Politikwissenschaftler Werner Patzelt
Die CDU hat Werner Patzelt als Wahlkampfberater engagiert. Für die TU Dresden wird er nicht weiter tätig sein. Bildrechte: imago/Jürgen Heinrich

Interview mit Prodekan Lutz Hagen TU Dresden möchte Patzelt nicht mit Seniorprofessur ehren

Die TU Dresden macht ihren Politikwissenschaftler Patzelt nicht zum Seniorprofessor. Der Prodekan der Philosophischen Fakultät, Lutz Hagen, bestätigte MDR AKTUELL, dass man das Ehrenamt nicht beantragen werde. Damit wird Patzelt ab April nach seinem Wechsel in den Ruhestand nicht weiter an der TU Dresden lehren.

Politikwissenschaftler Werner Patzelt
Die CDU hat Werner Patzelt als Wahlkampfberater engagiert. Für die TU Dresden wird er nicht weiter tätig sein. Bildrechte: imago/Jürgen Heinrich

Können Sie uns den Vorgang aus Ihrer Sicht erklären?

Die Formulierung "TU Dresden trennt sich von Patzelt" ist stark missverständlich. Herr Patzelt geht im April in den Ruhestand. Das ist schon lange klar und der Sachverhalt ist, dass Herr Patzelt gern eine Seniorprofessur gehabt hätte. Das ist eine ehrenamtliche Tätigkeit, die man ausüben kann, die wenige Professoren tatsächlich ausüben. Und die Neuigkeit ist, dass ich ihm, im Namen der Fakultät, gesagt habe, dass wir das für ihn nicht beantragen werden.

Was bedeutet Seniorprofessur?

Also, einige wenige Professoren bleiben, nachdem sie in den Ruhestand gehen, als Seniorprofessoren an der TU Dresden. Das ist vor allem günstig, wenn man Forschungsprojekte beantragen will. Und es kann auch sein, dass die Seniorprofessoren noch bestimmte Ressourcen von der Fakultät bekommen. Allerdings bekommen sie kein Gehalt. Das ist ein Ehrenamt. 

Welche Folgen hat die Entscheidung für Patzelt? Wird er ab April nicht mehr an der TU tätig sein?

Er wird nicht mehr als Hochschullehrer an der TU tätig sein. Richtig.

Patzelt selbst sagt, man werfe ihm vor, Parteientätigkeit und Hochschultätigkeit zu vermischen. Was sagen Sie dazu?

Parteitätigkeit nicht. In der Tat sehen es viele an der Fakultät, aber auch im Senat der TU Dresden war das schon ein Thema und im Rektorat, sehr kritisch, dass Herr Patzelt sich so stark politisch exponiert. Das ist sein gutes Recht als Hochschullehrer. Aber viele haben eben den Eindruck, dass er seine politische Tätigkeit nicht hinlänglich von seiner Position als Wissenschaftler trennt. So hat er zum Beispiel seinen privaten politischen Blog lange Zeit im Impressum mit der Adresse der TU unterlegt gehabt, bis er darauf hingewiesen wurde, dass er das bitte nicht mehr tun soll. Er hat kooperiert mit einigen politischen Websites, die in sehr polemischer Weise die Kanzlerin angegriffen und mit Josef Goebbels in Verbindung gebracht haben. Und, wie gesagt, bei vielen ist da der Eindruck entstanden, dass er da auch seinen Nimbus und seine Verdienste als empirisch arbeitender Sozialwissenschaftler in die Waagschale geworfen hat. Wie gesagt, als Professor kann er das tun. Aber vielleicht kann man verstehen, dass dann eine Fakultät das für sich nicht machen möchte und nicht Herrn Patzelt auch noch dafür ehren möchte durch eine Seniorprofessur.

Klingt nach massivem Ärger in den Leitungsgremien der Fakultät, dass das Verweigern der Seniorprofessur wie eine Retourkutsche wirkt.

Also nochmal, das ist keine Retourkutsche und das ist auch keine Verweigerung der Seniorprofessur. Die meisten Kollegen bekommen und beantragen hier keine. Eine Seniorprofessur ist wie gesagt ein Ehrenamt für das wir ihn nicht vorschlagen. Ärger in den Leitungsgremien und in der TU Dresden, weiß ich nicht, ob man das so sagen kann. Aber definitiv sind wir der Meinung, neben dem was ich schon angesprochen habe, dass es sehr problematisch ist, dass Herr Patzelt in den Medien mehrfach den Rektor und auch die Wissenschaftsministerin Sachsens in einer Weise angegriffen hat, die falsch ist. Er unterstellt, dass der Rektor ein Institut verhindert hätte, beziehungsweise die Ansiedlung des Instituts an der TU Dresden, das Herr Patzelt konzipiert zu haben glaubt und das dies aus politischen Gründen geschehen sei. Das ist einfach falsch.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Januar 2019 | 05:51 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Januar 2019, 14:57 Uhr

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48 Kommentare

22.01.2019 18:31 Theo Clüver 48

Thomas 42 gefällt mir - DAUMEN HOCH - so ganz ohne linke oder wie hier massenhaft rechte Hetze

22.01.2019 18:25 Gerd Müller 47

wo ist das Problem? Pension ist üppig und ok und vllt. gibts noch Zulage vom MP

21.01.2019 21:12 Janes 46

@Ichich 25: Mag gut sein. Über die Rentenregelungen oder gar die Verträge von Lehrstuhlinhabern habe ich keinen Einblick. Allerdinge kommen und gehen Professoren ständig. Daraus jetzt etwas zu konstruieren scheint mir nicht angemessen. Zumal sich Herr Patzelt nun mühelos der Politik widmen kann.

21.01.2019 21:06 Janes 45

@Altmeister 50 Beitrag 7: Das stimmt doch gar nicht! Viele Professoren(innen) von der TUD haben National und International einen guten Ruf!

@Elfriede Böhme 13: Dann sollten Sie sich dringend mal weiter entwickeln....wäre ja mal an der Zeit, so lange nach der Wende

21.01.2019 20:42 Freiheit 44

21.01.2019 18:37 Fakt ---"Dann müssen Sie uns Westlern aber auch sagen..." Oh Entschuldigung, hätte ich gewusst, daß ich mit einem Wessi kommuniziere, dann hätte ich mehr Rücksicht genommen. Weggrätschen hat nichts mit in Ruhestand gehen zu tun. Aber ich denke, du willst nicht verstehen, daher noch viel Spaß in deiner Traumwelt.

21.01.2019 18:37 Fakt 43

>>Freiheit, #34:
"Hab ich bestritten, daß sein Vertrag ausläuft?"<<

Dann müssen Sie uns Westlern aber auch sagen, dass "weggekrätscht" im Osten ein Synonym für "in den Ruhestand gehen" ist. Und dass Verträge mit dem Erreichen eines bestimmten Alters auslaufen, ist vollkommen normal, danach folgt nämlich die Rente. Das hat übrigens mit der "richtigen Linie" nichts zu tun.

21.01.2019 17:34 Thomas 42

Die Kritikpunkte der TU an Patzelt sehe ich durchaus gerechtfertigt.

Immer überschritt er Grenzen innerhalb seiner Tätigkeit und neben dem Fragwürdigen an sich, auf verschiedenen Hochzeiten zu tanzen und sich dafür bezahlen zu lassen, zeigt es einmal mehr, dass ein Herr Patzelt opportun ist durch und durch. In dieser Rolle ist er ein Influencer vom Feinsten.

Mich würde es nicht wundern, wenn er statt eines offiziellen Übertritts zur AfD als Teil einer konservativen CDU-Klientel das Scharnier bildet, welches nach der Landtagswahl diese Koalition entgegen aller derzeitigen Aussagen hoffähig macht.

Der Punkt dabei ist, dass es weder um vernünftige Lösungen geht - die AfD oder eine Koalition mit ihr ist keine - sondern einfach nur darum, weiter den Platz am Trog zu behalten.

Er wird im gegensatz zu anderen Mtmenschen aber auch ohne all das sicher keine Probleme mit Altersarmut haben werden, sondern für seine Ansprüche lediglich etwas unterbeschäftigt sein.

21.01.2019 17:30 Hans-Georg Schmidt 41

Herr Professor Patzelt gehört zu den Politikwissenschaftlern,die ihre Einschätzung zu Ereignissen kompetent,sachlich und für alle verständlich darlegten.In einer Demokratie müssen Kritiker das aushalten,nicht zu vergessen:Herr Prof.Patzelt ist bei den Sachsen deshalb sehr geachtet und beliebt!Wenn das seitens der TU nicht akzeptiert wird,weiß man ja gleich,wie" demokratisch" man sein darf!Wir werden ganz bestimmt dieses Vorgehen nicht tolerieren und uns gut auf die nächsten Wahlen vorbereiten,denn so etwas geht gar nicht!!!

21.01.2019 17:25 Thomas 40

@Stena: Mir ist auch entgangen, wo und wie Patzels Renommee besser wäre als das anderer Mitarbeiter der TU, aber man kann es ja mal erwähnen;-)

Die Nummer mit den Goebbels-Zitat ist leider echt. Einmal 2016 als er die sogenannte Willkommenskultur gegenüber den Flüchtlingen mit diesen Worten bedachte: "eine an menschlicher Schönheit schwer zu übertreffende Willkommenskultur gewesen, in was vor einem Jahr so viele hineingingen wie in einen Gottesdienst"

Das zweite Mal, als er nach den Vorgängen in Chemnitz auf sciencefiles.org ein Organigramm einstellte, welches mit "Lügenspirale" einstellte, welches im Hintergrund Goebbels zeigt.

Wenn er halbwegs so intelligent ist, wie es anzunehmen ist, kann ich mir in beiden Fällen weder vorstellen, dass es unwissend über das Portal noch um die Wirkung geschehen ist.

21.01.2019 17:09 Bernd 39

@36 in dem Falle war es nicht zwingend Merkel. Bei den Demo in Chemnitz tauchte ein Video auf und die Grünen + Medien sprachen von schlimmen Hetzjagden. Andere interpraetierten das Video anders. Nun haette man sich zu Hause koerstlich ueber die Fantasie der Gruenen amuesieren koennen oder eben wie Massen oder Patzold in den Wind stellen koennen. Ist beiden nicht gut bekommen. Allerdings muss Deutschland wieder dahin kommen dass die Politik von denen gemacht wird die dazu mehrheitlich vom Volk gewaehlt wurden. Das waere dann auch Demokratie.