Thüringen Schülerticket für Abiturienten hat noch weiten Weg vor sich

Lily Meyer, Autorin
Bildrechte: MDR/Jan Bräuer

In Thüringen gibt es zwei beitragsfreie Kita-Jahre – die Eltern von Kindergartenkindern werden dadurch finanziell entlastet. Das ist toll für die Eltern jüngerer Kinder, findet eine Hörerin aus Georgenthal und fragt, ob nicht auch für die Eltern älterer Kinder etwas getan werden könnte. Ihre Tochter zum Beispiel besucht die 12. Klasse. Das Monatsticket für den Bus müssen die Eltern selbst zahlen. Könnten diese Kosten nicht übernommen werden?

Kinder steigen in einen Schulbus.
Schülerinnen und Schüler bis zur 10. Klasse können Thüringen bereits kostenlos mit dem Bus zur Schule fahren. Bildrechte: dpa

In Thüringen können Schülerinnen und Schüler bis zur 10. Klasse kostenlos mit Bus und Bahn zur Schule fahren. Ab der 11. Klasse gilt das nicht mehr. Dann müssen in den meisten Fällen die Eltern die Fahrtkosten übernehmen.

Der Landesjugendring Thüringen fordert deshalb schon länger ein Mobilitätsticket, erklärt dessen Vorsitzender Björn Uhrig: "Mit dem man für einen Euro am Tag den kompletten Nahverkehr im Land nutzen kann. So wie das eben in Hessen auch der Fall ist. Das heißt, man kann den Regionalverkehr der Deutschen Bahn nutzen, Straßenbahnen, Busse."

Pilotprojekt für Auszubildende

So könnten Schüler dann kostengünstig und schnell von A nach B kommen. Uhrig zufolge könnte das Ticket in Thüringen sogar weniger als einen Euro am Tag kosten, weil das Netz hier kleiner sei als in Hessen.

Für Auszubildende gibt es in Thüringen seit knapp zwei Jahren das Azubi-Ticket – für 50 Euro im Monat können die Auszubildenden durch ganz Thüringen fahren. Außer in Greiz – der Landkreis möchte sich nicht an dem Pilotprojekt beteiligen. 8.000 Auszubildende nutzen das Abo bereits. Finanziert wird es größtenteils vom Land.

Keine Einigung zwischen Schulträgern und Verkehrsbetrieben

Zwei junge Frauen stehen an einem Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn
Bislang haben sich die Schulträger und die Verkehrsbetriebe auf kein Modell für alle Jugendlichen einigen können. Bildrechte: imago/Ralph Peters

Wäre das nicht auch für Schülerinnen und Schüler ab der 11. Klasse möglich? Verantwortlich für die Schülerbeförderung sind die Schulträger – also in erster Linie die Landkreise und Städte, gibt Susanna Karawanskij zu bedenken, Staatssekretärin im Infrastrukturministerium: Es sei diskutiert worden, ein solches Angebot für Schüler zu machen. Es habe sich aber nicht umsetzen lassen.

Karawanskij zufolge gibt es 23 kommunale Aufgabenträger und insgesamt 40 Verkehrsbetriebe. Eine Einigung zu diesem umfassenden Modell sei bislang aber nicht möglich gewesen. Die Staatssekretärin kann sich aber prinzipiell vorstellen, das Azubi-Ticket auf Schülerinnen und Schüler auszuweiten.

Mehr Mobilität für junge Menschen

Es gibt Landkreise, in denen müssen auch Elft- und Zwölft-Klässler – beziehungsweise deren Eltern – nicht selbst die Fahrt zur Schule bezahlen. Im Ilm-Kreis und im Unstrut-Hainich-Kreis zum Beispiel werden die Kosten übernommen. Das hängt natürlich auch davon ab, ob ein Landkreis sich das leisten kann.

Damit es diese Ungerechtigkeit nicht mehr gibt, sollte das Land sich einbringen, findet Andreas Bühl, der für die CDU-Fraktion im Thüringer Landtag sitzt: "Unsere Vorstellung ist, dass wir das Azubi-Ticket dauerhaft gestalten und zu einem Jugendmobilitätsticket umbauen." Um eine größere Zielgruppe ansprechen zu können – nicht nur Azubis, sondern auch andere Junge bis zu einem bestimmten Alter. Bühl sagt: "Da haben wir uns noch nicht festgelegt."

Andreas Bühl, CDU-Fraktionsvizechef
Bildrechte: dpa

Unsere Vorstellung ist, dass man jungen Menschen mehr Möglichkeiten in Sachen Mobilität gibt – und das auch zu einem fairen Preis.

Andreas Bühl | CDU Landtagsabgeordneter

Breite Unterstützung im Landtag

Dieses Jugendmobilitätsticket könnte sich schon im Haushalt 2021 wiederfinden, der gerade im Landtag diskutiert wird. Auch alle anderen Fraktionen sprechen sich dafür aus, dass Jugendliche kostenlos oder zumindest kostengünstiger Bus und Bahn fahren können sollten.

Die AfD-Fraktion schlägt vor, das Azubi-Ticket für die Auszubildenden komplett kostenlos anzubieten und auch Schülerinnen und Schüler der elften und zwölften Klassen sollten kostenlos mit Bus und Bahn fahren können. Dafür will sich auch die FDP-Fraktion einsetzen. Ende September will sie einen entsprechenden Antrag ins Plenum einbringen.

Auch der Vorschlag des Landesjugendrings findet Unterstützung im Landtag – Grünen- und Links-Fraktion sprechen sich für ein Ticket aus, mit dem junge Leute für einen Euro am Tag durch ganz Thüringen fahren können.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. September 2020 | 05:21 Uhr

8 Kommentare

ewald vor 3 Wochen

Es ist wie immer!!! Leute die es nicht betrifft...schreiben Unfug aus Dummheit und Unwissenheit. Kinder die mehr als 3 Kilometer pro Tag zur Schule müssen dürfen dafür zweimal umsteigen und sind dann immerhin 25 Minuten unterwegs um ins Gymnasium zu gelangen. Bei Wind und Wetter jeden Tag und wir Eltern haben sorgen das unsere Kinder täglich gesund und munter ohne Schäden wieder zurück nach Hause kommen. Wenn Eltern nicht über die Finanziellen Mittel verfügen und trotzdem jeder jeden Tag ca. 3 Euro mal 20 Tage 60 Euro im Monat mal 11 Monate für die Schlauen unter uns ausgeben und Krippen und Kitas für den gut betuchten kostenlos zur Verfügung stehen. Dann kann hier etwas nicht stimmen. Aber für das Ziel Wähler zu gewinnen machen unsere Politiker alles klar nur eben nicht für alle. So viel dazu. Es gibt in unserer Gesellschaft ebenso viele andere negative Beispiele so das man sich auch nicht beklagen kann das linke und rechts so viel Zuspruch haben. Suche das gleiche unter den gleichen.

ElBuffo vor 3 Wochen

Keine Ahnung, warum das nicht realistisch ist bzw. wie wir das früher überlebt haben. Aber ich gebe zu, wir haben das trotz kostenloser Schülerbeförderung gemacht.

ElBuffo vor 3 Wochen

Naja, weniger als drei Kilometer sollte man in dem Alter in einer Stadt schon bewältigen können. Für den selbstgewollten Mehrweg kann man doch nicht erwarten, dass andere diese Entscheidung dann subventionieren.
Aber natürlich würden sich solche Problemchen erledigen, wenn es für alle ein kostengünstiges oder kostenlosen Azubi/Schülerticket gibt.

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