Suleman Malik
Suleman Malik erklärt den Islam. Bildrechte: dpa

Flüchtlingsbeauftragter Malik "Ich bin im Auftrag der Liebe unterwegs"

In Thüringen soll die erste Moschee gebaut werden. Das Vorhaben ist zum Politikum geworden. Skepsis, Demonstrationen und Bürgerbegehren auf der einen Seite. Auf der anderen steht Suleman Malik an vorderster Front. Er ist Sprecher der Ahmadiyya-Gemeinde Thüringen und seit einiger Zeit Flüchtlingsbeauftragter für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

von Stefanie Gerressen, Thüringen-Korrespondentin für MDR AKTUELL

Suleman Malik
Suleman Malik erklärt den Islam. Bildrechte: dpa

Suleman Malik ist das Gesicht der Ahmadiyya in Thüringen. Der gebürtige Pakistaner trägt Haare und Bart kurz getrimmt. In Jeans und blauem Hemd verkörpert er einen jungen, modernen Islam. Seit zwei Jahren baut er regelmäßig samstags einen hellblauen Stand auf dem Erfurter Anger auf.

Malik verteilt Prospekte, führt Gespräche und beantwortet Fragen. Meistens geht es dabei um die Rolle der Frau, Terror oder den "IS" – obwohl die Ahmadiyya damit laut Verfassungsschutz nur wenig gemein hat. Malik findet das schade: "Dass man in einen Topf geworfen wird, ist natürlich schon ein bisschen schmerzhaft. Weil man sich dann immer rechtfertigen muss."

Malik hat Ehrenamt zum Beruf gemacht

Malik rechtfertigt viel, besonders wenn es um die geplante und umstrittene Moschee in Erfurt-Marbach geht. Der 33-Jährige hat durch seinen Beruf gelernt, damit umzugehen. Bis vor kurzem war er noch im Dialogmarketing der Telekom tätig. Inzwischen ist aus seinem Ehrenamt bei der Ahmadiyya ein Beruf geworden.

Seit Mai ist er einer von 26 regionalen Flüchtlingsbeauftragten im Rahmen eines vom Bund und der Deutschen Islamkonferenz geförderten Projektes: "Meine Tätigkeit ist, die Moscheegemeinden in drei Bundesländern zu betreuen und in den jeweiligen Gemeinden einen Flüchtlingsbeauftragten zu schulen, der wiederum für die Kommunen als Ansprechpartner für Flüchtlingsfragen zur Verfügung steht."

Ehefrau fühlt sich in Deutschland nicht sicher

Damit hat Malik Erfahrung. Sein Vater floh vor rund 30 Jahren aus Pakistan nach Thüringen. Malik konnte dank Familiennachzug später nachkommen. Seitdem hat er in Erfurt als Gesicht der Ahmadiyya Thüringen einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt. Er muss obligatorische Hitlergrüße und Beschimpfungen ertragen. Der gebürtige Pakistaner wird aber auf dem Anger auch immer wieder von freundlichen Passanten gegrüßt: "Ja, es kommen auch viele, die ich nicht kenne, aber die mich auch durch diese ganze Debatte mittlerweile kennen. Das ist auch ein positives Gefühl. Das Gefühl dazuzugehören."

Das Gefühl haben nicht alle. Maliks Ehefrau, eine gebürtige Engländerin, ist seit einigen Wochen mit den drei Kindern in London. Sie trägt Kopftuch und fühlt sich in Deutschland gerade unsicher. Die Maliks haben zuletzt Droh-SMS bekommen, als das Thema Moschee-Bau in Erfurt akut wurde. Suleman Malik will dennoch weitermachen: "Das mache ich, weil ich von meiner Religion überzeugt bin. Dienst an der Menschheit wird in unserer Religion auch sehr groß geschrieben. Ich sage immer: Ich bin im Auftrag der Liebe unterwegs." Nicht alle sehen das so. Vor allem von der AfD bekommt Malik viel Gegenwind. Dieser richtet sich allerdings in erster Linie gegen den Islam selbst.

Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2016, 09:02 Uhr

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149 Kommentare

31.07.2016 09:07 Mediator an Simon60(146) 149

Ich denke Ihnen ist auch klar, dass wir nicht nur Schutz nach dem Art 16 GG bieten, sondern, dass Deutschland auch andere internationale Verpflichtungen eingegangen ist.

Von diesem Schutzgedanken geleitet dulden wir eben auch Menschen, denen kein originärer Schutz zustehen würde. Natürlich wäre es gut wenn all diese Menschen schnell arbeiten dürften, aber einige können dies sicher nicht. (z.B. Mutter mit Kleinkind).

Was Straftaten über einer gewissen Grenze angeht, so bin ich voll bei Ihnen. Auch ich möchte solche Menschen nicht in Freiheit unter uns sehen, was prinzipiell auch für deutsche Straftäter gilt.
Hier muss die Politik Lösungen finden, was seit Jahrzehnten nicht geschieht. Von daher ist unsere Regierung hier keine Ausnahme.

Ohne Gesetzesäderungen, die auch vor dem BVG standhalten gibt es schlicht und einfach keinie Rechtgrundlage für manche Dinge.

Wenn wir aber ehrlich sind, bewegt sich momentan recht viel im Bereich Asyl, was den hohen Zahlen geschuldet ist.

31.07.2016 09:02 Wolfgang 148

@Mediator - Als "Deutscher ohne Migrationshintergrund" habe ich NICHT die Pflicht mich festzulegen, ob Erdogan nun ein Prophet oder ein Despot ist oder ob ich ihn verdammen muss oder nicht. Mir reicht seine Aussage, die ein Ziel in die Öffentlichkeit posaunt und das ganz klar und deutlich. Da braucht man auch nicht das keinem mehr verständliche neudeutsche Wortverdrehungskarussell in Anspruch nehmen um für alles einen neuen unsinnigen Begriff zu finden. (Ein neuer Begriff ändert an der Tatsache nichts.)
Damit wird eindeutig klar, dass es keinesfalls gute Absichten sind. Die "Türken" werden immer als die gemäßigten und loyalsten Moslems bezeichnet, was schon sein kann. Doch was ist dann mit den ganzen anderen...? Braucht dann jede der vielen mosl. Ethnien eine Moschee, weil keiner mit dem anderen kann?

30.07.2016 23:23 Zwischen den Zeilen 147

Der Islam ist nicht nur eine Religion wie etwa die christliche. Er ist mehr!!!
Er ist zugleich eine Staatsordnung, die sich mit der freiheitlich- demokratischen Ordnung nicht kompatibel ist, wie es sich gegenwärtig in der Praxis beweist. Und er ist eine Rechtsordnung, die sich mit der Scharia realisiert und unvereinbar ist mit der abendländischen Kultur, Lebensweise und Gesetzlichkeit: Vielweiberei, Rechtlosigkeit der Frauen, Zwangsverheiratung von Kindern mit allen ehelichen Konsequenzen, Körperverstümmelung bei Kindern, ....
Weiterführung würde den Rahmen sprengen.
Ich will das nicht, und ich halte die Amtsenthebung von Richtern für erforderlich, die in etlichen Fällen das deutsche Grundgesetz und die deutsche Rechtsordnung bereits verletzt haben. Warum eigentlich haben die zahlreichen Vietnamesen, die als integrierte Bürger seit Jahrzehnten unter uns leben, arbeiten, ihr Geschäft betreiben, ihre Kinder zum Bildungserwerb anhalten ... nicht das Bedürfnis, buddhistische Tempel baue

30.07.2016 22:28 Simon60 an Mediator 146

Mediator@142:Sie mögen recht haben man kann nach unserem Asylrecht Menschen nicht einfach rausschmeißen. Allerdings haben nach unserem Asylrecht die meisten derer die ins Land gelassen wurden kein Recht auf Asyl (Art 16a Abs.2 GG). Mag Ihnen nicht gefallen ist aber so.
Wenn man aber Menschen aus irgend einem Grund hier dulden muss, haben diese keinesfalls Anspruch auf Sozialleistungen. Sie haben aus meiner Sicht Anspruch auf das Recht sich eine Arbeit zu suchen, mehr aber auch nicht. Damit ist Ihre Menschenwürde ausreichend gewahrt.
Und wer straffällig wird verliert das Recht sich in diesem Lande frei zu bewegen. Auf eigenen Wunsch kann er sich ggf. bis zu seiner Ausreise in einem festgelegte Ort aufhalten, von dem er dann, sobald es wünscht, zur Grenze seiner Wahl gebracht wird.
Letztich muss die Politik Sie die Interessen der hiesigen Wohnbevölkerung (auch Migranten gemeint) gegen die Interessen der Straftäter abwägen. Im Ergebnis zeigt die Politik was und wer Ihnen wichtiger ist.

30.07.2016 22:23 Diddy 145

>--- Suleman Malik will dennoch weitermachen: "Das mache ich, weil ich von meiner Religion überzeugt bin. Dienst an der Menschheit wird in unserer Religion auch sehr groß geschrieben. <--- Angenommen ich währe von meiner Religion (Christentum) überzeugt, würde ich mir nie und nimmer herausnehmen in Ländern, wo der Islamismus verbreitet ist, denen das Christentum zu erklären oder dort Kirchen bauen zu wollen. Wer dies tut, egal von welcher Religion aus, versucht damit anderen seinen Glauben aufzudrücken. Für mich währe dies falsch und verlogen.

30.07.2016 22:01 Mediator an Simon60 an Mediator (139) 144

In einem Punkt irren Sie meiner Meinung nach: Der Staat und die Regierung entscheidet sicherlich nicht was erlaubt bezw verboten ist. Dies ist Sache unserer Gesetez und Gerichte.

Natürlich darf die Regierung aber ihre Meinung in Bezug auf gewisse Vorfälle und Aussagen von Parteien, Organisationen äußern. Persönlich erwarte ich dies sogar.

Nicht alles was man sagen darf, weil es keine strafrechtlichen Normen berührt, muss man unwiedersprochen lassen und nicht alles muss man kommentieren. Wie so oft im Leben muss man sich entscheiden, wo man seine Stimme erhebt und wo man, weil es nicht notwendig ist, schweigt. Dies gilt für uns und die Regierung in gleicher Weise.

30.07.2016 21:49 Mediator an Wolfgang (138) 143

Man sollte sich einmal entscheiden, ob man Herrn Erdogan als Propheten ansehen will oder als Despoten verdammen will.

Weiterhin sollte man bedenken, welche Worte ein Politiker vor seinen Anhängern wählt und was für eine reale Politik letztendlich daraus resultiert.

Am Schluß noch der Rat Herrn Erdogan als das zu sehen, was er ist: Ein Vertreter der Türkei. von Deher ist seine Autorität für mehr als die Türken zu sprechen, doch ziemlich eng begrenzt.

30.07.2016 21:44 Mediator an Klarheit (137) 142

Sorry, aber in meinen Augen geht es darum, dass wir zu unseren Rechtsnormen stehen und die sehen nun einmal vor, dass Deutschland Verfolgten Asyl gewäht. Sicher lässt sich jetzt trefflich darüber streiten, wie man Verfolgung definiert und wo hier die Grenzen des machbaren für unser Land liegen, aber zu entscheidne haben nicht wir dies, sondern das liegt in der Verantwortung der gewählten Regierung.

Ihr Bild von den (ungebetenen) Gästen, die man nach Gutsherrenart rausschmeißen kann entspricht in meinen Augen nicht dem was unser Asylrecht vorsieht. Auch der Versuch über die Kriminalität einzelner das Asylrecht für alle Flüchtlinge einzuschränken trifft nicht wirklich die Absicht des Grundgesetzes.

30.07.2016 21:33 Sabrina 141

Zweifellos kann man gar keinen anderen Eindruck vom Islam gewinnen, als dass der Islam im Namen der Liebe unterwegs ist. Man muss sich nur anschauen, wie in den Ländern, in denen sich der Islam ausgebreitet hat, mit Nichtmuslimen und deren Kirchen verfahren wurde und verfahren wird. Bevor hier jemand auch in Deutschland den Islam durchsetzen will, möchte ich erstmal, dass die vor ihrer eigenen Haustür kehren. Solange das aber nicht geschieht, sind diese wohlklingenden Worte von Malik und anderen nicht die Luft wert, die damit durchsetzt wurde.

30.07.2016 20:58 Miriam 140

Selbst wenn eine Mehrheit gegen den Moscheebau sein sollte, eine Mehrheit hat nicht das Recht Minderheitenrechte außer Kraft zu setzen. Wenn man den Muslimen den Bau von Moscheen verbietet, ist es wie wenn man den Juden den Bau von Synagogen verbieten würde. Und wo landen wir dann? In Hitler's Zeiten. Ist es das was die AfD anstrebt, also eine verfassungsfeindliche Ideologie? Kein Bürger kann einem Verein verbieten, Gebäude zu bauen.

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