Ein Wähler wirft bei seiner Stimmabgabe zur Landtagswahl in Sachsen den Wahlzettel in einem Wahllokal in eine Wahlurne.
Nach der Landtagswahl ist Sachsen jetzt auf dem Weg in Richtung Kenia-Koalition. Bildrechte: Robert Michael/dpa

Sachsen Freie Wähler und Blaue Partei - Hoch gepokert, nichts gewonnen

Die Wahl in Sachsen ist knapp eine Woche her, der Blick richtet sich nun auf die Regierungsbildung. Neben der FDP, die an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte, gibt es weitere Parteien, die darauf gesetzt hatten, dass sie in den Landtag einziehen werden.

von Ine Dippmann, MDR AKTUELL

Ein Wähler wirft bei seiner Stimmabgabe zur Landtagswahl in Sachsen den Wahlzettel in einem Wahllokal in eine Wahlurne.
Nach der Landtagswahl ist Sachsen jetzt auf dem Weg in Richtung Kenia-Koalition. Bildrechte: Robert Michael/dpa

"23 Prozent der Wähler können sich vorstellen, die Freien Wähler bei der nächsten Landtagswahl in Sachsen zu wählen." Der Satz zieht noch immer als Laufband über die Internetseite der Freien Wähler. Motivation, sagt Steffen Große, gehöre eben zum Wahlkampf, so wie seinerzeit die 18 die Guido Westerwelle auf der Schuhsohle trug, um das Ziel für die FDP klar zu machen.

Nicht 23 Prozent, sondern 3,4 Prozent der Wählerstimmen

Steffen Große, Vorsitzender Freie Wähler Sachsen.
Steffen Große (Freie Wähler) Bildrechte: dpa

Die Menschen in Sachsen hätten bei dieser Landtagswahl schon Alternativen zu den bekannten Parteien gesucht, sagt Steffen Große, der Vorsitzende des sächsischen Vereins Freier Wähler: "Am Ende ist das Rennen aber anders ausgegangen. Man hat sich vermutlich auch stärker den bekannten Parteien zugewandt. Da kann man analysieren, womit hängt das zusammen. Da sind wir noch nicht am Ende der Überlegungen."

Denn nicht 23 Prozent, sondern 3,4 Prozent der Wähler gaben den Freien Wählern am 1. September ihre Stimme. Dass die Freien Wähler nicht nur Kommunalpolitik machen, sondern auch in den Landtag wollen, sei wohl vielen noch nicht bekannt, vermutet Große: "Wir werden auf jeden Fall ein drittes Mal antreten. Wir machen weiter. Wir haben ein sehr gutes Zwischenergebnis eingefahren, so sehen wir es. Dass wir auf dem Weg in den Landtag mit 73.000 Zweitstimmen und 100.000 Erststimmen doch ein beachtliches Ergebnis eingefahren haben, das drittbeste deutschlandweit für die Freien Wähler nach Bayern und Brandenburg."

In Bayern waren die Freien Wähler auf über elf Prozent gekommen, in Brandenburg schafften sie am vergangenen Sonntag fünf Prozent.

Ironie des Schicksals für Ex-Grüne Hermenau

Mit wem es in Sachsen künftig weitergehen soll, sei derzeit nicht abzusehen. 90 Prozent der Kandidaten hätten signalisiert, auch künftig wieder für die Freien Wähler antreten zu wollen, so Große. Aber nicht alle: "Antje Hermenau wird in der Umlaufbahn der Freien Wähler verbleiben, wird aber zum Jahresende ihre Landesgeschäftsführertätigkeit zum Ende des Jahres planmäßig beenden. Sie wird uns aber gewogen bleiben, als Freund der Freien Wähler." Ironie des Schicksals: Nach der Landtagswahl vor fünf Jahren hatte Antje Hermenau die Grünen verlassen, unter anderem, weil die nicht mit der CDU koalieren wollten.

Blaue Partei: "ganzes Stück weit enttäuscht"

Uwe Wurlitzer (Die blaue Partei)
Uwe Wurlitzer (Blaue Partei) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Wahlkampf hoch gepokert hat auch das Team Petry. Frauke Petry, einst Vorzeigefrau der AfD, hatte 2017 der Partei den Rücken gekehrt, um mit ihrer Blauen Partei die Blaue Wende herbeizuführen. Nach eigenen Angaben "konservativ und anständig". Mitte April ließ Generalsekretär Uwe Wurlitzer verlauten, man strebe bei der Landtagswahl in Sachsen zwischen sechs und acht Prozent an. Das sei offensichtlich zu hoch gegriffen gewesen, sagt Wurlitzer nun: "Wir haben mit einem derartig schlechten Ergebnis nicht gerechnet und sind auch ein ganzes Stück weit enttäuscht."

Denn nur 0,4 Prozent der Wähler gaben der Blauen Partei letztlich ihre Stimme. Aus der AfD ausgetreten zu sein, sei trotzdem der richtige Schritt gewesen, sagt Wurlitzer, der einstige Generalsekretär des Landesverbandes Sachsen: "Weil sehr viele laute Stimmen da sind, die sich auf eine Sache konzentrieren: Ausländer, Ausländer und Ausländer. Ich glaube, wir haben hier in Sachsen eine ganze Menge mehr Probleme als zu viele Ausländer. Es gibt eine ganze Menge Dinge, die man im Landtag bespielen müsste. Davon kommt mir leider Gottes viel zu wenig in dem Programm vor. Das ist nichts, weshalb ich 2013/2014 politisch gestartet bin."

Wurlitzer jetzt ohne politisches Mandat

Wurlitzers Karriere als Berufspolitiker ist vorerst beendet. Am Freitag hat Wurlitzer sein Landtagsbüro ausgeräumt. Weil die Partei klein ist, fährt der Generalsekretär selbst durchs Land, um die Wahlplakate abzunehmen. In der kommenden Woche will der Landesvorstand der Blauen Partei zusammenkommen, die Wahl analysieren. An der Sitzung soll auch Frauke Petry teilnehmen, die sich im August bei einem Unfall schwer an einer Hand verletzt hatte und deshalb zuletzt nicht mehr öffentlich aufgetreten war.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. September 2019 | 06:08 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. September 2019, 05:00 Uhr

19 Kommentare

Ekkehard Kohfeld vor 10 Wochen

"Ja so ists in der sozialen Marktwirtschaft.Die Starken stüzen die Schwachen."

Völlig daneben lieber Ostfriese,die vielen Schwachen ziehen die sehr wenigen Guten runter siehe EU.
Und durch die Globalisierung macht die Armen noch ärmer,kann man oft genug in Berichten sehne
,einfach mal die Augen auf machen und die dunkel rosa Scheuklappen abnehmen oder sind die angewachsen?

Omsewitzerin vor 10 Wochen

Ich habe schon mehrere Beiträge von Ihnen gelesen. Mein Eindruck der sich beim Lesen für mich ergibt. Jung, unerfahren, keine oder wenig Ahnung von Leben. Warum schreien Sie so beim Schreiben. Klingt Alles bissl verwirrend und nicht durchdacht, das nur Mal am Rande bemerkt. Der Nickname naja .... Sie können denken was Sie für richtig halten. Es gibt war mir ein Bedürfnis Ihnen das zu schreiben. Und bitte etwas leiser...zum Thema....dass die Freien Wähler sich nicht durchsetzen konnten, ist bedauerlich...Die blauen verwundert mich nicht...

Rychlik vor 10 Wochen

zu 90% in den Ausbau der Infrastruktur Ostdeutschlands - da aus Osten nur geringe Mittel kamen wäre gester Satz z.B. 99 EURpro Kopf gerechter noch besser wäre der Osten zahlt Soli für Osten und der Westen für den Westen dann wären auch in Bayern und NRW die Straßen ok