Radfahrer auf einem extra Radweg neben der Straße in Berlin
Freie Fahrt für Radfahrer Bildrechte: imago images / photothek

Fahrradstraßen in Leipzig Radbeauftragter fordert geschlossenes Radwegenetz

Leipzig hat fünf neue Fahrradstraßen - also Straßen, auf denen Radler nun Vorrang haben: Sie geben das Tempo vor, dürfen auch nebeneinander fahren. Den Interessensvertretern der Radfahrer ist das noch nicht genug.

von André Seifert, MDR AKTUELL

Radfahrer auf einem extra Radweg neben der Straße in Berlin
Freie Fahrt für Radfahrer Bildrechte: imago images / photothek

Die Beethovenstraße im Leipziger Musikerviertel gehört auch zu den neuen Fahrradstraßen. Ein Schild zeigt es an. Auch vier weitere Straßen gleich in der Nachbarschaft sind seit wenigen Tagen Fahrradstraßen. Sie verbinden die S-Bahn-Station am Leuschner-Platz mit dem Clara-Zetkin-Park.

Dennoch sind Autos auf den Fahrradstraßen unterwegs. Denn auch Anlieger und alle, die hier parken wollen, dürfen auf die neuen Fahrradstraßen. Das erlauben die neu aufgestellten Verkehrsschilder. Hat sich also eigentlich gar nichts verändert? Robert Strehler vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub begrüßt zwar die Einrichtung der Fahrradstraßen, kritisiert aber, dass ein oder zwei davon sowieso "absolut verkehrsberuhigter Bereich" seien:

Da konnte man vorher auch vorher auf der Straße grillen. Daraus jetzt medienwirksam einen Fahrradbereich zu machen, ist ein gutes Signal, aber jetzt keine grundlegende Veränderung in der Stadt. Es ist nicht so, dass die jetzt das Musikerviertel für die Fahrradfahrer öffnen, das war eh schon offen.

Robert Strehler

Fahrradfreundliches Leipzig

Ein Schild, auf dem Fahrradstraße steht.
So sehen die Schilder für Fahrradstraßen aus. Bildrechte: MDR/Patrick Eicke

Immerhin gehört Leipzig laut einer kürzlich veröffentlichten Umfrage des ADFC zu den drei fahrradfreundlichsten Großstädten Deutschlands. Und das, obwohl die Zahl der Unfälle mit Fahrradfahrern im vergangenen Jahr gestiegen ist und sechs Radfahrer sogar ihr Leben verloren. Es gibt noch sehr viel zu tun, weiß Christoph Waack, der Radbeauftragte der Stadtverwaltung. So fehle Leipzig beispielsweise ein Konzept, wo und wie viele Fahrradstraßen es in Zukunft geben soll. 
 
Dies müsse weiter forciert werden und ein geschlossenen Radwegenetz entstehen, in dem der Radverkehr sicherer abgewickelt werden könne. Nur sei dies eine Frage der Finanzierung und der bereitsgestellten finanziellen Mittel sowie der planerischen Kapazitäten in der Stadt Leipzig, um diese ganzen Maßnahmen realisieren zu können.

Es ist tatsächlich so, dass hier noch Nachholbedarf ist, um den vielen Belangen des Radverkehrs in Leipzig Rechnung zu tragen.

Christoph Waack

Es ist noch Luft nach oben, fasst Christoph Waack die Bemühungen der Stadt für mehr Fahrradfreundlichkeit zusammen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Juni 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Juni 2019, 05:00 Uhr

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6 Kommentare

24.06.2019 12:57 Wo ist das Lobbyregister? 6

@24.06.2019 12:08 Brennabor

(Nur ein Beispiel: Amsterdam hat 20 000 Fahrradstellplätze am Hbf. ( CS ).
Berlin hat keinen einzigen Fahrradstellplatz am Hbf.)

Und WENN "Abstellanlagen", dann was für welche...
Offen, unbewacht, i. d. R. ohne jede soziale Kontrolle und mit vorsintflutlichen sog. "Fahrradständern" für des Altgenossen MifA-Schleuder aus "Wasserrohren".
Von der DB und ihrem rollenden Material in dieser Frage erst gar nicht zu reden.

Dann: Fahrverbote in der Innenstadt (Halle...), auch dort fehlende Abstellanlagen - aber Parkhäuser in City-Lage (Halle...). Keine Anschliessmöglichkeiten (nicht einmal an der Touristinfo...), kene abgesenkten Bordsteine, kein gar nichts. Die Liste ist endlos und nur lächerlich, wenn man sie in Beziehung zum politischen Geschwätz setzt.

24.06.2019 12:08 Brennabor 5

Nur ein Beispiel:
Amsterdam hat 20 000 Fahrradstellplätze am Hbf. ( CS ).
Berlin hat keinen einzigen Fahrradstellplatz am Hbf.
Armselig.

24.06.2019 09:51 Wo ist das Lobbyregister? 4

@24.06.2019 08:04 linker Durchblicker

(Insgesamt eine gute Entwicklung, eine der Säulen des gegenwärtigen und zukünftigen Individualverkehrs ist zweifellos das Fahrrad. Dem PKW hingegen sollten Räume genommen werden, wo immer das sinnvoll möglich ist.)

So ist es. Das setzt allerdings voraus, dass andere Herrschende Verhältnisse der Fall sind. Wir konnten gerade auf lobbycontrol de wieder ein Musterbeispiel an, sagen wir: Lobbypolitik (um das K-Wort zu umgehen) nachlesen. Radfahrer müssen sich wesentlich breiter organisieren und ihre berechtigten Forderungen lauter artikulieren. Es ist geradezu absurd, welche Flächennutzungsverhältnisse in den Gross- und Mittelstädten in dieser Hinsicht gegeben sind. Von Umweltimmissionen und -emmissonen ganz abgesehen.

24.06.2019 09:46 Wo ist das Lobbyregister? 3

@24.06.2019 06:27 Ramona G

(Das ist j alles ganz schön, hilft aber wenn, nur den Leipzigern. Wer wie ich von 40 Kilometer auswärts werktags mit dem Auto nach L einpendeln muss, hat davon nichts. Ich brauche einen PKW Parkplatz.)

Das soll ein Witz sein? Fahren sie mit der Bahn und/oder steigen sie am Stadtrand auf das Rad oder den ÖPNV.
Wir brauchen "ihren Parkplatz" nämlich auch - und zwar für weitaus Sinnvolleres, als die Abstellmöglichkeit für ihr Auto. Der Flächenbedarf des KFZ-Verkehrs ist geradezu pervers, wenn man Kosten-Nutzen-Relationen aufstellt und das erst recht, wenn man die Gesamtkosten dieses "Verkehrsssystems" einbezieht.
Das ist alles längst geklärt, nur noch nicht für jeden.

24.06.2019 08:04 linker Durchblicker 2

Insgesamt eine gute Entwicklung, eine der Säulen des gegenwärtigen und zukünftigen Individualverkehrs ist zweifellos das Fahrrad. Dem PKW hingegen sollten Räume genommen werden, wo immer das sinnvoll möglich ist. Das verbessert die Luft, trägt zum Umweltschutz ganz allgemein bei und erhöht die Sicherheit der weniger "gepanzerten" Verkehrsteilnehmer.

24.06.2019 06:27 Ramona G 1

Das ist j alles ganz schön, hilft aber wenn, nur den Leipzigern. Wer wie ich von 40 Kilometer auswärts werktags mit dem Auto nach L einpendeln muss, hat davon nichts. Ich brauche einen PKW Parkplatz. Leipzigs Strassen sind ein Albtraum. Teilweise finden sich noch Schlaglöcher aus DDR Zeiten. Hätte man nicht 1 Milliarde Euro in den Citytunnel gepumpt, sondern das Geld in Strassen, Geh- und Radwege gesteckt, wäre Leipzig wohl die modernste Stadt. So aber ist es wie immer: Man will Großstadt sein, hat aber das Verkehrskonzept einer Kleinstadt. Die täglichen Staus beweisen es. Unökonomische Ampelschaltungen, haarsträubende Strassenführungen und Gefahrenstellen ohne Ende.