Bessere Betreuung, mehr Personal "Gute-Kita-Gesetz": Das macht Mitteldeutschland mit dem Geld

5,5 Milliarden Euro stellt der Bund für die deutschen Kitas bereit. Am Montag begann die Auszahlung der Gelder. Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben unterschiedliche Pläne, wofür sie ihre Millionen ausgeben wollen.

Bunte Strümpfe einer Kindergartengruppe
Der Bund investiert 5,5 Milliarden Euro in deutsche Kindertagesstätten. Jedes Land konnte selbst über die Verwendung der Gelder entscheiden. Bildrechte: imago/Plusphoto

Der Bund hat am Montag mit der Auszahlung der Milliarden aus dem sogenannten Gute-Kita-Gesetz an die Länder begonnen. Insgesamt handelt es sich um 5,5 Milliarden Euro, die von 2019 bis 2022 verteilt werden.

In welche Bereiche die Gelder fließen, konnten die Länder weitestgehend selbst entscheiden. Das kann die Schaffung von mehr Erzieherstellen sein, eine höhere Bezahlung der Erzieherinnen und Erzieher, längere Öffnungszeiten, die Neugestaltung von Räumen und Spielflächen, aber auch die Senkung von Kita-Gebühren. Jedes Land hat mit dem Bund einen eigenen Vertrag abgeschlossen.

Sachsen: Bessere Betreuung und Kindertagespflege

Sachsen erhält insgesamt rund 269 Millionen Euro vom Bund. Umgesetzt werden soll damit zum einen ein besserer Betreuungsschlüssel: Mindestens eine Stunde bezahlte Vor- und Nachbereitungszeit pro Woche soll sächsischen Erzieherinnen und Erziehern künftig zur Verfügung stehen. Dazu gehören die individuelle Förderung von Kindern, aber auch Elterngespräche oder Teamberatungen.

Das Personal soll landesweit um 1.365 Vollzeitkräfte erhöht werden. Angestellte, die bisher in Teilzeit tätig sind, sollen ihre Arbeitszeit aufstocken können. Um den Erzieher-Beruf attraktiver zu machen, arbeite das Land unter anderem an einer berufsbegleitenden Ausbildung, sagte der sächsische Kultusminister Christian Piwarz im Interview mit MDR AKTUELL.

Den zweiten Fokus setzt Sachsen auf die Verbesserung der Qualität der Kindertagespflege: Auch KindertagespflegerInnen soll pro Kind eine halbe Stunde wöchentlich zur Vor- und Nachbereitung - sogenannte mittelbare pädagogische Tätigkeiten - zur Verfügung stehen.

Sachsen-Anhalt: Geringere Beiträge und mehr Fachkräfte

Sachsen-Anhalt bekommt rund 140 Millionen Euro. Damit ermöglicht das Land die Senkung von Beiträgen, investiert Gelder in neue Fachkräfte und übernimmt das Schulgeld für angehende ErzieherInnen. Bisher zahlen Eltern nur die Betreuung für das älteste Kind. Diese Regelung gilt jedoch nur für die Kitabetreuung. Wer Hortkinder hat, zahlt mehrere Beiträge. Künftig werden Familien finanziell entlastet und nur noch Zahlungen für das älteste Kind fällig, auch wenn es im Hort ist.

Die Mittel aus dem "Gute-Kita-Topf" sollen auch dafür genutzt werden, Fachkräfte zu gewinnen. So übernimmt das Land rückwirkend zum 1. August das Schulgeld für angehende ErzieherInnen, KinderpflegerInnen und SozialassistentInnen. Der Quereinstieg soll erleichtert werden, und es soll für eine bessere, fachgerechte Anleitung von Azubis in Kindertageseinrichtungen gesorgt werden.

Kitas, an denen besonderer Bedarf herrscht, bekommen zusätzliches Personal. Die Landkreise und kreisfreien Städte entscheiden selbst, wie diese rund 135 zusätzlichen Stellen verteilt werden sollen.

Thüringen: Ausbau der Beitragsfreiheit und Förderung sozialer Brennpunkte

Thüringen erhält bis zum Jahr 2022 rund 142 Millionen Euro. Damit soll der Personalschlüssel verbessert werden: Fachkräfte in Thüringer Kitas sollen mehr Zeit für Kinder zwischen dem vollendeten vierten und vor Vollendung des fünften Lebensjahrs haben. Muss sich eine Fachkraft heute noch um 16 Kindern kümmern, sollen es ab August 2020 nur noch 14 sein.

Kindergärten, etwa in sozialen Brennpunkten, erhalten im Zuge eines Förderprogramms für den Einsatz multiprofessioneller Teams zusätzliche Gelder für Personal sowie Fort- und Weiterbildungen.

Auch die Beitragsfreiheit in Thüringen wird ausgebaut: Schon jetzt sind die letzten zwölf Kita-Monate in Thüringen kostenfrei. Künftig sollen die letzten beiden Jahre beitragsfrei werden. Um mehr qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen, führt das Land eine praxisintegrierte Erzieherausbildung ein, die über die gesamte Dauer hinweg vergütet werden soll.

Kritik an der Verwendung der Gelder

Wofür die Milliarden eingesetzt werden, ruft allerdings auch Kritik hervor. Bildungsforscherin Katharina Spieß vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht in dem Gesetz zwar einen guten Ansatz, allerdings auch die Gefahr, dass durch die verschiedenen Verträge die Qualitätsunterschiede in der Kindertagesbetreuung noch größer werden könnten. "Die Verträge zwischen dem Bund und den Ländern zeigen, dass die Bundesländer teilweise sehr unterschiedliche Handlungsfelder ausgewählt haben. Die Hoffnung vieler, dass mit dem Gesetz einheitliche Mindeststandards gesetzt werden, wurde somit nicht erfüllt."

Etliche Bundesländer verwendeten die Bundesmittel, um Familien von Kita-Gebühren zu entlasten - ein Ansatz, den sie für weniger sinnvoll halte, sagte Spieß im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. Dezember 2019 | 05:00 Uhr

3 Kommentare

frank d vor 50 Wochen

schon erstaunlich das der Sozialstaat mit all seinen engagierten Großsprechern den eigenen auszubildenden rein gar nichts zahlt. Bei anderen unternehmen würde da ein Aufschrei durch sie Reihen der Grünen und Roten gehen den man noch außerhalb unseres Sonnensystems hören könnte.
Warum nicht mal die Verantwortlichen Manchester Kapitalisten und Ausbeuter in den staatlichen Institutionen verklagen.
Schaut euch mal an was es für Auswirkungen hat!
Die Qualität des Nachwuchses und damit der zukünftigen KiTa Betreuung
wird doch so sicherlich nicht steigen sondern sinken? Trotz gute KiTa Gesetz der Infantilen Formulierer.
Sapere Aude

Tanja vor 50 Wochen

Ich bin sehr enttäuscht, dass Sachsen-Anhalt kein Geld in die Ausbildungsvergütung für angehende Erzieher stecken will. Alleine das Schulgeld abzuschaffen reicht einfach nicht aus. Es gibt auch genug Berufsschulen, die Erzieher ausbilden. 2.Jahre Ausbildung Sozialassistent und 3. Jahre Erzieherausbildung und wenn die Eltern arbeiten gibt es auch wenig oder gar kein Schülerbarfög. Mein Sohn geht nebenbei noch arbeiten, damit er sich wenigstens paar Kleinigkeiten leisten kann.
Warum ist es so schwer, da ein paar Euro locker zu machen, vor allem wo Erzieher so gebraucht werden. Ich wünsche mir, dass Sachsen-Anhalt da einfach nochmal drüber nachdenkt.

ElBuffo vor 50 Wochen

Komisch, von einer Beitragssenkung habe ich gar nichts gemerkt. Es wurde nur noch unflexiblere Zeitblöcke angeboten, die man da buchen kann/muss. Geschickterweise so gemacht, dass kaum jemand einen Block nutzen kann, bei dem er günstiger käme. Die Masse der Leute mit Kindern in Kita oder Hort geht ja noch nebenbei eine Beschäftigung nach. Und richtig bei Vollzeit kann man mit 8h am Tag null anfangen. Kann es sein, dass da nicht nur die Bundesländer, sondern auch alle Kommunen machen konnten, was sie wollten?