaft und Lust, um gegenüber des politischen Apperates und den Krankenkassen für die Zukunft sowohl der medizinischen Versorgung wie der Wissenschaft sich einzusetzen! Wie dies der ärztliche Direktor nun tut ist bewundernswert und zeigt, wie in Zeiten gesellschaftlicher Spaltungen und zunehmendem Egoismus Menschen trotzdem sinnvolle Wege gehen können. Doch kann er in diesen Tagen auch so viel Einsatz bringen, weil er weiß, wieviele Mitarbeitende der Klinik mit ihrem täglichen Dienst am Menschen vor Ort mittun! Mögen alle Beteiligten in diesem gemeinsamen Ringen wirklich Erfolg haben - für die Menschen hier in Sachsen-Anhalt!

24.05.2019 11:14 Max W. - "Unsere Werte" eben 8

@24.05.2019 08:17 Montana (Man darf nicht mehr krank werden.)

Quid? Man darf solche Zustände nicht einfach hinnehmen, in Selbstmitleid versinken und die politisch Verantwortlichen einfach machen lassen - man muss das ÄNDERN. Und das geht nicht, wenn "man" nicht hinsehen und lieber in der Datsche die Blumen giessen und Sportschaugucken will. Oder die Macht anhimmelt, weil sie öffentlichrechtlich kleine Hunde und Kinder steichelt und von "Unseren Werten" predigt; die sie, noch während die Textbausteine abgearbeitet werden, bereits systematisch mit Füssen tritt, weil sie ihr Versagen schönrechnen lässt und über "Umfragewerte" ihren "Erfolg" bestimmt.

Das UKH/UKM sind doch nur Symptome der Deutschen Krankheit, die in SAH nur besonders wahrnehmbar auftreten, und es sind nicht einmal die schwersten. Und offenbar keine, die ihnen Sorgen machen würden...

24.05.2019 11:07 MDer 7

"Man tuschelt auf den Landtagsfluren .." . Klar doch, statt miteinander zu reden, tuschelt man übereinander . Jeden Tag eine andere Pressekonferenz, zur Abwechslung auch mal eine Holding. Diese "Experten" gehen zur Krebsbehandlung sicher nicht in den Container der Uniklinik MD .

24.05.2019 11:06 Max W. - "Unsere Werte" eben 6

@24.05.2019 09:29 Leser (Mir scheint nicht die alte Regierung am Dilemma schuld zu sein, sondern der Vorgänger des neuen Direktors)

WENN sie schon (nur) einen Namen nennen wollen - man müsste eine ganze Ba..., äh, Gruppe nennen - dann lautet der Name BULLERJAHN/SPD.

Der letzte politische Totengräber insbesondere des UKH ist eben dieser Bullerjahn/SPD gewesen - der noch dazu in eigener Person schreiend und pöbelnd versucht hat, seine landeseigene SPD-Agenda-Bullerjahn im UKH durch persönliche Einschüchterung durchzupressen.

Man muss als Klinikchef so etwas mit gleicher Münze zurückzahlen KÖNNEN - was stattdessen in welchem Format abgelaufen ist... na, lassen wir das - Sachsen-Anhalt eben, Schland eben.

Das Ausmaß an totalem Durchschnitt und einer schon peinlichen politischen Kleinbürgerei sind die Geissel dieses Bundeslandes. Das UKH ist nur eine Auswirkung dieser Gegebenheiten.

24.05.2019 10:56 Max W. - "Unsere Werte" eben 5

"Man müsse die Angelegenheit differenziert betrachten."
Lach... ALLERDINGS!

Es ist mit Geld allein nicht getan - das weiss auch jeder Insider. Es sind die Strukturen und die Leute, die solche , noch dazu heruntergewirtschafteten, Strukturen anziehen, wie Pferdemist die Fliegen.

Es ist die deutsche Ordinarienuniversität und ihre Erzeugnisse, es ist die Unfähigkeit, GUTE Leute zu gewinnen, weil derDurchschnitt das, i. d. R. erfolgreich, verhindert.

Es sind die, letztlich politischen, Auswahlkriterien, die Ja-Sager, Apparatschiks, Funktionärsmentalitäten usw. fördern und geradezu (er)fordern. Und es ist das deutsche Gesundheitssystem und seine halbherzige "Marktorientierung" als solches - made by SPD und CDU in erster Linie! Das fällt hier nur mehr auf, weil SAH schlicht pleite ist...

Es geht ja nicht nur um medizinische Versorgung - es geht um Abrechnungsmodi, Forschung(!) und Wissenschaft.

24.05.2019 09:29 Leser 4

Mir scheint nicht die alte Regierung am Dilemma schuld zu sein, sondern der Vorgänger des neuen Direktors. Auch der ökonomische Direktor sollte nachweisen, was er für Anträge an die Landesregierung gestellt hat.

24.05.2019 08:17 Montana 3

Man darf nicht mehr krank werden.

24.05.2019 07:07 winfried 2

Keine Panik, Leute ! ... "Es wird Niemandem etwas weggenommen" heißt es doch von offizieller Stelle.
Dran glauben müsst ihr halt und euch mit allem abfinden, dann ist alles "paletti".

24.05.2019 06:42 Basil Disco 1

Anscheinend gibt es bei der Barmer ein paar Leute, für die noch Versorgungsposten geschaffen werden müssen. Die entscheiden dann in der ominösen Holding über die Köpfe der Kliniken hinweg, was diese brauchen. Super Lösung, typisch Sachsen-Anhalt.