Demonstranten mit Reichskriegsfahne auf einer Demonstration rechter Gruppen
Wer genau hinter den "Erzlichtern" steckt, ist unklar. Das Innenministerium prüft derzeit Verbindungen in die rechtsextremistische Szene. Bildrechte: IMAGO

Rechtsextremismus Innenministerium nimmt neue Neonazi-Gruppe "Erzlichter" in den Blick

Mit dem Auffliegen des Nationalsozialistischen Untergrunds wurde offenbar, dass die Ermittlungsbehörden nur wenig über die Netzwerke der rechtsextremen Szene wissen. Wer zu den aktiven Unterstützern der Terrorzelle gehörte – darüber wird noch immer diskutiert. Die Szene zu durchdringen ist auch deshalb so schwer, weil ständig neue Gruppen und Verbindungen aufploppen. So wie gerade die "Erzlichter" aus dem Erzgebirge. Was ist über die Gruppierung bekannt und wie ernst muss man sie nehmen?

von Lydia Jakobi, MDR AKTUELL

 Demonstranten mit Reichskriegsfahne auf einer Demonstration rechter Gruppen
Wer genau hinter den "Erzlichtern" steckt, ist unklar. Das Innenministerium prüft derzeit Verbindungen in die rechtsextremistische Szene. Bildrechte: IMAGO

"Wir sind eine Gruppe junger Leute, die die Schnauze voll haben. Wir sehen nicht länger zu!" – so beschrieben sich die Erzlichter auf ihrem Facebook-Profil, das mittlerweile gelöscht ist. Sie seien eine "Nationalsozialistische Gruppe im Erzgebirge", hieß es da weiter. Die Seite hatte nur 80 Likes. Also nicht der Rede wert? Die Linken-Politikerin Kerstin Köditz sieht das anders. Laut ihr existierten auf der Facebook-Seite Bilder mit sechs Vermummten und deren Aktionen – beispielsweise der Aufruf "Gedenken an Rudolf Heß".

Das sind Aktivitäten, bei denen man nicht sagen kann: Das sind kleine Spinner, die nur im Internet was treiben. Man sieht deutlich, dass es über Internetgeschichten hinausgeht.

Kerstin Köditz sächsische Landtagsabgeordnete für "Die Linke"

Kerstin Köditz hatte eine kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt um zu erfahren, was diese über die Gruppierung weiß. Aus der Antwort des Innenministeriums geht hervor: Scheinbar noch nicht allzu viel.

"Erzlichter" auf mehreren sozialen Netzwerken aktiv

Die Facebook-Seite habe man im November 2017 entdeckt. Dort fand sich etwa ein Foto von sechs vermummten Männern und dem Slogan "Nazi Kieze bilden". Oder eines, auf dem auf einem Stromkasten "I love NS" gesprüht steht.

Dazu unterhielten die Erzlichter weitere Profile bei Twitter und Instagram – beide sind mittlerweile nicht mehr zu erreichen. Die Bilder gibt es aber teilweise noch im Netz. Auf denen prangt das Logo der Gruppe, eine stilisierte Flamme. Sie erinnert an das Motiv des verbotenen rechtsextremen Netzwerks "Spreelichter" aus Brandenburg.

Personen hinter der Gruppierung noch unbekannt

Der Linken-Politikerin Köditz zufolge soll es auch Verbindungen zur aufgelösten Chemnitzer Gruppe "Rechtes Plenum" geben. Wer aber genau hinter den Erzlichtern steckt, sei unklar:

Wir haben es nur mit einer Gruppierung zu tun, wo wir den Namen kennen. Welche Personen dahinter stecken, ist unbekannt. Insofern kann man weder bejahen noch verneinen, dass sie auch an Übergriffen beteiligt waren.

Kerstin Köditz sächsische Landtagsabgeordnete für "Die Linke"

Bislang konnte die Gruppe nur mit Sachbeschädigungen in Verbindung gebracht werden: Schmierereien mit NS-Bezug in Stollberg und Oelsnitz. Konkrete Tatverdächtige ließen sich dabei nicht ermitteln. Köditz erwartet, dass die Sicherheitsbehörden trotzdem dran bleiben:

Gegen den bundesweiten Trend entstehen bei uns in den letzten zwei, drei Jahren immer wieder sich selbst als nationalsozialistisch bezeichnende Gruppierungen, die extrem militant sind.

Kerstin Köditz sächsische Landtagsabgeordnete für "Die Linke"

Köditz denke dabei an die Freie Kameradschaft Dresden. Das sei für sie eine Entwicklung, wo sie sehr genau hinschaue.

Der Verfassungsschutz war für eine Einschätzung kurzfristig nicht zu erreichen. Das Innenministerium schreibt indes, man prüfe Verbindungen in die rechtsextremistische Szene.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. Januar 2018 | 16:52 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Januar 2018, 10:49 Uhr

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31 Kommentare

11.01.2018 10:08 Wieland der Schmied 31

@ 30 Tell > Ja, Sie haben Recht, den Beitrag habe ich bewußt als Persiflage angelegt. Der Artikel folgt durchgängig der Diktion: „Nichts genaues weiß man nicht, aber davon jede Menge!“ Schauen Sie sich die Abgeordnete der SED-Stasi-Nachfolgerpartei Die Linke Frau Kerstin Köditz und ihren sorgenvollen Gesichtausdruck an, da sie sich vermutlich nur mit Dingen beschaftigt, die dem Fördergrundsatz Rrääschts betreffen und wofür in öffentlichen Haushalten Unsummen verbraten werden, wie in diesem Fall für die Katz. Denn außer
Mutmaßungen, dort könnte etwas sein, gibt es keinerlei Anhaltspunkte.
Völlig anders sieht es auf der Gegenseite aus. Der mdr hat dankenswerterweise ausführlich über einen Besuch des sächsischen Innenministers und des Leipziger Polizeichefs in der ANTIFA-Hochburg Lpzg-Connewitz berichtet. Neben eigener Trutzburg haben die Anhänger große Teile des Stadtviertels bunt angemalt mit der dutzentfachen Inschrift „Kill Cops“! Nun raten Sie mal, ob dagegen vorgegangen wurde?

10.01.2018 18:04 tell 30

"Endllich wieder ein Erfolg im unersättlichen Kampf gegen Rääschts:"_____Warum schreiben Sie eigentlich so seltsam? Können oder wollen Sie Leute, die sich selbst als Nazis bezeichnen nicht Nazis nennen? Muss weh tun, wenn man die Existenz von Nazis so beharrlich abstreitet ....

10.01.2018 17:30 Sachse43 29

Das Leben von Frau Köditz möcht eich nicht haben wollen. Ein Tag ohne Nazientdeckung gehört wohl bei ihr zu den Schlechteren. Wie arm muß ihr Leben sein.

09.01.2018 19:07 Wieland der Schmied 28

Endllich wieder ein Erfolg im unersättlichen Kampf gegen Rääschts: „Innenministerium nimmt neue Neonazi-Gruppe "Erzlichter" in den Blick“. Heißt genau: In den Blick nehmen bedeudet noch nicht gesehen, aber Aussicht in eine angenomme Richtung genommen , natürlich nach Rräärschts. Weiter im Text: „Die Szene zu durchdringen ist auch deshalb so schwer, weil ständig neue Gruppen und Verbindungen aufploppen.“ Ja, im Erzgebirge ist das ein Wuseln hin hin und her, hier die Trachtenvereine, da die Lorenzianer Gläubigen u. v.a.. Was aber„aufploppen“ bedeuten soll, nichts vernünftiges auffindber, vielleicht die Mundbewegung und Nasallaute der Teichfrösche in der Brunft.
Die Verfasserin stellt sich nun die Gewissensfrage(F), um selbige anschließend gleich zu beantworten(A). (F)Was ist über die Gruppierung bekannt ?
(A) Wer genau hinter den "Erzlichtern" steckt, ist unklar. Das Innenministerium prüft derzeit Verbindungen in die re-extremistische Szene.
Menschenskinder, passt ja auf!

09.01.2018 17:41 HERBERT WALLASCH, Pirna 27

"Nichts wissen" welch eine Legendenbildung, vielfach wurden Organisationen mit Wissen und Hilfe etsprechender Stellen aufgebaut (Beisp. Thüringen/Tino Brandt), welche nicht nur beobachteten. Ferner hat man offiziel alle Informanten aus der NPD abgezogen, was nicht bedeutet, daß sie abgeschaltet wurden. Neue Führungskräfte benötigen Erfolgsmeldungen, notfalls schafft man sich diese selbst, so läuft das schon immer, seit Zeiten der RAF.

09.01.2018 17:03 Wo geht es hin? 26

@Peter: Dass @Eulenspiegel eigentlich mit Ihnen konform geht und er sich nur etwas missverständlich (oder Tippfehler) ausgedrückt hat, ist Ihnen wohl entgangen? Wer hier ständig mitliest und auch kommentiert, dürfte das wissen. Nicht so aber Sie. SIE unterliegen scheinbar dem Pawlowschen Reflex und da spielt Freund oder Feind keine Rolle. Erst mal droff! Relativiert wird später! Einfach köstlich!

[Liebe User,
bitte bleiben Sie beim Thema.
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09.01.2018 16:51 Fragender Rentner 25

Wenn die bestraft werden sollten, wie es mit mit den durch das BVG Gestützen?

09.01.2018 16:43 pudd'nhead 24

löblich genossin. und wer nimmt stalinistische (MLPD), trotzkistische, maoistische guppen ins visier. ach ja und ehemalige jung-nazis, die (warum auch immer) nach links konvertiert sind.

09.01.2018 15:06 Peter 23

@22 Eulenspiegel: Verstehe ich Sie richtig: Wer vor Nazigruppierungen warnt, ist "Nichtdeutsch".
Im Umkehrschluss: Nur Nazis sind Deutsch.
Offener kann man seine Gesinnung nicht äußern. Vielen Dank!

09.01.2018 14:37 Eulenspiegel 22

„Gegen den bundesweiten Trend entstehen bei uns in den letzten zwei, drei Jahren immer wieder sich selbst als nationalsozialistisch bezeichnende Gruppierungen, die extrem militant sind.“
Dieser totale Hass gegen alles Nichtdeutsch. Ich frage mich was soll das? Merken diese Leute nicht wie jämmerlich sie sind?