Nach Shitstorm Thüringer Grüne löschen Habeck-Video

Eigentlich wollte Grünen-Chef Robert Habeck nur dazu aufrufen, die Grünen bei den kommenden Landtagswahlen in Thüringen zu unterstützen. Doch das ging gründlich schief. Auf Twitter veröffentlichten die Thüringer Grünen ein Video von Habeck, in dem er erklärt: "Wir versuchen alles zu machen, damit Thüringen ein offenes, freies, liberales, demokratisches Land wird, ein ökologisches Land." Das Netz reagierte prompt.

von Constanze Hertel, MDR AKTUELL

Zahlreiche Nutzer verwiesen auf die derzeitige Koalition im Freistaat, an der Linkspartei, SPD und Grünen beteiligt sind. Auch Politiker meldeten sich zu Wort. Der aus Erfurt stammende Bundestagsgeschäftsführer der SPD, Carsten Schneider, twitterte nach dem Habeck-Video spöttisch: "Thüringen soll ein demokratisches und freies Land werden. (…) In welchem Gefängnis habe ich die letzten Jahre gelebt?" Auch SPD-Vizechef Ralf Stegner meldete sich zur Wort.

Ein bisschen überheblich ist dieser Wahlkampfstil schon. Ich bezweifle, dass die Thüringerinnen und Thüringer das mögen.

Ralf Stegner SPD-Vizechef

Erklärung: Video falsch verstanden

Nach dem Shitstorm zweifelten daran wohl auch die Thüringer Grünen. Sie entfernten das Video und erklärten in einem neuen Tweet: "Wir haben Robert Habecks Aufruf vom Netz genommen, weil viele ihn falsch verstanden haben." Habeck würde Thüringen nicht schlechtreden, das Land solle "einfach noch grüner und ökologischer werden".

Doch auch das kam nicht gut an. Mehrere Twitter-Nutzer beschwerten sich, die Grünen würden die Schuld bei den Kritikern suchen, statt ihren Aufruf in Frage zu stellen. Daraufhin entschuldigten sich die Thüringer Grünen in einem weiteren Tweet bei allen "Thüringerinnen und Thüringern, die sich herabgewürdigt fühlten".

Nicht der erste Fauxpas

Es ist nicht das erste Mal, dass Habeck auf Twitter Kritik erntet. Vor der Landtagswahl im Oktober in Bayern hatte er gefordert, die CSU-Alleinherrschaft zu beenden, damit man sagen könne: "Endlich gibt es wieder Demokratie in Bayern." Auch damals wurde er harsch kritisiert und erwiderte schließlich, er habe "lasch formuliert". Im Wahlkampffieber wäre das "einer zu viel" gewesen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Januar 2019 | 09:38 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Januar 2019, 08:17 Uhr

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75 Kommentare

09.01.2019 18:18 goffman 75

@ Bronko 73: Ich muss mich korrigieren. Von den 6 Bundesvorständen der Grünen haben 5 einen Hochschulabschluss, die 6. (Jamila Schäfer) ist derzeit noch am Studieren, aber auch erst 25 Jahre alt.

Falls Sie mit Ihrem Nachsatz meinen, das man erst nach jahrzehntelanger Berufserfahrung für die Politik qualifiziert ist, muss ich Ihnen widersprechen. Warum z.B. ein über 70 Jahre alter Jurist besser für die Politik qualifiziert sein sollte, als eine 25 Jahre alte Studentin ist nicht schlüssig. Wir brauchen auch junge Menschen in der Politik, die von der Zukunft noch selbst betroffen sind und welche die Lebenswelt der jungen Bevölkerung kennen.

Durch Ausbildung und Arbeitserfahrung gewinnt man berufliche Qualifikation - sonst nichts und mit Lebenserfahrung und politischen Kenntnissen hat das schon mal gar nichts zu tun. Wahrscheinlich sind weniger geradlinige Lebensläufe sogar besser - dann hat man selbst erlebt, wo es hapert.

09.01.2019 09:56 Jonathan 74

WIR WÄHLEN GRÜN
damit ein Ruck durch Deutschland geht wie bei Schröder + Fischer

08.01.2019 22:32 Bronko 73

Zitat: Der komplette Bundesvorstand der Grünen hat einen Berufsabschluss (ich glaube sogar alle haben ein abgeschlossenes Studium) und der weitaus größte Teil der Abgeordneten ebenso

Unwahrheiten zu verbreiten, ist nicht hilfreich, zumal jeder selbst nachsehen kann, was wer wo "vollbracht" hat. Qualifikation für ein Leben bekommt man im Übrigen erst durch das, was man wirkliches Leben nennt, nicht durch "Arbeit" in einer Partei und dazu zählt eine Ausbildung und Arbeit nach der Ausbildung.

08.01.2019 21:52 karstde 72

Wenn man im Studium mehr auf der Straße sich herum treibt und andere niederschreit, statt im Hörsaal zu sitzen und zu lernen, kommt Grün heraus. Einfach nicht wählbar solche Leute.

08.01.2019 21:43 Sabrina 71

Man ahnt es schon:
Demokratie ist dann, wenn man selbst regiert und nicht der politische Wettbewerber.

08.01.2019 19:30 goffman 70

@ Hossa 68: "Wenn die Wähler der „Grünen“so intelligent sind warum lassen Sie sich von Personen vertreten,die in Mehrheit als „ungelernt“bezeichnen muss." Populistischer Quatsch. Der komplette Bundesvorstand der Grünen hat einen Berufsabschluss (ich glaube sogar alle haben ein abgeschlossenes Studium) und der weitaus größte Teil der Abgeordneten ebenso. Das die kleine Gruppe der Studienabbrecher unter den Abgeordneten der Grünen größer ist, als bei den anderen Parteien erklärt sich dadurch, das diese bereits in jungen Jahren politisches Engagement über den Erwerb von Zertifikaten gestellt haben. Und eine Qualifikation als Politiker erwirbt man nicht im Hörsaal oder in der Berufsschule, sondern durch Mitarbeit in einer Partei.

08.01.2019 17:01 Federico 69

Manches bei den "Grünen
kommt einem nicht mehr grün" vor.
Nicht das erste mal hat der Grüne-Vormann sich "vertwittert."
Bei den Grünen hat man den Eindruck "....wenn es dem Esel
zu wohl geht , geht er aufs Eis ...."
Herr Habeck ist sprachlich
" trainiert ", er sollte also auch
die Disziplin haben sich, nicht
nur im Netz, zurück zuhalten.
Da er sich bei Facebook und Twitter
ins " Abseits " gestellt hat kann
man nur hoffen dass er sein
" Sprachwerkzeug " im Zaum
halten wird.
Das kann man vorallem von
Politiker erwarten, die vielleicht
Ihren Wähler noch " grün " sind.

08.01.2019 15:19 Hossa 68

an Jacob@60
Da wäre es aber auch mehr als konsequent,das ein Flug und Autofahrverbot für alle „Grünen“ eingeführt wird.
Wenn die Wähler der „Grünen“so intelligent sind warum lassen Sie sich von Personen vertreten,die in Mehrheit als „ungelernt“bezeichnen muss.

08.01.2019 14:19 Gerald 67

Zu @ Hans 59
Sein Aufstieg war rasant, der Abstieg auch.
Ich habe soundso nicht verstanden, warum er von Presse, Funk und Fernsehen so hochgeschrieben beziehungsweise hochgejubelt wurde?! Erinnert mich alles an einigen anderen Politikern verschiedener Parteien! Namen brauche ich ja nicht zu schreiben, sind bekannt! Erst großer Hype, dann der tiefe Fall! Wenn er nicht aufpasst, wird er der Nächste sein, daß sowas passiert! Ist nämlich auf dem besten Wege, daß es auch Ihm passiert!

08.01.2019 12:48 Burkhard 66

Unverschämt ist auch, dass die Grünen noch immer den Namenszusatz "Bündnis 90" führen. Sie suggerieren damit, das Erbe der DDR-Bürgerrechtsbewegung zu vertreten. Das ist aber nichts als eine Irreführung und bewusste Wählertäuschung.