Justizvollzugsanstalt Roter Ochse,  Halle
Die steigende Zahl ausländischer Insassen macht die Kommunikation in der JVA Halle zunehmend schwieriger. Bildrechte: IMAGO

Sprachbarriere Kommunikationsprobleme in Gefängnissen durch ausländische Häftlinge

Die Zahl der ausländischen Strafgefangenen in deutschen Gefängnissen steigt. In den großen Städten wie Hamburg oder Berlin soll mittlerweile jeder zweite Häftling aus dem Ausland kommen. Auch in mitteldeutschen Gefängnissen führt das zu neuen Herausforderungen.

von Jessica Brautzsch, MDR AKTUELL

Justizvollzugsanstalt Roter Ochse,  Halle
Die steigende Zahl ausländischer Insassen macht die Kommunikation in der JVA Halle zunehmend schwieriger. Bildrechte: IMAGO

Aus der hohen, roten Backsteinwand mit den kleinen, vergitterten Fenstern sind Stimmen zu hören. Zwei Gefangene der Justizvollzugsanstalt Halle unterhalten sich über ihre geöffneten Fenster in einer fremden Sprache miteinander. Ausländische Häftlinge seien in der JVA Halle in der Unterzahl, erzählt die stellvertretende Leiterin Steffi Kretzschmar. Der Ausländeranteil liege hier wie im Vorjahr unverändert bei etwa 15 Prozent.

Damit entspricht der Prozentsatz in Halle fast dem Wert des Landes Sachsen-Anhalt: Insgesamt 14,3 Prozent aller Insassen – in Zahlen 230 Personen – kommen hier laut Justizministerium aus dem Ausland. 2016 waren 197 Inhaftierte in Sachsen-Anhalt Ausländer.

In Sachsen gab es 2016 insgesamt 811 inhaftierte Ausländer, derzeit sind es 981.*

Sprachbarriere erhöht Frustration

Solch wachsende Zahlen können durchaus eine Herausforderung für ein Gefängnis sein – wenn die Gefangenen kein Deutsch beherrschen. Sprachprobleme könnten im alltäglichen Umgang ein gewisses Frustrationspotential mit sich bringen, sagt Steffi Kretzschmar.

Nehmen wir mal an, der Besuch kommt nicht. [...] Da kann der deutsche Gefangene den Stationsbediensteten fragen und bekommt schnell eine Antwort. Der ausländische Gefangene kann das nicht.

Steffi Kretzschmar, stellvertretende Leiterin der JVA Halle

Dadurch steige die Frustration der ausländischen Insassen und das Verständnis für die Gefängnismitarbeiter sinke. Probleme, die es beim Eintreffen in die JVA anfangs nicht gibt. Denn da ist noch ein Dolmetscher dabei: Beim Aufnahmegespräch, der medizinischen Untersuchung und dem Diagnosegespräch über die Ursachen für die kriminelle Laufbahn.

Auch Mitarbeiter haben mehr Probleme

Denn zu den Aufgaben einer Justizvollzugsanstalt gehört auch die Resozialisierung der Gefangenen. Diese Aufgabe werde bei Insassen mit Sprachschwierigkeiten schwieriger, sagt Steffi Kretzschmar. Diese hätten bei der Suchtberatung oder dem sozialen Kompetenztraining eine natürliche sprachliche Grenze. Die verschiedenen Sprachkompetenzen könnten zudem die Arbeit der Gefängnismitarbeiter erschweren.

Wir sind beauftragt, die Gefangenen sicher unterzubringen. Dazu gehören auch Telefonüberwachungen [...] Das geht natürlich nur mit Dolmetscher.

Steffi Kretzschmar

Beziehungsweise mit Dolmetschern, denn gebraucht werden Übersetzer für viele Sprachen. Denn insgesamt leben in der JVA Halle 36 verschiedene Nationen. Mario Pickert, Landesvorsitzender des Bundes für Strafvollzugsbedienstete in Sachsen-Anhalt, wünscht sich deshalb mehr Justizvollzugsbeamte mit Migrationshintergrund.

Mehrsprachige Beamte gesucht

Mehrsprachige Beamte seien eine große Erleichterung, da sie besser auf die persönlichen Befindlichkeiten der Insassen eingehen können, erklärt Pickert. Und statistisch gesehen wären da im Moment besonders Mitarbeiter, die ursprünglich aus Polen, Syrien, Albanien und Guinea-Bissau kommen, hilfreich. Denn aus diesen Ländern stammen die meisten ausländischen Inhaftierten in Sachsen Anhalt.

* Korrektur: In einer früheren Version des Artikels stand: "2016 gab es in Sachsen 482 inhaftierte Ausländer, derzeit sind es 981." Diese Angaben sind nicht korrekt: Die Zahlen für das Jahr 2016 beziehen sich hierbei nur auf den Erwachsenenstrafvollzug, während die aktuellen Zahlen alle Haftarten (Erwachsenenstrafvollzug, Jugendstrafvollzug, Offener Vollzug und Untersuchungshaft) berücksichtigen. Bezieht man auch für 2016 alle Haftarten mit ein, waren es 811 inhaftierte Ausländer.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Februar 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Februar 2019, 05:00 Uhr

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91 Kommentare

10.02.2019 13:44 Fakt 91

>>Dieter, #90:
"Volkshochschule oder Integrationskurse können da Abhilfe schaffen."<<

Und warum nutzen Sie Ihre Chance dann nicht?

10.02.2019 12:19 Dieter 90

Fakt:
Sie meinen also ernsthaft, dass unser GG auch für Bürger ander Länder gilt? Volkshochschule oder Integrationskurse können da Abhilfe schaffen.

10.02.2019 11:05 Fakt 89

>>winfried an (85)Fakt, #88:
"Ich bleibe bei MEINER Rechtsauffassung"<<

Können Sie gerne machen, ist allerdings vollkommen irrelevant.

10.02.2019 09:30 winfried an (85)Fakt 88

Ich bleibe bei MEINER Rechtsauffassung, wonach das GG NUR für das "Deutsche Volk" gilt.
Leistungen für Ausländer, egal welcher Art, empfinde ich als eine Art "Gnadenakt",
auf den ggf. ein Anrecht, z.B. Asyl, jedoch kein Anspruch besteht.

Im Übrigen, hinsichtlich "Horizonterweiterung" folge ich Ihnen nicht.
Riecht mir (k)ein wenig nach "never ending Story" bzw. "Hase und Igel".

09.02.2019 19:38 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch" 87

Glücklicherweise entscheiden immer noch studierte Leute, ob und in wie weit jemandem die Grundrechte aberkannt werden.

09.02.2019 18:49 Ekkehard Kohfeld 86

@ Ohne Fakt 85 Zudem sollten Sie bedenken, dass man zu einem Artikel des Grundgesetzes genauso wie zu jedem Paragrafen eines x-beliebigen Gesetzes auch entsprechende Kommentare und Auslegungen hinzuziehen sollte. Das erweitert den Horizont ungemein.##

Richtig und warum tun sie das nicht hier nochmal extra für sie.

"Nur die in Art. 18 GG abschließend genannten Grundrechte können verwirkt werden."

Und welch das sind siehe @83
Und das sind eine ganze Menge,da reicht schon Verletzung des Asylrecht und weg sind sie.

09.02.2019 17:56 Fakt 85

@winfried zu (81)Fakt-Replik aN (79)Dieter 82:

Die Sache mit "seiner Heimat und Herkunft" haben Sie aber schon gelesen, oder?
Zudem sollten Sie bedenken, dass man zu einem Artikel des Grundgesetzes genauso wie zu jedem Paragrafen eines x-beliebigen Gesetzes auch entsprechende Kommentare und Auslegungen hinzuziehen sollte. Das erweitert den Horizont ungemein.

09.02.2019 15:36 Dieter 84

Fakt 81:
Winfried hat schon richtig geantwortet. Im GG steht nichts davon, dass wir die Resozialisierung ausländischer (!) Täter bezahlen müssen. Strafe absitzen und abschieben- das wäre richtig. Wozu alles der im Artikel genannte Aufwand?

09.02.2019 14:34 Ekkehard Kohfeld 83

@ OhneFakt 81
Dann sollten Sie es vielleicht mal mit Art. 3 GG versuchen. Der gilt nämlich u. a. auch für Straftäter.##

Zur Vollständigkeit sollen sie das dazu schreiben oder war das weg lassen Absicht und das sind schon Einige?Aber
was soll man auch erwarten.

"Nur die in Art. 18 GG abschließend genannten Grundrechte können verwirkt werden.
Wer die Freiheit der Meinungsäußerung, insbesondere die Pressefreiheit (Artikel 5 Abs. 1), die Lehrfreiheit (Artikel 5 Abs. 3), die Versammlungsfreiheit (Artikel 8), die Vereinigungsfreiheit (Artikel 9), das Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis (Artikel 10), das Eigentum (Artikel 14) oder das Asylrecht (Artikel 16a) zum Kampfe gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung mißbraucht, verwirkt diese Grundrechte. Die Verwirkung und ihr Ausmaß werden durch das Bundesverfassungsgericht ausgesprochen.

09.02.2019 14:02 winfried zu (81)Fakt-Replik aN (79)Dieter 82

>>Dann sollten Sie es vielleicht mal mit Art. 3 GG versuchen.
Der gilt nämlich u. a. auch für Straftäter.<<
In der Beurteilung für wen das GG gilt, orientiere ich mich an der GG-Präambel.
Dort heißt es im letzten Satz ...
"Damit gilt dieses Grundgesetz für das gesamte Deutsche Volk.".
Ausländische Straftäter gehören (noch) nicht zum "deutschen Volk".