Asylbewerber und Geduldete nehmen an einem Deutschkurs teil.
Schwänzen Geflüchtete ihre Sprach- und Integrationskurse? Bildrechte: dpa

Hohe Durchfallquote Integrationskurse müssen Teilnehmern angepasst werden

Nur jeder zweite Teilnehmer eines Integrationskurses in Deutschland besteht auch den abschließenden Test. In Nordrhein-Westfalen sorgt diese Bilanz für Unmut in der Regierung. Es wird über Sanktionen und neue Strukturen diskutiert. Wie aber ist die Lage in Mitteldeutschland?

von Jessica Brautzsch, MDR AKTUELL

Asylbewerber und Geduldete nehmen an einem Deutschkurs teil.
Schwänzen Geflüchtete ihre Sprach- und Integrationskurse? Bildrechte: dpa

Vor der Sprachschule "Alpha" im Zentrum von Halle herrscht ein ständiger Betrieb. Menschen aus allen möglichen Nationen kommen von oder gehen zu ihren Sprachkursen. An der Rezeption in der ersten Etage holt ein Mann mit schwarzem Lockenkopf einen Zettel aus dem Rucksack – die Anmeldung für einen Sprachkurs. Nur zwei Räume weiter sitzt Peter Kirschnick in seinem Büro. Von den 400 Schülern, die an seiner Schule lernen, nimmt gut die Hälfte an Integrationskursen teil.

Laut Kirschnick dauert so ein Kurs 600 bis 700 Unterrichtseinheiten á 45 Minuten und bietet etwa 25 Teilnehmern Platz. Ein Alphabetisierungskurs sei umfangreicher: In der Regel 900 Unterrichtseinheiten plus eventuell 300 Unterrichtseinheiten, also insgesamt 1.200. Statistisch gesehen besteht von 25 Teilnehmern eines Integrationskurses nur die Hälfte den abschließenden Test und beherrscht das Sprachniveau B1.

Sind Sanktionen die Lösung?

In der Diskussion in Nordrhein-Westfalen über die Gründe für dieses Ergebnis, schwingt immer wieder der Vorwurf mit, Geflüchtete würden ihren Integrationskurs schwänzen. Das sollte härter bestraft werden, fordert auch CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer.

Da wäre die Frage nach der finanziellen Ausstattung. Da ist die Frage, wie wird beurteilt, ob jemand auf Dauer hierbleiben kann.

Annegret Kramp-Karrenbauer, CDU-Vorsitzende

Für Susi Möbbeck – Integrationsbeauftragte der Landesregierung Sachsen-Anhalt - ist das "kalter Kaffee". Denn einerseits müssten anerkannte Zugewanderte verpflichtend einen Migrationskurs belegen. Andererseits gebe es auch die Sanktionsmöglichkeiten schon. Susi Möbbeck nennt da zum Beispiel die Kürzung des Hartz-IV-Satzes.

Zusammenarbeit von Jobcenter und Schule wird immer besser

Vor Ort ist also das Jobcenter für Ermahnungen und Sanktionen zuständig. Peter Kirschnick von der Sprachschule "Alpha" in Halle hat damit gute Erfahrungen gemacht.

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer spricht beim CSU-Sonderparteitag zur Neuwahl des Parteivorsitzenden.
Annegret Kramp-Karrenbauer fordert härtere Sanktiuonen für Geflüchtete, die ihre Sprachkurse schwänzen. Bildrechte: dpa

Es gebe Gespräche, die sowohl das Jobcenter als auch die Sprachschule mit den Teilnehmern führen. Die Tendenz dabei: Die Teilnehmerzahl bei Sprachkursen hat sich in den letzten Jahren stetig verbessert.

Das bestätigt auch Jan Kaltofen, Geschäftsführer des Jobcenters Halle. Nach seiner Aussage ist der Anteil der sanktionierten Grundsicherungsempfänger im Flucht- und Asylkontext praktisch bei Null.

Integrationskurse falsch konzipiert

Sprachschulen-Direktor, Jobcenter-Geschäftsführer und Migrationsbeauftragte sind sich einig: Das tatsächliche Problem und die eigentliche Ursache für die schlechte Abschlussquote liegt in der Ausrichtung der Integrationskurse. Susi Möbbeck erklärt, warum:

Die Integrationskurse wurden ursprünglich für die Spätaussiedler konzipiert. Das heißt, Menschen, die oft schon einen Zugang zur deutschen Sprache gehabt haben.

Susi Möbbeck, Integrationsbeauftragte der Landesregierung Sachsen-Anhalt

Inzwischen kämen nicht mehr nur völlige Neulerner in die Kurse, sondern zum großen Teil auch Menschen, die aus einem anderen Sprachraum kommen und erst noch die Schriftzeichen lernen müssten. Oft ist es die erste Schrift, die sie in ihrem Leben lernen. Statt für höheren Druck spricht sich Möbbeck deshalb für frühere und niedrigschwelligere Kurse aus. 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. Februar 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Februar 2019, 05:00 Uhr

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88 Kommentare

03.02.2019 22:22 Susanne Pfeiffer-Sachse 88

Manche Leute hier im Forum leisten freiwillig einen Offenbarungseid über ihre Inkompetenz, fehlende Urteilskraft und geistige Schlichtheit. Herzlichen Glückwunsch!

[Liebe User,
bitte bleiben Sie beim Thema.
Kommentare ohne Bezug zum Thema des Artikels werden entsprechend unserer Kommentarrichtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html) nicht freigegeben.
Ihre MDR.de-Redaktion]

03.02.2019 18:31 karstde 87

Sehr schön was man alles für diese Leute macht. Bei meiner Enkeltochter hat die Schule noch nicht einmal Geld für ganze Klassensätze an Lehrbüchern. Toll

03.02.2019 16:57 Willy 86

Integration von unserem Geld, es müßte so gemacht werden wie Kanada, wer keine Arbeit hat kein deutsch bringt kann nicht einreisen fertig ,ein Familienv. mit 3 kleine Kinder ohne Mutter zog nach Kanada ( erstmals mutig ) arbeit hatte er als LKW - Fahrer da aber ein Kind laufend krank war viel er vielmals aus, im wurde klargelegt entweder arbeiten oder er muß zurück nach deutschl. er ist wieder zurück gekommen, Kanada war nicht einverstanden das er von aller Geld von den Bürger dort weiterhin lebt, kam im Fernsehen spät abends wie immer bei solche Sendungen.

03.02.2019 16:14 @84. Naja - Etwas zum Nachdenken... 85

würde sich für Sie sicher mit einem Blick in den obigen Artikel ergeben, der absolut nichts mit den von Ihnen erwähnten Bürgschaften zu tun hat und als konstruierter Zusammenhang nicht hilfreich ist (zum Thema Flüchtlingsbürgschaften siehe Beitrag von MDR.de vom 24.01.19). - ein "Ostbashing" wäre in meinem Falle wohl eher eine "Nestbeschmutzung", da ich meine ersten 68 Lebensjahre in Thür. verbracht habe - für vogelschissmäßige Beschmutzung gibt es in diesem schönen BL derzeit allerdings andere Spezialisten. - @83. G. Kromme - ich z. B. brauche nur einen Schritt zur Nachbarin nebenan zu gehen, um dort eine russlanddeutsche "Kursverweigerin" mit bekennender Faulheit zu treffen, die seit 19 Jahren mit minimalen Deutschkenntnissen und ausschließlich russ. TV-Konsum in ihrer Parallelwelt lebt. - ansonsten ist es wichtig, das vorhandene Kurssystem durch Differenzierung dem heutigen Bedarf anzupassen.

03.02.2019 11:32 Naja, zu Kommentar@76 84

Ihr Kommentar ein Versuch des "Ost-Bashings" ?Zitat: "dazu muss man allerdings über d. mittel-deutschen Tellerrand klettern wollen/können ", muss man schon sagen, dass dieser wohl voll in die Hose ging. Die " Ossis" gucken wohl ganz gut über d. Teller-rand. Man nennt dies auch die Fähigkeit zum " Antizipieren". Und zur Integration gehört selbst-verständlich auch die Gesellschaft.Ohne die die Integration wohl ad absurdum geführt würde. Integrativer Bestandteil der Diskussion sind selbst-verständlich auch die in jüngster Vergangenheit in Rede stehenden "Bürgschaften"/"Bürgen"aus Mitteldeutschland sind davon nicht betroffen, sondern Nds.,Hessen, NRW. Wie war das also mit dem Tellerrand. Zum Schuldenerlass haben die Gerichte unterschiedl. Auffassungen und das zeigt, dass Gewaltenteilung funktioniert und ein Minister nicht bei den Jobcentern per Federstrich eine Anordnung erteilen kann. (Bsp.Diktatur, Monarchie)

03.02.2019 10:31 Günter Kromme 83

Ich sage es noch mal, diejenigen die Integrationskurse nicht bestehen oder gar abbrechen oder schwänzen sind entweder dumm oder faul. Wieso auch die Finger krumm machen wenn man auch so alles nötige bekommt, wieso auch sein Hirn belasten wenn man gut in Parallelgesellschaften untertauchen kann, und gar ohne Folgen in die Hand beißen kann von der man bedingungslos gefüttert wird. Ich brauche nur auf den Marktplatz zu gehen wo sich die arabischen Jungmänner trotz mehrfacher Polizeieinsätze immer noch versammeln und Anwohner und Käufer belästigen. Einige Anwohner sind schon deswegen weggezogen und Händler mußten wegen schwindenden Käufer ihr Geschäft aufgeben. Die Integration ist gescheitert, der Zulauf zu Moscheegemeinden wächst und die Wahrheit darüber wird hinter propagantistischer Polemik versteckt und gar behauptet das wir uns nicht genügend den Zuwanderern anpassen. GEHT'S NOCH???

03.02.2019 09:46 ein schon länger in Deutschland lebender 82

"Integrationskurse müssen Teilnehmern angepasst werden"

nu genau,

und danach die Schulabschlüsse

und danach die Berufsabschlüsse, ups, die Studienabschlüsse,

.....

Irrenhaus Deutschland!

[Sehr geehrter Nutzer,
wie Sie dem Artikel entnehmen können, geht es nicht darum, das Niveau des vermittelten Stoffs zu ändern, sondern darum, ihn zu erweitern, bspw. um die Vermittlung der lateinischen Schrift etc., da die sich die bisherigen Kurse an Menschen richten, die bereits mit der deutschen Sprache Berührungen hat.
Viele Grüße, Ihre MDR.de-Redaktion]

03.02.2019 08:58 Klarheit 81

@MDR -was soll dieser krude Erklärungsversuch :
Zitat des MDR zu 21:32 ein schon länger in Deutschland lebender 77,

----"....wie Sie richtig zitiert haben, geht es dabei um Forderungen aus der Vergangenheit, wobei vielen Bürgen nicht klar war, dass diese Forderungen überhaupt entstehen. Bitte bleiben Sie beim Thema, ....."-----,

das waren also alles nur "doofe" ????

allen anderen die in der Vergangenheit mal für irgendetwas gebürgt haben wird allerdings Unwissenheit nicht zugestanden und wohlwollend und aufhebend Nachsicht gewährt - da wird vollstreckt !

Es wurde genau darauf vertraut das der Staat schon irgendwie das übernehmen wird , es gab schon damals (2015/2016) die wohlwollenden Signale aus CDU/SPD/Grüne/Linke

es ist hier im Lande nun mal so , tun zwei das gleiche wird es aber nicht gleich bewertet , die Spaltung der Gesellschaft wird unermüdlich vorangetrieben (Grundsteuer , Diesel, Energie ....)

03.02.2019 08:40 Werner 80

Möglicherweise waren die Bloßstellung der Interessenten, und die Idee zu Gleichstellung und Gleichbehandlung anderer Interessenten, etwas zu überspitzt, aber eigentlich passend.

02.02.2019 22:53 Detlef 79

Ist der IQ niedrig (siehe unabhängige Studien), muß runter gegangen werden mit den Ansprüchen!

Und das gilt für diese BRD insgesamt.

Dichter, Denker, Ingenieure und Wissen war früher, das ist vorbei in absehbarer Zeit -> gewöhnt euch dran.