Partei diskutiert Zu wenig Frauen in sächsischer CDU?

Mehr Frauen sollen in politische Ämter. Dafür hat Bundesjustizministerin Katarina Barley vorgeschlagen, das Wahlrecht zu ändern. Sie will auf den Kandidatenlisten von Parteien abwechselnd Männer und Frauen. Oder größere Wahlkreise mit zwei direkt gewählten Abgeordneten unterschiedlichen Geschlechts. Davon gebe es zu wenige. Ein Thema das auch in Sachsens CDU diskutiert wird. Nur sechs Frauen sind Direktkandidaten in 44 Wahlkreisen. Werden Frauen also benachteiligt?

von Constanze Hertel, MDR AKTUELL

Luise Frohberg ärgert sich. Sie ist Vorsitzende der Frauenunion Leipzig und ist überzeugt: Frauen sind in der CDU unterrepräsentiert. Von den sieben Wahlkreisen in der Messestadt ist in keinem der Direktkandidat eine Frau. Frohberg findet, dass Frauen zu selten die Möglichkeit bekämen, sich zu beweisen.

Man kann nur dann Kompetenzen zeigen, wenn man das Spielfeld hat, das Spielfeld, was auch mit Position und Ämtern verbunden ist. Das fehlt vielen Frauen.

Luise Frohberg, Frauen-Union

Kein neues Problem

Ein Viertel der CDU Mitglieder sind Frauen. Das gilt seit den 1990er-Jahren. Bewegt hat sich da wenig, wie eine Erhebung der Freien Universität Berlin zeigt. Wirklich aktiv werden von den Frauen dann noch weniger, sagt Hendrik Träger. Der Politikwissenschaftler an der Uni Leipzig erklärt, dass sich nur ein Viertel bis ein Drittel der weiblichen Mitglieder für eine Kommunal-, oder Landtagswahl aufstellen lassen würde. Diese geringe Zahl könne auch demobilisierend wirken.

Luise Frohberg sieht einen Grund darin, dass zur aktiven Parteiarbeit oft auch Termine in den Abendstunden und am Wochenende gehören. Das sei für viele Frauen schwierig. Besonders in einer Partei mit klassisch konservativem Familienbild wie der CDU stünde bei vielen Frauen im Alter zwischen 30 und 40 die familiäre Verantwortung im Vordergrund. Dies sei auch ein Grund dafür, dass sich Frauen häufig nicht so aktiv beteiligen würden.

Offiziell keine Benachteiligung

Eine Benachteiligung von Frauen gebe es in der CDU trotzdem nicht, meint Michael Weickert, der sich als Direktkandidat im Wahlkreis Leipzig-West gegen eine Frau durchsetzte.

Grundsätzlich gilt, dass jedes Mitglied, das sich für einen Posten bewirbt, die gleichen Chancen hat und dass dort niemandem von irgendwem Steine in den Weg gesetzt werden.

Michael Weickert, CDU Direktkandidat

Die Quote als Lösung?

Hinter vorgehaltener Hand wird CDU-intern aber durchaus diskutiert, dass die Männer der CDU Leipzig für Frauen keinen Platz machen wollen, dass auch sachsenweit das Thema des zu geringen Frauenanteils teilweise noch immer mit einem Augenrollen kommentiert wird. Luise Frohberg sagt das nicht direkt, meint aber trotzdem, Frauen hätten es schwerer in der Partei. Eine Quote könne ein Türöffner sein und alte Strukturen aufbrechen. Frohberg erklärt weiter, dass Frauen mittelfristig durch ihre inhaltilche Arbeit wahrgenommen werden sollen und nicht durch die Quote. Für den Anfang könne sie aber helfen.

Geplant ist die Frauenquote bisher nicht. Aber ein erstes Umdenken gebe es trotzdem, meint Luise Frohberg. Denn immerhin sollen künftig die Bundesfachausschüsse der CDU schon einmal Doppelspitzen mit je einem Mann und einer Frau bekommen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. November 2018 | 12:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. November 2018, 05:00 Uhr

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22 Kommentare

19.11.2018 08:30 007 22

Zu wenig Frauen in sächsischer CDU!?

Das verstehe ich nicht. Wenn unsere Regierung, auch die CDU, an diesen Gender Käse glaubt, ihn noch fördert, dann sollten sie erst mal diese über 60 angeblichen Geschlechter die es geben soll, auch in ihren eigenen Reihen, klar feststellen. Bis dahin ist die Forderung, "zu wenig Frauen in sächsischer CDU" zu tiefst diskriminierend den vielen vielen anderen Geschlechtern gegenüber. Es müsste also heißen, wenn sich die Politik selbst ernst nimmt; "zu wenig vielfältige Geschlechter in der CDU". Oder, die Politik macht diesem Aberwitz endlich mal ein Ende. Wenn die CDU eine kluge fortschrittliche Partei wäre, müsste die Frage meiner Meinung nach generell ganz anders stellen; "zu wenig fähige Köpfe in der Partei"!? Ist es nicht das was wirklich zählt? ...

18.11.2018 11:47 Jörg mann 21

Sicherlich sollen Frauen in der Politik die Richtung mitbestimmen, um eine gerechte Gesellschaft zu erschaffen. Aber was zur Zeit als Frau in Politik und den Medien aktiv ist sind bei weiten nicht die, die eine Gesellschaft prägen sollen . Diese Frauen sind in Ihrer großen Mehrheit maskulin und dominant. Sie stehen nicht für weibliche Eigenschaften. oder ist es in den Anstalten der ARD anders wie in der Politik?

18.11.2018 06:52 Ludwig 20

Zu wenig Frauen in der CDU? Als wäre das unser größtes Problem. Eher sind die falschen Frauen in der CDU. Ganz besonders die eine.

18.11.2018 01:44 Warzenwalli 19

Frage an Frau Barley: wird dieser 50%-50%-Unsinn auch in der Führung der katholischen Kirche sowie allen Moscheevorständen in Deutschland durchgesetzt? Wenn es in der Politik 50%-50% sein muß, dann bitte in der Religion auch!!! Und bitte auch sicherstellen, daß alle Kindergartenerzieher und Sekretärinnen 50:50 sind!

18.11.2018 00:52 Warzenwalli 18

Super Idee! Ich schlage vor, daß wir Frauen in politische Ämter zwingen. So könnte doch Barley ihren politisch korrekten Feldzug schneller und effizienter gewinnen, oder :)? Und wenn wir Frauen in politische Ämter gezwungen haben, dann zwichen wir sie auch die die Unternehmensleitungen etc. etc. bis wir wirklich 50% - 50% erreicht haben... Super Plan, Frau Barley... Super Plan...

17.11.2018 21:15 konstanze 17

Wer behauptet denn sowas ? Schon mal was von Gender gehört ? Woher wollen Sie denn wissen, ob die Männer in Anzügen Männer sind ? Und wer besagt, dass die gewünschten Frauen auch Frauen sind ?

17.11.2018 18:06 Nelly 16

1. Priorität für die Besetzung bzw. die Kandidatur für ein Amt sollte die fachliche Eignung sein. Diese Priorität ist absolut geschlechtsneutral. Wer hier Quoten einführen möchte, untergräbt die Demokratie.
Liegt es bei der Lösung des Problemes nicht näher über die Ursachen der Schieflage nachzudenken. Ich denke da z. Bsp. an die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Da liegt im Lande einiges im Argen. In anderen europäischen Ländern ist man da wesentlich weiter. Unsere Etablierten kurieren wieder nur Wirkungen. Leider wird das nicht funktionieren. Sie müssen an die Ursachen gehen. Alles andere lässt die Gesellschaft weiter auseinander driften.

17.11.2018 16:39 Sabine Sonntag 15

Quotierung? Das ist reaktionär. Das ist 20. Jahrhundert. Heute, in der Gender-Welt, gibt es keine Männer und Frauen mehr. Jeder Mann hat was weibliches, jede Frau hat was männliches, manche sind irgendwo dazwischen.

17.11.2018 16:25 Fragender Rentner 14

Wenn da zu wenige Frauen drin sind, kann das sein, dass sie gerade sich um die Kinder gekümmern?

In der Kita.

17.11.2018 16:23 Roberto 13

@ 6: Ein Statement für Gender Mainstreaming hätte ich von Ihnen wahrlich nicht erwartet. So kann man sich irren.