Jagd Wie sich Jäger gegen aggressive Tierschützer wehren

Aus Sicht der Tieraktivisten von Peta und Animal-Rights-Watch gehört die Jagd als Hobby verboten. Eine Haltung, die so öffentlichkeitswirksam propagandiert wird, dass die Jägerschaft inzwischen ein absolutes Image-Problem hat. Im Wald-Land Thüringen will man das nicht länger hinnehmen.

von Ludwig Bundscherer, MDR AKTUELL Landeskorrespondent Thüringen

Millionenfacher Mörder, Lügner, Lustkiller! So wurde Steffen Liebig schon betitelt. Der Präsident des Thüringer Jagdverbandes sagt, die Anti-Jagd-Aktivisten seien nicht mehr geworden - aber deren Reichweite sei heute größer und der Ton rauer.

Die Jägerschaften haben deshalb auf dem gerade vergangenen Bundesjägertag die Strategie verschärft. Liebig erklärt:

Auf Ebene des Deutschen Jagdverbandes, wo alle Landesjagdverbände vertreten sind, gehen wir jetzt massiv gegen solche Verleumdungen vor.

Steffen Liebig, Präsident des Thüringer Jagdverbandes

So etwas könne man nicht stehen lassen. Als Polemik bezeichnet das Liebig und als "Versuch, Leute zu diskriminieren."

Vor allem bei Facebook forcieren Vereine wie PETA Kampagnen, so etwa gegen die Fuchsjagd in Thüringen. 12.000 Unterschriften kamen dabei zusammen – und wohl auch viele Spendengelder für PETA.

Vorwurf der "Tierschutzwirtschaft"

Die aggressive Stimmungsmache findet der Thüringer CDU-Landtagsabgeordnete Egon Primas höchst verwerflich. Er sagt:

Hier hat sich eine reine Tierschutzwirtschaft entwickelt, die davon lebt, Menschen schlecht zu machen, um dann Spenden zu bekommen.

Egon Primas, CDU-Landtagsabgeordneter

Primas bezeichnet diese Praxis als abartig.

Hinzu käme, dass es nicht nur bei harten Worten gegen Thüringer Jägerschaften bliebe. Nach einem MDR-Bericht über die Jagd im Thüringer Wald seien "genau an dieser Stelle in den nächsten Tagen die Hochsitze zerstört worden. Das ist nicht nachvollziehbar."

Jäger werden angezeigt

Steffen Liebig
Steffen Liebig, Präsident des Thüringer Jagdverbandes. Bildrechte: IMAGO

Auch der Landesjagdverband beobachtet die Strategie radikaler Tierschützer, sich an Pressemeldungen abzuarbeiten. Dann würden beispielsweise Pfarrer angeschrieben, die jagdliche Hubertusmesse abzusagen oder Jäger würden für ihre Abschüsse angezeigt – auch das passiere in Thüringen oft, so Jagdpräsident Liebig, "obwohl man weiß, dass das rechtens ist, wird bei Gericht angezeigt und die Jäger haben dann zu kämpfen sich zu verteidigen, ihnen entstehen womöglich auch noch Kosten, abgesehen von dem Ärger."

Was also tun gegen den Hass auf die Jagd? Antje Hellmann, Sprecherin des zuständigen Thüringer Landwirtschaftsministeriums meint: "Wenn die Verbände ein größeres Augenmerk darauf legen, dass diese transparente Arbeit wichtig für ihre Öffentlichkeitsarbeit ist, dann kann das in jedem Fall auch dazu beitragen, dass in weiten Teilen der Gesellschaft die Debatte versachlicht wird."

Auf gut Deutsch findet das Ministerium: Die Jäger sollten bessere PR machen. Landesjagdpräsident Steffen Liebig meint allerdings, so einfach sei das nicht. Schließlich finanziere sich die Jägerschaft selbst, durch Mitgliedsbeiträge.

Schlechte Meinung über Jagd vor allem in Städten

Liebig sagt: "Wenn also zum Beispiel ein NABU über Millionen für die Öffentlichkeitsarbeit verfügt, so verfügen wir über vielleicht 50.000 oder 60.000 Euro und der Deutsche Jagdschutzverband vielleicht über 30.000 Euro."

Liebig meint, weil die allerorts wachsende Stadtbevölkerung keine eigene Verbindung zur Natur habe, würde besonders hier eine schlechte Meinung über die Jagd vorherrschen; diktiert von zahlungskräftigen und damit reichweitenstarken Tierschutzorganisationen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Juni 2018 | 07:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Juni 2018, 10:35 Uhr

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28 Kommentare

30.06.2018 17:46 Jessica 28

Ich finde es auch nicht gut, wenn die Tiere grundlos getötet werden, die Jäger haben aber meistens einen Grund und jagen auch nur so viel, dass es den Beständen nicht schadet. Tatsache ist aber, dass da, wo es Wölfe und andere natürliche Feinde nicht gibt, muss gejagt werden. Sind die Kritiker auch gegen den Wolf? Wohl nicht.
Um jeden einzelnen Käfer kämpfen, aber die Schäden an Pflanzen vergessen, dass sind mir die richtigen. Niemand muss es kaufen oder gutheißen, aber Jäger zu bedrohen, anzuzeigen oder zu beleidigen ist definitiv der falsche Weg und sinnlos sowieso. Stattdessen sollte man sich lieber überlegen, wie man das Wild flächendeckend vor den Straßen schützen kann, Wildunfälle gibt's so viele, da muss man sich über Jäger, die mit Sinn und Verstand arbeiten, nicht aufregen.

30.06.2018 16:50 huettenmann 27

@Stefanie (No. 19): VORSICHT FAKTEN, Ihre Ahnungslosigkeit könnte Schaden nehmen.
In D gibt es 30 Mio ha bejagbare Fläche, Berufsjäger kann 1000 ha bewirtschaften, dh man braucht 30.000 BJ, es gibt aber nur ca. 2.500. BJ ist kein Studium, sondern Lehrberuf bis zur Meisterprüfung. Die 30000 BJ kosten (x60 T€/Kopf und Jahr) den Steuerzahler 1,8 Mrd. €/anno. Gleichzeitig entfallen bei den öffentlichen Kassen und sonst. Verpächtern (i. M. 15 €/ha) 450 Mio Jagdpachteinnahmen zzgl. Steuern.
Komplette Bejagung durch BJ kostet also per saldo mindestens 2,25 Mrd €/a.
Also Steuererhöhungen zur Befriedigung eienr Ideologie. Nein danke!

30.06.2018 08:32 ThüringerIn 26

Ich teste mal vorsichtig, ob meine, persönliche Meinung mit den Kommentar-Richtlinien zusammenpaßt (der mdr möge mir meine ironische Einleitung verzeihen):
Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß die genannten Tierschützer, gerne auch Tierschut-Aktivisten einer bestimmten politischen Richtung zuzuordnen sind. Dies wird hier im Artikel zwar gekonnt umschifft aber wer das gesellschaftliche Leben in der Bundesrepublik aufmerksam beobachtet, weiß, was ich meine...
Und um noch deutlicher zu werden, wären es Akteure (um mal einen neutraleren Begriff zu gebrauchen) des anderen politischen Spektrums, dann würde dies mehrmals genannt und betont werden. Komisch, oder!?
Danke dennoch an den mdr für das Angehen des Problems!

30.06.2018 08:21 Ekkehard Kohfeld { selbst ernannter Jesus,Ziegelstein,MDR Donald [ (X) Notorischer Lügner ] } 25

@ Kelte vom Öchsenberg 23 An all die Schwätzer und Klug..... hier, leider muß ich dem Grafen jetzt Recht geben, wenn die Wildschweine eure Vorgärten umpflügen, den Ackerbauern ihre Ernte vernichten, Damm- und Rotwild neuangepflanzte Setzlinge im Wald abfressen, Füchse Tollwut verbreiten etc., dann ist der Ruf nach weidmännischer Hilfe groß.##Das können die leider nicht nachvollziehen die sitzen zu hause in der warmen Stube in der Stadt hinterm PC denen kann ja kein Wild die Ernte zerstören,woher sollen die wissen wie das ist?Und das der Wolf lieber bequemer Weidetiere reißt oder sogar dabei mit hilft gefährdete Tierarten aus zu rotten woher
soll der wissen was er nicht fressen darf ist echt merkwürdig das der Wolf eine bessere Lobby hat wie die Tiere die er tötet (z.b Bambi Rabbit ).Warrum will die keiner schützen?
##Wer noch nie auf`m Land gelebt hat, hat halt wenig Ahnung.##Das ist doch inzwischen typisch Deutsch überall die Nase rein stecken seine Senf dazu geben ohne Ahnung.

29.06.2018 23:30 part 24

Unsere heutige Kulturlandschaft schafft es nun mal mehr Rehe und Wildsäue zu erzeugen, da diese keine natürlichen Feinde mehr haben und sich an den Monokulturen dumm und dämlich fressen konnen. Leider gibt es bei uns Jagtpächter, die lassen ganze Großherden von Rehen zu und kassieren dann lieber von den geschädigten Autofahrern für die Bescheinigung für den Wildschadensunfall, das Wildbret, getötet ohne Waffenreinigung im Nachhinein, lässt sich oftmals auch noch verwerten für den Hausgebrauch. Es braucht also nur noch mehr klevere und faule Jagtpächter in diesem Land und schon haben die Tierschützer ein anderes Problem zu entdecken.

29.06.2018 21:19 Kelte vom Öchsenberg 23

An all die Schwätzer und Klug..... hier, leider muß ich dem Grafen jetzt Recht geben, wenn die Wildschweine eure Vorgärten umpflügen, den Ackerbauern ihre Ernte vernichten, Damm- und Rotwild neuangepflanzte Setzlinge im Wald abfressen, Füchse Tollwut verbreiten etc., dann ist der Ruf nach weidmännischer Hilfe groß. Wer noch nie auf`m Land gelebt hat, hat halt wenig Ahnung.

29.06.2018 20:42 Klaus Schubert 22

Animal rights?? Peta? ,denen geht rs doch nur um theater zu machen! Ich moechte nicht wissen wieviel Fleisch von den " Tierschuetzern" gegessen wird und ob die dann ei schlectes Gewissen haben.

29.06.2018 20:29 Antonietta 21

Jagd bedeutet Leid und Tod für leidensfähige Mitgeschöpfe und schadet dem Gleichgewicht der Natur.

Alle wesentlichen von der Jägerschaft genannten Gründe für die Jagd sind heute wissenschaftlich widerlegt.Ließe man der Natur ihren Lauf, würden sich die Tiere dem Platz- und Nahrungsangebot anpassen und sich nicht in unnatürlich hohem Maße fortpflanzen, wie es durch die Eingriffe der Jäger geschieht. Heute wieder einwandernde große Raubtiere wie der Wolf werden nicht selten von Jägern als „Nahrungskonkurrenten" heimlich aus dem Weg geschossen. Es gibt keinen rationalen Grund für die Jagd – es sei denn, man sähe die Lust am Töten oder das Sammeln von Trophäen als solchen an.

29.06.2018 19:48 huettenmann 20

Warum Wildbestände durch Jagd reguliert werden müssen und man sich nicht auf den Wolf verlassen kann: weil der hochintelligente Wolf schnell begriffen hat, dass das Weidevieh viel einfacher und für ihn ungefährlicher zu bekommen ist als eine Rotte Schwarzwild.

29.06.2018 18:44 Stefanie 19

Ich bin ebenfalls für ein Verbot als Hobby, denn nichts anderes ist es. Ein Hobby mit Spaß am Töten. Hegeabschüsse müssen sein, so lange es nicht wieder ausreichend Raubtiere in unseren Wäldern gibt. Dann aber bitte Berufsjäger die der Forstwirtschaft angegliedert sind, ein Studium sollte Voraussetzung sein und kein Kurs (allein das ist schon lächerlich) um einen Jagd- und Waffenschein zu erlangen.