Ein bunter Sonnenschirm steht auf einem Balkon
In Mitteldeutschland sind die Mieten weitgehend nur mäßig gestiegen. Bildrechte: imago/Ralph Peters

Auswertung für den MDR Wohnkosten steigen in Mitteldeutschland moderat

In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind die Mieten von angebotenen Wohnungen in den vergangenen Jahren moderat gestiegen. Das zeigt eine exklusive Datenerhebung des Onlineportals ImmobilienScout24 für den MDR.

Ein bunter Sonnenschirm steht auf einem Balkon
In Mitteldeutschland sind die Mieten weitgehend nur mäßig gestiegen. Bildrechte: imago/Ralph Peters

Anders als in vielen Regionen Deutschlands sind die Mieten von angebotenen Wohnungen in Mitteldeutschland in den vergangenen Jahren nicht stark gestiegen. Die Preise erhöhten sich in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zwischen 2013 und 2018 um durchschnittlich elf Prozent. Das ist das Ergebnis einer exklusiven Datenerhebung des Onlineportals ImmobilienScout24 für den MDR.

Demnach verteuerten sich angebotene Mietwohnungen innerhalb der vergangenen sechs Jahre in Sachsen im Durchschnitt um 12,6 Prozent, in Sachsen-Anhalt um 10,5 Prozent und in Thüringen um 9,7 Prozent. Zum Vergleich: In Berlin sind die Angebotsmieten im selben Zeitraum auf höherem Niveau um durchschnittlich 36 Prozent gestiegen, in München um 32 und in Hamburg um 17.

Niedrige Mieten bleiben

„Das Niveau und die Entwicklung der Angebotsmieten in den drei Ländern kann man als sehr verhalten bezeichnen“, sagte Immobilien-Experte Prof. Stefan Kofner von der Hochschule Zittau/Görlitz. In den abgehängten Regionen bleibe es auch in absehbarerer Zukunft bei den niedrigen Mieten und Kaufpreisen. „Für die Mieter schön, für die Immobilienbesitzer kaum Wertsteigerungsaussichten und bedrohliche Leerstands-Risiken für die Zukunft“, sagte Kofner weiter.



In einer Handvoll Schwarmstädte und zum Teil auch in deren Umland sind die Vorzeichen laut Immobilien-Experte genau umgekehrt. „Hier besteht auch das Risiko, dass sich die Wohnkostenbelastung für Mieter und Eigenheimbesitzer weiter erhöht.“ Es werde darauf ankommen, ob die Bautätigkeit mit der Haushaltsneubildung Schritt hält. Die Leerstandsreserven seien zum Teil bereits abgebaut.

Auch das Eigenheim gibt's in günstig

Die unterschiedliche regionale Entwicklung in Mitteldeutschland wird auch in den ausgewerteten Zahlen sichtbar. In Leipzig etwa mussten Mietinteressenten 2018 nach Daten von ImmobilienScout24 durchschnittlich fast 26 Prozent mehr für eine neue angemietete Wohnung zahlen als noch 2013. Die angebotene Kaltmiete verteuerte sich innerhalb des Erhebungszeitraumes von durchschnittlich rund 5,50 Euro auf knapp 7 Euro.

Außerhalb der Ballungszentren

Anders in Chemnitz. Dort stiegen die Angebotsmieten im selben Zeitraum lediglich um 3,7 Prozent auf nun 5,27 Euro. Auch im thüringischen Landkreis Greiz werden Mietwohnungen kaum teurer angeboten als 2013. Die Angebotspreise stiegen moderat um durchschnittlich 5,4 Prozent auf rund 5 Euro pro Quadratmeter.

Auch wer Wohnungen oder Häuser kaufen möchte, findet in Mitteldeutschland vergleichsweise günstige Angebote. Die Kaufpreise für Wohnungen und Häuser haben sich seit 2013 zwar fast durchgehend verteuert, allerdings betrifft das vor allem die boomenden Großstädte. Leipzig und Jena sind da Spitzenreiter.

In Leipzig stiegen die Angebote für Häuser durchschnittlich um rund 62 Prozent auf 416.000 Euro und die für Eigentumswohnungen um etwa 67 Prozent auf 1.729 Euro pro Quadratmeter. In Jena verteuerten sich die Angebote für Häuser um durchschnittlich 42 Prozent auf fast 500.000 Euro.

Auf dem Land

Dahingegen ist der durchschnittliche Preis für Wohnungen in Plauen innerhalb der vergangenen sechs Jahre sogar um rund 9 Prozent gefallen. Dort zahlen Käufer für einen Quadratmeter nun im Mittel 780 Euro. Noch günstiger sind Wohnungen im Landkreis Jerichower Land in Sachsen-Anhalt mit 760 Euro pro Quadratmeter zu bekommen.

Entspannter als im Westen

Insgesamt ist die Lage auf dem Immobilienmarkt nicht so angespannt wie in vielen westdeutschen Bundesländern. "Allerdings gibt es Städte wie Leipzig und Dresden, die von Zuzug und guter Wirtschaftslage geprägt sind und entsprechend steigende Mieten und Kaufpreise verzeichnen", erklärt ein Sprecher von Immobilienscout24.

Problem Abwanderung

Andere Regionen hingegen bekämen aufgrund von Abwanderung und wirtschaftlicher Schwäche perspektivisch eher mit Stagnation der Mieten und teilweise rückläufigen Kaufpreisen sowie Leerstand zu tun. Das seien aber Ausnahmen. Insgesamt seien die Immobilienmärkte in Mitteldeutschland „gesunde und sich positiv entwickelnde Märkte“.

Und noch einen weiteren Fakt hat die Auswertung des Immobilienportals ergeben: Die meisten Mietinteressenten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen suchen nach Wohnungen mit zwei bis drei Zimmern. In Jena wird demnach durchschnittlich eine Wohnung mit zwei Räumen und 54,1 Quadratmetern, einer durchschnittlichen Miete von 439,44 Euro kalt oder einem Quadratmeterpreis von 8,39 Euro gesucht.

In Plauen stehen Suchen nach Dreiraumwohnungen mit einer Fläche von durchschnittlich rund 81 Quadratmetern und einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 4,61 oder 373,59 Euro kalt im Vordergrund.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. März 2019 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. März 2019, 20:03 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

8 Kommentare

29.03.2019 10:33 Achja 20% 8

20% ... Mensch wenn doch nur das Arbeitsentgelt Netto um 20% im gleichen Zeitraum gestiegen wäre, dann wäre wenigstens die Kaltmiete abgefedert von Nebenkosten reden wir da mal lieber noch nicht.
Achja Wohnen und Kinder sind Luxus , dann folgen Essen und Trinken

28.03.2019 20:41 Peter 7

@4 Zeitgeist: Und Sie meinen tatsächlich, dass in die nach 2015 frisch sanierten Eigentumswohnungen in Leipzigs Gründerzeithäusern, welche für 8-10 Euro kalt je m² Wohnfläche vermietet werden, wie Sie durchaus zwischen den Zeilen andeuten, Flüchtlinge einziehen.
Oder versucht hier Jemand, wieder Stimmung zu machen.
Ich frage mich, wie blöd Sie die Leute einschätzen.

28.03.2019 19:43 Steuerzahler 6

@ 1 optinator: Die Grunderwerbssteuer ist eine einmalige Steuer, die nach dem Erwerb einer Immobilie fällig wird. Was in Nebenkostenabrechnungen auftaucht, ist die Grundsteuer. Ist übrigens seit Jahren so - nichts Neues. Und was die Höhe ihrer Nebenkosten betrifft, da würde ich mal sagen: werden sie ihrem Alias gerecht. Man könnte ja eventuell mal den Strom- und/oder Gasanbieter oder den Öllieferanten wechseln.

28.03.2019 19:20 Zeitgeist 5

geworden... soll geworfen im Satz sein !

28.03.2019 19:17 Zeitgeist 4

In Leipzig stiegen die Preise für Häuser um 62 % auf 416.000 €. Hier wird eine Zahl in den Raum geworden wo der Laie wenig Bezug hat.
2013 war es an der Tagesordnung, daß jede Woche ein leerstehendes Gründerzeithaus einfiel. Die Rettung kam 2015 und verhinderte ein weiteren Sinkflug der Preise. Das Neubauten ständig teuer werden, hier liegt die Ursache anders.
Zum Thema Mieten, Wuchermieten bzw. dort wo Name für Qualität bürgt gibt es von mir keinen Kommentar von mir.

28.03.2019 13:26 Bernd 3

@1 nicht Grunderwerbssteuer sondern da geht es um Grundsteuer. Und die Initiative geht nicht von den Eigentuemern aus, sondern es ist eine Gerichtsentscheidung und der Politik dass sich diese aendern wird. Aber was richtig ist, wenn wie aktuell Erdgas teuerer wird oder sich die Loehne im oeffentlichen Dienst erhoehen somit Reinigung und Muell teurer werden wirkt sich das auf Nebenkosten aus.

28.03.2019 11:39 jackblack 2

Meine regelmäßige Rentenerhöhung wird durch die regelmäßige Mieterhöhung ausgeglichen- linke Tasche-rechte Tasche- Danke für NICHTS

28.03.2019 09:58 optinator 1

Jeder weis, das die Kaltmiete der eine Teil der Kosten ist.
Die Nebenkosten, welche in den nächsten Jahren weiter steigen, werden dieses Aussage "günstiges Wohnen" eines besseren belehren.
Ich warte schon auf die nächste Nebenkosten-Abrechnung wo dann die Grunderwerbssteuer aufgelistet wird.