Frank Richter, Theologe
Frank Richter Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kandidatur um Oberbürgermeisteramt Frank Richter verlässt Stiftung Frauenkirche

Es wird ein kurzes Intermezzo – ein reichliches Jahr hat Frank Richter in der Stiftung Frauenkirche die Bildungsarbeit gemanagt. Nun will der ehemalige Direktor der Sächsischen Landeszentrale für Politische Bildung selber Politik machen und Oberbürgermeister in Meißen werden. Dass er die Stiftung dafür ganz verlassen muss, war Richters Entscheidung.

von Ine Dippmann, MDR AKTUELL

Frank Richter, Theologe
Frank Richter Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In der Dresdner Frauenkirche wird diskutiert, was den Menschen auf den Nägeln brennt, sagt Pfarrer Sebastian Feydt. Erst vor wenigen Tagen ist Matthias Platzeck zu Gast gewesen. Der ehemalige Ministerpräsident von Brandenburg sprach über Deutschlands Verhältnis zu Russland. Rund 2.100 Menschen haben im vergangenen Jahr Bildungsveranstaltungen der Stiftung Frauenkirche besucht. Schon in den ersten vier Monaten dieses Jahres seien es ebenso viele gewesen.

Dass die Frauenkirche ein Ort der politischen Diskussion und auch des diskursiven Dialogs sei, erklärt Pfarrer Feydt, verbinde sich mit dem Wiederaufbau und der Satzung der Stiftung Frauenkirche. "Die Kirche hat einen Bildungsauftrag – dem kommen wir mit der breit aufgestellten und von mehreren Personen getragenen Bildungsarbeit nach."

Richters kurzes Intermezzo in der Stiftung Frauenkirche

Im vergangenen Jahr wurde dafür eine Stelle in der Geschäftsführung der Stiftung  geschaffen – Frank Richter übernahm sie. Als ihn nun das Bürgerbündnis "Meißen kann mehr" gebeten habe, zur Oberbürgermeisterwahl im September anzutreten, sei ihm klar gewesen, dass sich die Kandidatur nicht mit der Arbeit in der Stiftung vertrage. Er habe deshalb unter anderem angeboten, sich für die Zeit seiner Kandidatur unbezahlt freistellen zu lassen.

Doch der Stiftungsrat, der über Personalfragen bestimmt, entschied sich dafür Frank Richters Fünf-Jahres-Vertrag vorzeitig zu beenden. Verliert Richter die Wahl, kann er also nicht auf seinen Geschäftsführerposten zurückkehren. Richter bedauert das. Das, was derzeit als Defizit wahrgenommen werde - der ist jetzt gerade nicht da, der arbeitet nicht für die Stiftung - könne man bei anderer Betrachtung auch als Gewinn sehen, auf den man sogar hätte hinweisen können: "Schön, dass einer von uns sich für die Demokratie so stark engagiert."

Spielt Richters CDU-Austritt eine Rolle?

Doch sein Engagement macht Richter auch zu einem unbequemen Zeitgenossen. Im Juli vergangenen Jahres trat er aus der CDU aus. Ein Grund sei die fehlende Streitkultur in der Partei gewesen, erklärte er damals – wenige Wochen vor der Bundestagswahl. Dem sechsköpfigen Rat der Stiftung Frauenkirche gehören mehrere CDU-Politiker an, unter anderem Landtagspräsident Matthias Rößler und Dresdens Bildungsbürgermeister Hartmut Vorjohann. Ist der Aufhebungsvertrag nun die Retourkutsche der CDU?

Ich kann mir vorstellen, dass mein Ausscheiden aus der CDU nicht bei allen Mitgliedern der Stiftung auf helle Begeisterung gestoßen ist.

Frank Richter

Die Demokratie stehe aber über allen Parteiinteressen und das unterstelle Richter auch bei den Mitgliedern des Stiftungsrates.

Stiftung Frauenkirche will sich nicht äußern

Der Stiftungsrat will seine Entscheidung nicht kommentieren. Personalfragen behandle man vertraulich. Vier Interviewanfragen von MDR AKTUELL werden abgelehnt. In der Pressemitteilung sei alles gesagt. Darin hieß es, man habe sich „einvernehmlich“ geeinigt, danke Frank Richter „dafür, dass er wertvolle Impulse gesetzt“ habe und wünsche ihm „für sein Vorhaben alles erdenklich Gute“.

Bis Ende Juli ist Richter noch offiziell im Amt, wird aber im Juni schon freigestellt. „Das ist eine recht großzügige Regelung“, ist Richter dankbar. Ob und wann sein Geschäftsführerposten wieder besetzt werden soll, werde in der Stiftung Frauenkirche aber noch nicht diskutiert.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. April 2018 | 08:22 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. April 2018, 13:41 Uhr