Hier sieht man den Turm der Grenzposten der DDR.
Der Turm der Grenzposten der DDR, aufgenommen vom Turm der US-Amerikaner. Bildrechte: MDR/Lily Meyer

Gedenkstätte an der ehemaligen innerdeutschen Grenze Neuer Konflikt um Point Alpha

Der Point Alpha in Thüringen ist eine Gedenkstätte, die auf der ehemaligen innerdeutschen Grenze zwischen Geisa in Thüringen und Rasdorf in Hessen steht. Auf 400 Metern kann man hier Geschichte erleben – zwischen Stacheldraht und auf mittlerweile geräumten Minenfeldern entlang laufen. Knapp 30 Jahre nach Ende des Kalten Krieges gibt es einen neuen Konflikt um Point Alpha.

von Lily Meyer, MDR AKTUELL Landeskorrespondentin für Thüringen

Hier sieht man den Turm der Grenzposten der DDR.
Der Turm der Grenzposten der DDR, aufgenommen vom Turm der US-Amerikaner. Bildrechte: MDR/Lily Meyer

Direkte Nähe zwischen DDR- und US-Beobachtungspunkt

Es ist ein heißer Juli-Nachmittag. Die Sonne brennt. Das Gras auf dem ehemaligen Grenzstreifen ist ganz vertrocknet.

Arndt Macheledt, Volontär bei der Point-Alpha-Stiftung, zeigt Richtung Osten auf einen hohen weißen Turm: "Das ist der DDR-Beobachtungspunkt, also DDR-Grenzpolizei. Wenn man nach links schaut, das ist der Beobachtungsturm der US-Amerikaner. Und hier sieht man halt sehr anschaulich, wie nah sich die beiden Blöcke im Kalten Krieg gegenüber standen. Weil man kann sich hier gegenseitig sozusagen auf den Tisch schauen."

Stiftungsdirektorin legt Amt nieder

Heute ist hier oben Ruhe eingekehrt. Besucher, darunter auch viele Amerikaner, kommen zahlreich. Von den Streitereien zwischen den verschiedenen Gremien der Stiftung bekommen sie nichts mit – das Tagesgeschäft läuft weiter, trotz mehrerer Rücktritte. Zuerst gab die Direktorin der Stiftung, Ricarda Steinbach, ihren Posten ab. Kommissarisch haben zwei Vorstandsmitglieder das Amt übernommen, darunter Eberhard Fennel, pensionierter Bürgermeister der hessischen Stadt Hünfeld.

Gedenkstätte Point Alpha, Haus auf der Grenze
Gedenkstätte Point Alpha, Haus auf der Grenze Bildrechte: MDR/Lily Meyer

Warum Steinbach zurückgetreten ist, wird nicht öffentlich gemacht. Sie bleibe der Stiftung aber in anderer Position erhalten, erklärt Fennel: "Es gab ja einen Vergleich, eine Verabredung mit ihr. Sie ist noch für die Stiftung tätig, unmittelbar für den Stiftungsratsvorsitzenden, und da muss dann wohl noch geklärt werden, welche Aufgaben sie in Zukunft wahrnehmen wird, aber sie wird nicht mehr hier in der Geschäftsstelle sein."

Auch Vorsitzende des Programmbeirats gibt Posten ab

Die Vorsitzende des Programmbeirats, Ellen Ueberschär, nutzte den Rücktritt der Direktorin, um ihr Amt ebenfalls niederzulegen. Auch hier: keine weitere Erklärung. Konkreter wurden da fünf Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats. Auch sie haben ihr Ehrenamt quittiert, damit ist die Hälfte des gesamten Beirats zurückgetreten.

Dessen ehemaliger Vorsitzender Joachim-Felix Leonhard nennt verschiedene Gründe für den Rücktritt. Zum einen bemängelt er, dass der neue Vorsitzende des Stiftungsrats, der seit Ende 2016 im Amt ist, sich zu sehr in die Belange des wissenschaftlichen Beirats eingemischt hätte – er und seine Kollegen hätten sich nicht mehr gebraucht gefühlt. Der Historiker kritisiert außerdem die hohe Anzahl von CDU-Mitgliedern im Stiftungsrat.

Also entschuldigen Sie bitte, wenn von dreizehn Mitgliedern des Stiftungsrates, elf der CDU angehören – ich würde das gleiche übrigens bei jeder anderen Partei auch sagen – ist von einer pluralen Situation nicht mehr die Rede.

Joachim-Felix Leonhard ehemaliger Vorsitzender des Programmbeirats

Kritik: Zu viele CDU-Mitglieder im Stiftungsrat

Diesen Vorwurf weist Vorstandsmitglied Fennel, selbst CDU-Mitglied, entschieden zurück. "Was der Professor Leonhard sagt, ist völlig daneben. Ich hab mir nochmal die Protokolle angeschaut. In den Stiftungsratssitzungen hat es nie politische oder parteipolitische Diskussionen gegeben. Es ging um die Sache, immer." Thüringens Staatssekretärin für Kultur, Babette Winter von der SPD, hat mittlerweile dafür gesorgt, dass der Stiftungsrat von der Stiftungsaufsicht überprüft wird. Denn auch sie findet, es sind zu viele CDU-Mitglieder in dem Gremium vertreten.

Thüringens Landtagspräsident Christian Carius ist der stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsrats und selbst CDU-Mitglied. Er bedauert gegenüber MDR Aktuell, dass Winter bis heute nicht das Gespräch mit ihm gesucht hätte. Die Prüfung sieht er allerdings gelassen. Er glaubt nicht, dass der Stiftungsrat sich etwas zuschulden kommen lassen hat. Dass die Personalsituation der Point Alpha Stiftung gerade für Wirbel sorgt, führt er unter anderem auf das Sommerloch und den Landtagswahlkampf in Hessen zurück.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. Juli 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Juli 2018, 07:17 Uhr

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5 Kommentare

27.07.2018 23:30 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 5

Zitat Joachim-Felix Leonhard "Also entschuldigen Sie bitte, wenn von dreizehn Mitgliedern des Stiftungsrates, elf der CDU angehören – ich würde das gleiche übrigens bei jeder anderen Partei auch sagen – ist von einer pluralen Situation nicht mehr die Rede."

Diese Aussage ist wohl unstrittig.
Wenn es denn nun "nur" 'eine Personaldebatte' sei, die schlußendlich auch zu den Rücktritten geführt hat, liegt es nahe, daß das auslösende Moment dieser 'nicht angesprochenen Debatte' eben in der nicht vorhandenen pluralen Situation zu suchen ist.

27.07.2018 18:22 colditzer 4

Kritik: Zu viele CDU-Mitglieder im Stiftungsrat

Diesen Vorwurf weist Vorstandsmitglied Fennel, selbst CDU-Mitglied, entschieden zurück. "Was der Professor Leonhard sagt, ist völlig daneben. Ich hab mir nochmal die Protokolle angeschaut. In den Stiftungsratssitzungen hat es nie politische oder parteipolitische Diskussionen gegeben. Es ging um die Sache, immer."

An welcher Stelle weist der Herr Fennel den eigentlichen Vorwurf zurück?
Diese Art der Zurückweisung ist prägend für Politiker, man erzählt irgend was, kommt aber nicht zur Sache.
Also sind doch 11 CDU-Mitglieder im Stiftungsrat.
Warum eigentlich?

27.07.2018 12:14 Atze 3

Ja, die Parteienpolitik....man lernt nichts draus.

Auf jeden Fall ist der Point Alpha ein nicht nur üb erregionaler, sondern deutschlandweiter, wenn nicht unbedingt europäischer Gedenkpunkt. Wer wie ich dort alles gesehen hat, kann nur zu dem Schluss kommen. Ich hab mich sogar in den winzigen Bunker gezwängt...um dem komischen Gefühl von damals
nachzuspüren. Das sollte sich Jeder mal zu Gemüte führen. Gruslig mit der geballten " Ladung" auf der anderen Seite. Flugzeuge usw. MfG

27.07.2018 11:22 lummox 2

verkauft alles in gottes eigenes land an die mexikanische grenze, die haben dafür jetzt eine aktuelle verwendung

27.07.2018 10:29 Fragender Rentner 1

Na mei, das ist doch keine erlebte Geschichte mehr, wenn die M.-Felder geräumt sind.

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