Landtagswahl Thüringen Grüne wollen S-Bahn-Takt zwischen Erfurt und Jena

Die Thüringer Spitzenkandidaten der Grünen, Dirk Adams und Anja Siegesmund, waren die ersten im Stunden-Gespräch mit MDR AKTUELL. Viel Raum nehmen in ihrer Programmatik naturgemäß die Themen Verkehr und Klimaschutz ein.

Die Thüringer Grünen gehen mit einer klaren Koalitionsaussage in die Landtagswahl. Grünen-Spitzenkandidatin Siegesmund sagte MDR AKTUELL, man wolle am rot-rot-grünen Bündnis festhalten. Zusammen habe die Koalition viel geschafft. Dazu gehörten das Klimaschutzgesetz, der Schutz des Grünen Bands und der Schutz von Wäldern.

Windräder im Wald?

Dirk Adams
Dirk Adams Bildrechte: imago images / Steve Bauerschmidt

Die Grünen wollen aber auch, dass die zur Gewinnung von Windenergie genutzte Fläche im Land von 0,3 Prozent auf 1 Prozent steigt. Die Fläche sei dabei aber gar nicht entscheidend, sagt Siegesmund, "sondern die Leistung". Siegesmund plädiert in diesem Zusammenhang auch für Beteiligungsmodelle. Wenn Bürger sich an Windenergie-Genossenschaften beteiligen, könnten sie ihre eigene Stromrechnung reduzieren. "Es soll jeder was davon haben", sagt Siegesmund.

Eine Frage, die sich gerade bei den Grünen aufdrängt: Wie passt es zusammen, dass der Wald geschützt werden soll, auf der anderen Seite aber Windräder im Wald gebaut werden dürfen? Dirk Adams antwortet auf eine Hörerfrage:

Es ist nicht unser Ziel, möglichst viel Windkraft in den Wald zu verlagern.

Dirk Adams, B'90/Grüne

Man versuche, möglichst viel Windkraft zu erzeugen. Und dann stelle sich auch die Frage, welche Waldstandorte sich dafür nehmen ließen, erklärt Adams. Denkbar dafür seien etwa Flächen, die vom Borkenkäfer befallen worden sind, sogenannte Kalamitätsflächen, erklärt Adams. Die müssten sowieso abgeholzt werden. Auf diesen Flächen könnte man danach etwa 20 Jahre lang Windenergie gewinnen.

"Liegengebliebenes anpacken"

Neben dem Klimaschutz ist auch das Thema Mobilität ein Schwerpunkt im Wahlprogramm der Grünen. Seit Anja Siegesmund Anfang der 2000er-Jahre Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen in Thüringen geworden sei, gebe es den Wunsch und den Willen, die Mitte-Deutschland-Verbindung auszubauen:

Anja Siegesmund
Anja Siegesmund Bildrechte: MDR/Karina Heßland-Wissel

"Wir müssen diese Projekte, die einfach viel zu lange liegen geblieben sind, endlich anpacken", fordert Siegesmund. Es brauche endlich einen S-Bahn-Takt zwischen Jena und Erfurt. Parallel müsse in Radschnellwege und eine bessere Rad-Infrastruktur in den Städten und Kommunen investiert werden. Ziel der Grünen sei, die Mittel dafür zu konzentrieren. "Das ist möglich, wenn man den politischen Willen dafür hat", sagt Siegesmund.

Überall im Land soll am Tag nach dem Willen der Grünen mindestens einmal pro Stunde ein Bus oder eine Bahn abfahren. Für zwei Euro soll man durch den gesamten Freistaat fahren können, Schüler sogar für einen Euro. Ermöglicht werden soll das durch einen Verkehrsverbund für das ganze Land. Für die Finanzierung nimmt Siegesmund auch den Bund in die Pflicht. Die Grünen fordern ein Bund-Länder-Investitionsprogramm für den öffentlichen Nahverkehr.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. September 2019 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. September 2019, 05:00 Uhr