Sachsen-Anhalt Verband: Der Hebammenfonds nützt wenig

Hebammen und Geburtshelfer haben es schwer, auch in Sachsen-Anhalt. Horrende Beiträge zur Haftpflichtversicherung sind da zum Beispiel ein Problem. 8.664 Euro im Jahr muss eine freie Hebamme an die Haftpflichtversicherung im Voraus zahlen. Der Betrag hat sich in den vergangenen Jahren vervielfacht. Sachsen-Anhalts Landesregierung wollte mit 250.000 Euro in einem Hebammenfonds Abhilfe schaffen. Nicht richtig angelaufen, ist der nun aber schon wieder Geschichte.

von Anne-Marie Kriegel, Landeskorrespondentin Sachsen-Anhalt MDR AKTUELL

Hebamme horcht am Mutterbauch
Horrende Beiträge zur Haftpflichtversicherung machen Hebammen schaffen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

250.000 Euro standen im Haushalt 2019 bereit, um den Hebammen im Land zu helfen. Vom Beschluss des Haushaltes bis zur Freigabe des Geldes hat es fast ein Jahr gedauert. Und zur Beantragung hatten die Hebammen und Geburtshelfer dann nicht einmal acht Wochen Zeit. Trotz allen guten Willens sei der Fonds eine Farce, sagt die Vorsitzende des Hebammenverbandes Sachsen-Anhalt, Petra Chluppka.

Wir haben von Anfang an gesagt, wenn es nur um die Bezuschussung des Haftpflichtbeitrages geht, dass das überhaupt keinen Sinn macht, dass wir da überhaupt keine Anträge haben werden.

Petra Chluppka Vorsitzende des Hebammenverbandes Sachsen-Anhalt

Dies funktioniere schon gar nicht kurz vor dem Jahresende, sagt Chluppka. "Da wird sich keine Kollegin mit außerklinischer Geburtshilfe niederlassen. Als gute außerklinische Hebamme wirst du immer einen gewissen Vorlauf brauchen, bis du die erste Geburt begleitest, sodass das sowieso alles nach hinten losgeht", erklärt sie weiter.

Gelder wurden kaum abgerufen

Auch inhaltlich sei der Fonds schwierig, sagt Chluppka. Die Haftpflichtversicherung sei schon lange nicht mehr das einzige Problem der Hebammen. Zuschüsse für die Miete von Gemeinschaftspraxen, weitere Unterstützung bei der Ausbildung und den ersten praktischen Schritten im Beruf seien dringend nötig. Chluppka fällt da einiges ein.

Von den 250.000 Euro waren Ende 2019 noch 245.000 im Topf. Die stünden nach Ablauf des Jahres 2019 nun nicht mehr zur Verfügung, heißt es aus dem Sozialministerium. Das Förderprogramm solle aber fortgesetzt werden, lässt Sozialministerin Grimm-Benne schriftlich mitteilen. Und: In welcher Höhe es Mittel gibt, werde durch den Landtag zu beschließen sein. Der hat, wenn es ums Geld geht, das letzte Wort. Das passt gut, denn die Abgeordneten verhandeln gerade unter Hochdruck den Haushalt für dieses und das kommende Jahr. Der Ball geht also weiter an die Abgeordneten.

Im März gibt es mehr Klarheit zur Förderung

Kristin Heiß sitzt für die oppositionelle Linke im Parlament, hat den Hebammenfonds immer sehr unterstützt. Sie hat sich den Haushaltsplan des Ministeriums für Arbeit und Soziales ganz genau angeschaut.

Auf den ersten Blick ist kein Geld für den Hebammenfonds eingestellt, was schade ist.

Kristin Heiß Die Linke, Sachsen-Anhalt
Kristin Heiß, Fraktionsmitglied der Linken im Landtag von Sachsen-Anhalt.
Kristin Heiß, die Linken in Sachsen-Anhalt. Bildrechte: Fraktion DIE LINKE im Landtag von Sachsen-Anhalt

Heiß sagt, "Das heißt, wir müssen im Finanzausschuss schauen, finden wir noch Gelder, die wir dort in diesen Topf noch reintun können. Da bin ich optimistisch. Wir müssen jetzt nur noch mal genau schauen, welche Summe stellen wir zur Verfügung, da sind wir in Gesprächen auch mit dem Hebammenverband. Und dann muss im Finanzausschuss letztendlich entschieden werden, bevor der Haushalt beschlossen wird, was wollen wir damit machen und wie viel Geld soll reinfließen."

Mehr Klarheit gibt es im März. Dann soll der Haushalt aller Voraussicht nach im Landtag besprochen werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Januar 2020 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Januar 2020, 05:24 Uhr

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