Gesetzesänderung Akademisierung der Hebammenausbildung

Wer Hebamme werden möchte, muss künftig studiert haben. Die drei mitteldeutschen Bundesländer sind auf die Reform unterschiedlich vorbereitet.

Annika Wanierke ist seit 24 Jahren Hebamme. Sie kann sich durchaus vorstellen, noch einen Bachelor abzulegen. Ihr Abschluss werde zwar weiter anerkannt, das wissenschaftliche Arbeiten reize sie aber sehr, sagt die Vorsitzende des Thüringer Hebammenverbandes. Sie begrüßt, dass künftige Hebammen ab dem kommenden Jahr zu Uni gehen sollen. Viele der Ideen und Forderungen des Hebammenverbandes seien berücksichtigt worden.

Modellstudiengang in Jena

In Erfurt würden künftige Hebammen derzeit noch an einer Fachschule ausgebildet, erklärt Annika Wanierke. Parallel könnten werdende Geburtshelferinnen aber auch schon an der Ernst-Abbe-Hochschule in Jena studieren. Dort gebe es einen Modellstudiengang, die ersten Bachelorstudentinnen hätten seit dem letzten Jahr schon ihren Abschluss in der Tasche.

"Wir sind wirklich in der glücklichen Lage, dass wir jetzt nicht hektisch Entscheidungen treffen müssen, sondern dass die Wege geebnet sind", sagt Wanierke. Der Studiengang an der Abbe-Hochschule werde gut angenommen. In Nordrhein-Westfalen, Bayern oder Niedersachsen etwa sei das anders, auch in Sachsen agiere die Landesregierung nur zögerlich.

Ein Eindruck, den Volkmar Zschocke teilt. Der sozial- und gesundheitspolitische Sprecher der sächsischen Grünen sagte MDR AKTUELL, er wisse nur, dass drei Studiengänge eingerichtet werden sollten, angegliedert an bereits bestehende Ausbildungsstätten: "Wo, wie, wann und zu welcher Finanzierung das erfolgen soll, dazu gibt es momentan noch keine offiziellen Informationen", sagt Zschocke. Er gehe davon aus, dass die Details nach dem Beschluss im Bundestag schnell öffentlich gemacht werden müssten.

Auch in Leipzig sollen Hebammen studieren

Zu den künftigen Ausbildungsstellen zählt die medizinische Fakultät der Universität Leipzig. Deren Prodekan für Struktur, Ingo Bechmann, erklärte, man sei längst in enger Abstimmung mit dem zuständigen Ministerium. Dass andere Länder bei den Planungen angeblich weiter seien, verwundere ihn, denn es gebe ja auch noch einige Unklarheiten: "Da geht zum Beispiel um die Vergütung, die für den praktischen Teil von den Krankenkassen übernommen werden soll und für die theoretische Ausbildung von den Ländern", sagt Bachmann. Was der Bundestag beschlossen habe, müsse in einem weiteren Schritt den Bundesrat passieren. "Ich nehme an, da wird es noch Widerstand aus den Ländern geben", so Bachmann.

Unklar sei auch noch, ob neben Dresden und Leipzig auch in Chemnitz künftig werdende Hebammen studieren würden. Derzeit werde geprüft, ob eine Berufsfachschule zur Berufsakademie gemacht werden könne, um dort eine universitäre Ausbildung stattfinden zu lassen.

Studiengang mit 20 Plätzen in Halle

In Sachsen-Anhalt steht dagegen längst fest: Der akademische-Hebammen-Nachwuchs wird aus Halle kommen. Man bereite einen dualen Studiengang mit 20 Plätzen vor, so Michael Gekle, Dekan der medizinischen Fakultät der Uni Halle.

Wir stehen in den Startlöchern und sobald das Bundesgesundheitsministerium seine Arbeit erledigt hat, werden wir eine Prüfungs- und Studienordnung erstellen, die durch die Gremien bringen - und danach kann man sich dann einschreiben.

Michael Gekle, Dekan der medizinischen Fakultät der Universität Halle

Momentan warte er auf eine entsprechende Prüfungsordnung des Bundesgesundheitsministeriums - diese werde möglicherweise erst nach Zustimmung des Bundestages zur Ausbildungsreform erlassen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. September 2019 | 05:00 Uhr

1 Kommentar

Gerd Mueller vor 44 Wochen

gibt es zu viele Bewerber*innen oder warum wurde aktuell Studium vorgeschrieben - ok - früher wurden sie verbrannt wenn ... es bei der Geburt anders als erwartet ... kam