Kind beim Lernen an einer Förderschule
Das Konzept von Bildungsminister Tullner sieht vor, dass behinderte Kinder weiter separat unterrichtet werden. Bildrechte: dpa

SPD und Grüne dagegen CDU hält an Förderschulen in Sachsen-Anhalt fest

Was ist das Beste für Kinder mit körperlicher oder geistiger Behinderung? Förderschule oder Inklusion? Geht vielleicht auch beides? Darüber diskutiert die Landesregierung in Sachsen-Anhalt schon lange. Nun hat Bildungsminister Marco Tullner ein überarbeitetes Konzept für die Förderschulen vorgelegt.

von Anne-Marie Kriegel, MDR AKTUELL

Kind beim Lernen an einer Förderschule
Das Konzept von Bildungsminister Tullner sieht vor, dass behinderte Kinder weiter separat unterrichtet werden. Bildrechte: dpa

Das System von Förderschulen biete einen geschützten Raum für Kinder und Jugendliche, die es ohnehin schwerer haben als ihre Altersgenossen. Das sagen die Befürworter. Aus dem Lager der Gegner heißt es, die UN-Behindertenrechtskonvention sehe Schulen für alle vor, damit Kinder mit Förderbedarf Teil der Gesellschaft seien und nicht abgeschottet leben müssten. In der Landesregierung von Sachsen-Anhalt gibt es beide Positionen.

Tullner will keine Abschaffung der Förderschulen

Im  nun vorgelegten Konzept hält Bildungsminister Tullner an den Förderschulen fest. Eine Abschaffung werde es mit ihm nicht geben, sagt er: "Wir sagen jetzt, dass Förderschulen eine Zukunft in diesem Land haben. Das steht auch im Koalitionsvertrag drin. Deshalb bin ich bei der Formulierung des Konzeptes optimistisch gewesen. Das war ich zu recht, schließlich haben wir es ja auch beschlossen." Die Entäuschung, die da jetzt im Raume stehe, zeuge von einer ganz anderen politischen Vorstellung. "Aber dafür gibt es im Moment die Mehrheiten nicht", sagt Tullner. "Und ich werde auch alles dafür tun, dass es diese Mehrheiten auch zukünftig nicht geben wird."

SPD will verschiedene Ansätze vereinen

Die Enttäuschung, von der der Minister spricht, war hörbar. Koalitionspartner SPD und Grüne zeigten sich unzufrieden. Man sei in die Formulierung des Konzeptes nicht eingebunden gewesen. Das sei schade, heißt es. Trotzdem sehen die Koalitionspartner noch Chancen, sich einzubringen. Es werde noch intensive Diskussionen im Bildungsausschuss geben, so Angela Kolb-Janssen.

Die Bildungspolitikerin von der SPD sagt: "Meine Fraktion will von den aktuellen Ansätzen wegkommen. Auf der einen Seite haben wir die Förderschulen. Auf der anderen Seite haben wir den gemeinsamen Unterricht. Man muss beides gemeinsam denken." Man könne beides auch nur gemeinsam weiterentwickeln. Das sei gerade vor dem Hintergrund beschränkter Ressourcen wichtig. "Gerade bei den Ausschreibungen der Stellen für Förderschullehrkräfte ist es schwierig", sagt die SPD-Politikerin. "Da bekommen wir kaum qualifizierte Kolleginnen und Kollegen."

Auch Grüne geben sich nicht geschlagen

Kolb-Jannssens fachpolitischer Kollege von den Grünen, Wolfgang Aldag, sieht das ähnlich. Mit dem Konzept zeige der Minister, dass er nicht über den Tellerrand hinausgeschaut habe. Aldag hätte sich gewünscht, sowohl Förderschulen weiterzuentwickeln, als auch den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit Förderbedarf und Regelschülern anzustoßen.

Trotz des vorgelegten Konzepts sei aber noch nichts verloren, so Aldag: "Jetzt geht es vom Kabinett in den Landtag. Jetzt haben Fraktionen, Koalition und Opposition die Möglichkeit, an diesem Förderschulkonzept zu arbeiten. Wir wollen inhaltlich arbeiten und mit Anhörungen. Wir schauen mal, ob man da noch etwas verbessern kann."

Aldag: "Alle Kinder sollen an einer Schule lernen"

In einer idealen Welt würden alle Kinder an einer Schule lernen, so Aldag. Er stelle sich da immer ein großes Haus vor, in dem alle Kinder zusammen seien und je nach Bedarf gefördert werden könnten. Aktuell sei das unrealistisch. Das wisse er schon, sagt Aldag und winkt ab. Trotzdem wolle er dafür kämpfen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. April 2018 | 09:07 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. April 2018, 05:00 Uhr

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4 Kommentare

30.04.2018 17:02 Eulenspiegel 4

Also ich denke wir brauchen so wohl die Förderschulen als auch als auch die Inklusion damit es für jedes Kind das richtige Angebot gibt.

30.04.2018 09:51 Merkelmussweg 2.0 3

Wer ein Kind hat , das zu fördern ist , benötigt Qualität, der erwartet das bestimmt nicht in irgendwelchen Multikultmischmaschallehabensichlieb - Schulen, wo keiner so richtig etwas lernt.

Inklusion - ein Wort wird hier als moderner Begriff missbraucht .

Wahnwitz von Rotgrün, siehe Bremen u. Co.

Unser Schulqualität geht damit immer mehr den Bach herunter.

29.04.2018 13:41 REXt 2

Gute Entscheidung, anders kann man das nicht bewältigen.

29.04.2018 12:11 Leser 1

Eine gute Entscheidung, Herr Tullner. Wer ein Kind hat mit Förderbedarf, wird Ihre Befürwortung begrüßen. Sie wissen, wovon Sie reden.