Reiner Haseloff und Bodo Ramelow
Die Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU, l) und Thüringen, Bodo Ramelow (Linke). Bildrechte: dpa

Wirtschaftsförderung im Osten Haseloff und Ramelow kritisieren IWH-Studie

Die Regierungschefs von Sachsen-Anhalt und Thüringen lehnen die Empfehlung des IWH-Instituts ab, die Wirtschaftsförderung in Ostdeutschland auf Städte zu konzentrieren. Auch der ländliche Raum habe Potenzial und müsse entwickelt werden.

Reiner Haseloff und Bodo Ramelow
Die Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU, l) und Thüringen, Bodo Ramelow (Linke). Bildrechte: dpa

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff hat eine IWH-Studie zur Investitionspolitik in Ostdeutschschland scharf kritisiert. Darin kommt das Forschungsinstitut aus Halle zu dem Schluss, dass im Osten jahrelang falsch investiert worden sei. Die Ökonomen empfehlen, die Wirtschaftsförderung in den ostdeutschen Bundesländern auf Städte zu konzentrieren und ländliche Gebiete außen vor zu lassen.

Haseloff sagte MDR SACHSEN-ANHALT, er halte diese Aussage für falsch. 80 Prozent des Landes seien ländlicher Raum. Die Bevölkerung dort dürfe nicht von Fördermöglichkeiten ausgenommen werden. Gerade im ländlichen Raum habe es in der Vergangenheit Investitionen gegeben und es seien  Arbeitsplätze entstanden, etwa in Chemie- und Industrieparks.

Ramelow: Firmen im ländlichen Raum nicht abwürgen

Der Thüringer Regierungschef Bodo Ramelow  wies die Forderung des IWH als verantwortungslos zurück. Er sagte MDR AKTUELL, zwar müsse man Leistungszentren wie Jena oder Ilmenau ausbauen. Aber auch im ländlichen Raum gebe es Betriebe mit Spitzentechnologie. Ramelow warf den Forschern vor, Schlussfolgerungen allein aus dem Aneinanderreihen von Statistiken zu ziehen. Das mache die Menschen wütend.

Der Linken-Politiker verwies darauf, dass Thüringen 62 europäische Spitzenfirmen oder Weltmarktführer habe, darunter viele im ländlichen Raum. Wenn man dort die Infrastrukturmittel streiche, dann breche die gute Entwicklung ab.

Umstrittene IWH-These

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle empfiehlt in einer Untersuchung, die Wirtschaftsförderung im Osten auf Städte und Leuchtturmprojekte zu konzentrieren. Die Forscher begründen das mit der mangelnden Produktivität ostdeutscher Betriebe. Deshalb müsse man sich auf urbane Räume mit zukunftsträchtigen Jobs konzentrieren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. März 2019 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. März 2019, 09:03 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

47 Kommentare

06.03.2019 10:21 Rasselbock 47

@46: Falsch, wenn ein Politiker eine fundierte Entscheidung treffen so muss er Ahnung von der entsprechenden Materie haben. Bis jetzt ist das komische IWH schuldig geblieben was sie mit was und wie bewertet haben. Ihre Ausführungen sagen nur aus: Von all den Dingen haben Sie Null Ahnung, reden wie jemand von den sogenannten Gesappelwissenschaften. Dazu gehört auch VWL.

06.03.2019 07:10 Mediator an Rasselbock (45) 46

"Wenn einem Politiker die guten Ideen nicht zufliegen taugt er nichts, so einfach ist das."

FALSCH: Den guten Politiker macht es aus, dass er in der Lage ist aus dem Wissen und den Vorschlägen von Fachleuten eigene Konzepte zu entwickeln die dann wirksam und politisch durchsetzbar sind. Es wäre wohl zu viel verlangt, wenn ein Abgeordneter der Jurist oder Malermeister ist eigene wissenschaftliche Erkenntnisse zur Reaktorsicherheit erarbeitet.

Der IWH hat eine Situation analysiert und einen Vorschlag unterbreitet der aus wissenschaftlicher Sicht sinnvoll, politisch aber vermutlich nicht vermittelbar ist. Der Rest ist Sache der Politik. Man sollte diese Studie nicht einfach deswegen zerreißen, weil sie aussagt, dass der Osten bei der Produktivität dem Westen noch hinterherhinkt. Er hinkt ja auch den osteuropäischen Metropolregionen bei manchen Aspekten hinterher.

05.03.2019 20:03 Rasselbock 45

@32: Wenn einem Politiker die guten Ideen nicht zufliegen taugt er nichts, so einfach ist das. Und noch etwas, schon vor Jahrhunderten so definiert:
Poltik, sie ist die Kunst des Möglichen, ansonsten ist es nicht mal schwarze Kunst. Was das IWH da abgeliefert hat hat nur eine Definition verdient: Nicht mal Edelmist. IWH, ein Unsinnsverein, nichts weiter, wer die Typen ernst nimmt, selbst schuld.

05.03.2019 17:30 Dorfbewohner 44

“Haseloff und Ramelow kritisieren IWH-Studie
Die Regierungschefs von Sachsen-Anhalt und Thüringen lehnen die Empfehlung des IWH-Instituts ab, die Wirtschaftsförderung...”

lautet die Überschrift. Nun dann sollten die beiden mal dies lesen mdr...umschau von heute:

"Warschau in Polen und Bukarest in Rumänien haben inzwischen ein höheres Pro-Kopf-Einkommen als die ostdeutschen Länder in ihrer gesamten Fläche", sagt Professor Reint Gropp, Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), gegenüber der "Umschau". Gropp bezieht sich damit auf die neue und aktuell kontrovers diskutierte IWH-Studie, nach deren Ergebnissen "Ostdeutschland trotz der innerdeutschen Transfers seit dem Jahr 2000 im Schnitt deutlich langsamer gewachsen ist als die vier Visegrád-Staaten Polen, Slowakei, Tschechien und Ungarn." Prag und Bratislava etwa haben laut IWH eine Wirtschaftsleistung von mehr als 150 Prozent des EU-Durchschnitts…”

05.03.2019 16:01 Dorfbewohner 43

Jetzt bin ich aber platt!

“..."Warschau in Polen und Bukarest in Rumänien haben inzwischen ein höheres Pro-Kopf-Einkommen als die ostdeutschen Länder in ihrer gesamten Fläche", sagt Professor Reint Gropp, Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), gegenüber der "Umschau". Gropp bezieht sich damit auf die neue und aktuell kontrovers diskutierte IWH-Studie, nach deren Ergebnissen "Ostdeutschland trotz der innerdeutschen Transfers seit dem Jahr 2000 im Schnitt deutlich langsamer gewachsen ist als die vier Visegrád-Staaten Polen, Slowakei, Tschechien und Ungarn." Prag und Bratislava etwa haben laut IWH eine Wirtschaftsleistung von mehr als 150 Prozent des EU-Durchschnitts…”

Quelle: (https://www.mdr.de/umschau/iwh-studie-osteuropaeische-regionen-ueberholen-ostdeutschland-100.html)

05.03.2019 15:36 Mediator 42

Lieber Bruno,

Frau Dr. Merkel ist die Kanzlerin aller Deutscher. Das muss dir nicht gefallen, aber das ist nun einmal die Beschreibung der Realität und davon gibt es nun einmal nur eine.

Denkst du wirklich es spielt eine Rolle, ob du Frau Merkel als deine Kanzlerin siehst, oder den Paragraph 306 Strafgesetzbuch als gültig ansiehst, wenn du vor einer Flüchtlingsunterkunft stehst? Im Zweifelsfall sagt dir der Richter was in letzterem Fall Sache ist.

Hast du auch etwas zum Artikel anzumerken? Wie kann man deiner Meinung nach die Wertschöpfung in den NBL steigern, ohne den ländlichen Raum zu vernachlässigen? Ich vermute nein. Bevor du Dinge einfach nach blökst solltest du mal darüber nachdenken ob diese so ihre Richtigkeit haben. Das macht man mit dem Kopf!^

[Liebe User,
bitte bleiben Sie beim Thema.
Kommentare ohne Bezug zum Thema des Artikels werden entsprechend unserer Kommentarrichtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html) nicht freigegeben.
Ihre MDR.de-Redaktion]

05.03.2019 15:14 Wo ist das Lobbyregister? 41

@05.03.2019 12:09 Kadischon

(Ist das jetzt Wissenschaft? Die "Thesen" haben keinen ernsthaften analytischen Unterbau. Schlichte Dogmatik auf solidem neoliberalem Fundament.)

Auch sie werden bereits bemerkt haben, dass wir uns in einem Verteilungs- und politischen Richtungskampf befinden. Jeder rüstet verbal und medial auf, um abzulenken, vorzutäuschen, Angst zu erzeugen, Empörung zu schüren im Namen seiner Profitinteressen. Die aktuell herrschenden Verhältnisse sind genau nach dem Geschmack des Kapitals - es wird alles versuchen, die Situation als alternativlos darstellen und sie nach seinen "Wertmaßstäben" medial und "wissenschaftlich" "interpretieren" zu lassen. Das geht dann soweit, dass der Sprecher eines Immokonzerns das Verbot der Grundstücks- und Immospekulation in Berlin als "Kommunismus" zu denunzieren versucht (DLF, 04.03.2019, vormittags). Mittendrin: "Unsere Politiker".

05.03.2019 13:32 Bruno 40

@ 3 1 schreib nicht stets so eine große Scheiße Mediator immer und immer wieder das gleiche , Merkel ist nicht die Kanzlerin aller Deutsche sondern nur für ihrer eigenen klasse, viele haben diese nicht gewählt !
den diese hat s. jahren alle Gesetze verletzt mit ihre Konsorten aus Berlin, hör entlich auf so einen großen Schwachsinn zu schreiben.

05.03.2019 12:09 Kadischon 39

Ist das jetzt Wissenschaft? Die "Thesen" haben keinen ernsthaften analytischen Unterbau. Schlichte Dogmatik auf solidem neoliberalem Fundament. Hauptsache schlagzeilenträchtig.

05.03.2019 12:08 Wo ist das Lobbyregister? 38

@05.03.2019 09:14 Rasselbock

(@32: Unlogisch sind Ihre Folgerungen. Vom Ingenieur werden praktikable Lösungen erwartet und nicht für die Praxis untaugliche theoretische Wunschbilder. Das aber tut das IWH. [...] Übrigens, " Niedriglöhne sind ein Standortvorteil" Zitat Althaus CDU, Ende. Noch Fragen wer diesen Bockmist einegbrockt hat? Die niedrige Produktivität hat einen Namen: Folge der Politik einer CDU.)

Und maßgeblich der "SPD", die, als sie die historisch einmalige Chance nach 16 Jahren Kohl hatte, grundlegende und auf lange Sicht wirkende Reformen umzusetzen, zum historisch wiederholten Male vor der De-facto-Macht des Kapitals zu Kreuze gekrochen ist; und sich dabei auch noch bereichert und grosse Teile der Bevölkerung nach Strich und Faden verraten und regelrecht verkauft hat. Sie hat damit zudem das Mezzogiorno im "Osten" mit voller Absicht festgeschrieben. Das Ergebnis ist zu besichtigen.