Schüler einer 5. Klasse malen um einen Tisch sitzend bei einer Gruppenarbeit.
Eine Initiative in Sachsen fordert die Einführung der Gemeinschaftsschule, in der Kinder von der ersten bis zur zehnten Klasse gemeinsam lernen. Bildrechte: dpa

Sachsen Mehr als 30.000 Unterschriften für Gemeinschaftsschule

In einer Gemeinschaftsschule lernen alle Schüler von der ersten bis zur zehnten Klasse zusammen – egal wie leistungsstark sie sind. Dadurch würden alle optimal gefördert und dazu noch der soziale Zusammenhalt gestärkt, so die Idee. In einigen Bundesländern gibt es solche Schulen schon seit Jahren, in Sachsen jedoch nicht. Eine Initiative will das ändern und hat bereits über 30.000 Unterschriften gesammelt. Doch es gibt auch Gegenwind.

von Lydia Jakobi, MDR AKTUELL

Schüler einer 5. Klasse malen um einen Tisch sitzend bei einer Gruppenarbeit.
Eine Initiative in Sachsen fordert die Einführung der Gemeinschaftsschule, in der Kinder von der ersten bis zur zehnten Klasse gemeinsam lernen. Bildrechte: dpa

Andreas Giersch ist zuversichtlich: Bis zur sächsischen Landtagswahl im September kommen sicher noch 9.000 Unterschriften zusammen. So viele Unterzeichner braucht seine Initiative "Gemeinschaftsschulen in Sachsen", bis sie die magische 40.000 knackt. Dann muss sich das Parlament mit dem Volksantrag des Bündnisses befassen. Der sieht vor, dass das Schulgesetz neben den klassischen Schultypen auch Gemeinschaftsschulen erlaubt, an denen die Schüler über die vierte Klasse hinaus gemeinsam lernen.

Giersch erklärt die Idee dahinter so: "Wie muss denn Schule heute aussehen, die auf jede Form von Auslese und Ausgrenzung verzichtet? Wo Lernangebote geschaffen werden für alle Schüler, die Leistungsstarken genauso wie die Leistungsschwachen und die Schüler mit Handicap, auch wenn es um den Gedanken der Inklusion geht? Da kommt man an der Gemeinschaftsschule nicht vorbei."

CDU verweist auf gute Test-Ergebnisse

Diese Schulen für alle gab es schon mal in Sachsen: 2005 hatte das Land den Weg dafür frei gemacht. Doch schon vier Jahre später ließ das schwarz-gelbe Kabinett den Versuch wieder auslaufen. Auch heute hat das Konzept Gemeinschaftsschule noch viele Kritiker. Zum Beispiel den bildungspolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Lothar Bienst.

Sachsen brauche keine Experimente, erklärt Bienst mit Blick auf das gute Abschneiden der Schüler in der PISA-Bildungsstudie. Bienst argumentiert: "Baden-Württemberg, das ja gemeinsam mit Thüringen, Bayern und Sachsen immer auf den ersten Plätzen lag, hat solche Experimente durchgeführt und andere Schulformen zugelassen. Heute sind sie im Leistungsvergleich auf Platz sieben, acht oder neun. Und das wollen wir in Sachsen nicht. Wir wollen unsere Qualität an den Schulen behalten."

Zwei Drittel befürworten Gemeinschaftsschulen

Dabei finden einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes EMNID zufolge zwei Drittel der sächsischen Bürger die Trennung der Schüler nach der vierten Klasse falsch und wünschen sich eine Schulform, in der die Kinder länger gemeinsam lernen können.

Im Nachbarland Sachsen-Anhalt gibt es mittlerweile mehr als 40 Gemeinschaftsschulen. Wie sie die Leistung der Schüler beeinflussen, lasse sich noch nicht abschließend beurteilen, sagt Thomas Lippmann, bildungspolitischer Sprecher der Linksfraktion im Magdeburger Landtag. "Die sind ja in den letzten Jahren erst gewachsen. Wir haben noch keine Abgänger aus Gemeinschaftsschulen. Die Schüler, die als erste angefangen haben, sind jetzt in der neunten Klasse."

Ob die sächsische Initiative für Gemeinschaftsschulen mit ihrer Idee im Landtag landet, werden die nächsten Wochen zeigen. Zumindest hat sie prominente Unterstützer: Wirtschaftsminister Martin Dulig und Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (beide SPD) zum Beispiel.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. März 2019 | 10:07 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. März 2019, 10:07 Uhr

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16 Kommentare

25.03.2019 18:13 karstde 16

So etwas nannte man in der DDR Polytechnische Oberschule (POS).

25.03.2019 17:48 Andreas 15

Ich sage nur soviel man hätte nicht alles schlecht reden sollen nach der Wende. Dieses Schulsystem kommt mir irgendwie bekannt vor, ich glaube es hieß POS auf jeden Fall hatte ich da 10 Schuljahre gehabt. Wir waren von der ersten bis zur 10. Klasse immer 30 Schüler. Ich glaube ab der 9.Klasse sind 4 Schüler zur EOS gegangen. Ich war von 1969-1979 in der Schule.

25.03.2019 16:15 Carolus Nappus 14

Auch in Gemeinschaftsschulen lernen nicht alle über sämtliche Schuljahre das Gleiche. Da gibt es durchaus Leistungskurse und zusätzliche Angebote, die wahrgenommen werden oder nicht.
Und das war auch schon im ach so hochgelobten Schulsystem der DDR so. Da gab es an ausgwählten Schulen Klasse, wo bereits ab Klasse Russisch gelehrt wurde und auch in den anderen Fächern höhere Ziele gesetzt waren. Und auch wer sich fürs Abitur "qualifiziert" hatte, erhielt nicht erst ab Klasse 11 einen anderen Unterricht.
Letztlich dürfte die Schulform ziemlich egal sein. Es kommt auf die Lehrer und das Umfeld an. Und solange gerade Berufspolitiker ihre Kinder nicht auf die normalen Schulen schicken, wird sich da leider wenig zum Besseren ändern.

25.03.2019 15:31 Bernd L. 13

Liebe MDR-Radaktion, zum Kommentar 11:
1. ist die Zahl ständig ansteigend (jeden Monat wandert eine Großstadt ein),
2. in ganz Deutschland trifft die Aussage des Foristen zu: In Neukölln gibt es Klassen ohne Biodeutsche, in Mannheim wurden im faz-Artikel bei vielen Mlassen die Zahl 86% mit MiGru genannt.
Der Vergleich mit Finnland hinkt also.
Zum Thema:
Bitte keine Bildungsveränderungen in Richtung linksgrün- es geht um unsere Kinder und Enkel.

[Lieber Bernd L., dann kann "Klarheit" aber bitte schreiben, dass in einigen Klassen, zum Beispiel in xxx, Kinder mit Migrationshintergrund überwiegen. Beste Grüße, Ihre MDR.de-Redaktion]

25.03.2019 14:36 Wachtmeister Dimpfelmoser 12

1. Der Dumme lernt vom Klugen immer noch mehr als der Kluge vom Dummen. Platte Volksweisheit, aber cum grano salis wahr. Das spräche dafür. ABER:
2. Das Beispiel Finnland hakt mächtig, denn - wie hier im Forum schon angesprochen - dort gibt es bezüglich Sprache und soziokulturellem Hintergrund grosso modo eine viel größere Homogenität und damit weit bessere Voraussetzungen für ein längeres gemeinsames Lernen. Außerdem sind den Klassen dort statt wie hier mit ständigem Lehrermangel im Regelfall sogar gleich zwei Lehrer zugeteilt, die sich unterschiedlich starkem Gruppen sofort widmen können.
3. Die von oben verordneten und von den Lehrern dann zwangsweise umzusetzenden pseudopädagogischen Inklusionsprojekte und -planspiele ziehen oftmals ganze Klassen kollektiv nach unten statt sie zu einen.
4. Keine Ausgrenzung? Einverstanden. Aber warum keine Auslese?

25.03.2019 12:39 Klarheit 11

@Peter,
---"...Ergo: Den letzten Satz hätten Sie sich einfach sparen können...."-----,

Irrtum , gerade dieser ist mir wichtig , mein letztes Klassentreffen wo ich auch noch einige meiner Lehrer traf (alle nun ü80) bestärkt mich in dieser Ansicht , diese Lehrer sind froh darüber nicht mehr in diesen Schulsystem tätig zu sein, und schütteln über grün/sozi Schulexperimente nur den Kopf !

Finnland ..... mal nachdenken Peter , die Finnen sind ein homogenes Völkchen ohne das tolle Multikulti , da sitzen dann auch nicht großteils Kinder in den Klassen mit Migrations/Asyl oder sonstigen Hintergründen die kaum die Landessprache können ......

[Lieber Nutzer, sie behaupten, es gebe "großteils Kinder in den Klassen mit Migrations/Asyl oder sonstigen Hintergründen". Das stimmt nicht, wie sachsen.de zum Thema Migration und Schule schreibt: "Zu Beginn des Schuljahres 2017/2018 besuchten 33.600 Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund sächsische Schulen. Dies waren circa 9 Prozent der Schülerschaft." Mit freundlichen Grüßen, Ihre MDR.de-Redaktion]

25.03.2019 08:36 Dieter 10

Sachsen liegt in Sachen Bildung in Deutschland an der Spitze. Das hat seine Ursache vor allem drin, dass es noch keine linksgrünen Bildungsexperimente gab. Wohin letztere führen, sieht man gut derzeit in Ba-Wü- Absturz mit großer Geschwindigkeit.
Fazit: Lasst es , wie es ist.

24.03.2019 17:53 Peter 9

@1: Legen Sie doch bitte Ihre Scheuklappen ab und beten Sie nicht immer nur Vorurteile herunter.
Am Besten, Sie schauen mal nach Finnland. Nur soviel: Dort gibts die Einheitsschule. Dort gibt´s ein einheitliches Schulsystem. Das Resultat: ein überdurchschnittliches Leistungsniveau.
Ergo: Den letzten Satz hätten Sie sich einfach sparen können.

24.03.2019 17:28 m.g. 8

@ 4: Genau so sehe ich das auch. Mehr braucht man dazu nicht sagen.

24.03.2019 17:13 Wo geht es hin? 7

Zitat aus dem Artikel: "Giersch erklärt die Idee dahinter so: "Wie muss denn Schule heute aussehen, die auf jede Form von Auslese und Ausgrenzung verzichtet? Wo Lernangebote geschaffen werden für alle Schüler, die Leistungsstarken genauso wie die Leistungsschwachen und die Schüler mit Handicap, auch wenn es um den Gedanken der Inklusion geht? Da kommt man an der Gemeinschaftsschule nicht vorbei." Zitat Ende. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Herr Giersch bei den Themen Handicap und Inklusion ansolut nicht weiss, wovon er da eigentlich spricht. Durch die Erfahrung mit meiner schwerstbehinderte Pflegetochter weiss ich dagegen genau, ws dies bedeuten würde - nämlich absolut nichts Gutes. Weder für die anderen Klassenkameraden noch für mein Pflegekind. Der gute Mann kann sich gerne bei mir melden, dann kläre ich den mal über Dinge auf, wo er selber mit Sicherheit noch nie die Nase drin hatte.