Im Stadtteilpark Rabet an der Eisenbahnstraße im Leipziger Osten Kinder ueine breite Rutschbahn auf einem Spielplatz hinunter.
Das Recht auf Freizeit ist eines von fünf Kinderrechten, die im Kinderrechtsindex aufgeführt werden. Bildrechte: dpa

Kinderrechtsindex Großer Nachholbedarf bei Kinderrechten in Deutschland

Das Deutsche Kinderhilfswerk sieht großen Nachholbedarf bei der Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention. In Mitteldeutschland schnitt einzig Sachsen überdurchschnittlich gut ab. Sachsen-Anhalt wurde als unterdurchschnittlich bewertet.

Im Stadtteilpark Rabet an der Eisenbahnstraße im Leipziger Osten Kinder ueine breite Rutschbahn auf einem Spielplatz hinunter.
Das Recht auf Freizeit ist eines von fünf Kinderrechten, die im Kinderrechtsindex aufgeführt werden. Bildrechte: dpa

Das Deutsche Kinderhilfswerk sieht bei der Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland großen Nachholbedarf. Das geht aus dem am Mittwoch erstmals vorgestellten Kinderrechtsindex hervor. In der Studie wurden fünf Kinderrechte in den Mittelpunkt gestellt: das Recht auf Beteiligung, das Recht auf Gesundheit, das Recht auf einen angemessenen Lebensstandard, das Recht auf Bildung sowie das Recht auf Ruhe und Freizeit, Spiel und Erholung.

Die mitteldeutschen Länder schneiden in der Studie unterschiedlich gut ab. Während Sachsen als überdurchschnittlich gut bewertet wird, liegt Thüringen im Durchschnitt, Sachsen-Anhalt wird sogar als unterdurchschnittlich bewertet.

Sachsen: Kinderrechte "auf einem sehr guten Weg"

Neben Brandenburg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, und Schleswig-Holstein schneidet Sachsen im Kinderrechtsindex überdurchschnittlich ab. Als besonders positiv hebt die Studie die Umsetzung des Kinderrechts auf Bildung hervor, insbesondere die Verankerung von Kinderrechten im sächsischen Bildungsplan für Kitas und der Anteil der öffentlichen Ausgaben für allgemeinbildende und berufliche Schulen (gemessen an der Wirtschaftsleistung des Bundeslandes). Zudem ist laut Index das Recht auf einen angemessenen Lebensstandard "besonders gut" erfüllt.

Dennoch sieht der Präsident des Kinderhilfswerks, Thomas Krüger, auch in Sachsen noch Nachholbedarf: "So sehen wir beispielsweise bei der Erreichbarkeit von Kinderärztinnen und -ärzten, beim hohen Anteil von Kindern, die von Hartz-IV-Sanktionen betroffen sind, bei fehlendem Rechtsanspruch auf inklusive Schulbildung und damit einhergehend beim sehr hohen Anteil von Schülerinnen und Schülern, die an Förderschulen unterrichtet werden, noch viel Luft nach oben."

Der Index zeigt auch, dass das Recht auf Beteiligung in Sachsen eher Richtung unterdurchschnittlich tendiert. Entwicklungsbedarf gibt es laut der Untersuchung beim aktiven Wahlrecht ab 16 Jahren bei Landtags- und Kommunalwahlen. Das gebe es im Freistaat bisher nicht. Außerdem gebe es keine institutionalisierte Interessenvertretung für Kinder auf Landesebene, ebenso existiere kein Dialogformat für junge Menschen im Landtag.

Thüringen im Mittelfeld

Thüringen liegt in Sachen Kinderrechte im Durchschnitt. Besonders gut ist das Recht auf Bildung bewertet, das im Bundesvergleich sogar überdurchschnittlich gut ist. Die Studie hebt dabei die Beteiligungsrechte von Kindern in Kitas und den Anteil der Ausgaben der öffentlichen Haushalte für allgemeinbildende und berufliche Schulen, die Schüler-Lehrer-Quote, und die Bekanntmachung von Kinderrechten in Schulen besonders positiv hervor.

Der größte Entwicklungsbedarf besteht – wie auch in Sachsen – beim Recht auf Beteiligung. Auch hier vermissen die Studienautoren ein Dialogformat für junge Menschen im Landtag und ein Wahlrecht ab 16 bei Kommunal- und Landtagswahlen. Zudem vermisst der Index die gesetzliche Verankerung der Beteiligungsrechte für Kinder im Land.

Ähnlich schlecht und ebenfalls unterdurchschnittlich schneidet Thüringen beim Recht auf Gesundheit ab. Beispielsweise schätzen lediglich 49 Prozent der Kinder ihre tägliche Sitzdauer auf weniger als acht Stunden ein – das ist einer der schlechtesten Länderwerte.

Sachsen-Anhalt: Unterdurchschnittlich bei Kinderrechten

Sachsen-Anhalt schneidet von allen drei Mitteldeutschen Ländern am schlechtesten ab und auch im bundesweiten Vergleich liegt es zusammen mit Hamburg, Hessen und dem Saarland unter dem Durchschnitt. Größten Entwicklungsbedarf sieht die Studie beim Recht auf Gesundheit. Gründe dafür sind u.a. ein erhöhtes Unfallrisiko für Kinder im Straßenverkehr, aber auch der Zugang zu Gesundheitsversorgung für minderjährige Asylsuchende. Auch in den Bereichen Lebensstandards und Freizeit zeigt der Index Probleme in Sachsen-Anhalt auf. So gebe es Nachholbedarf bei der Ferienförderung für einkommensschwache Familien, zudem bewerten Eltern Freizeitangebote in ihrer direkten Umgebung eher schlecht – im bundesweiten Vergleich landet Sachsen-Anhalt dabei auf dem drittletzten Platz.

Als gut wird hingegen die Umsetzung des Rechts auf Bildung bewertet, besonders die Verankerung von Beteiligungsrechten im Kinderförderungsgesetz, die Stelle eines hauptamtlichen Kinderbeauftragten, die weit überdurchschnittliche Bekanntheit der Kinderrechte bei Kinder und Eltern und die öffentlichen Ausgaben für Kindertagesbetreuung. Dennoch gebe es auch hier Verbesserungspotential. So bemängeln die Autoren der Studie die hohe Zahl von Schulabgängern ohne Abschluss und einen fehlenden Rechtsanspruch auf inklusive Schulbildung, wodurch sehr viele Schüler an Förderschulen unterrichtet werden.

Kinderrechtsindex will Impulse geben

Kinderhilfswerks-Präsident Krüger betont, "Kinderrechte müssen in allen Lebensbereichen von Kindern vollumfänglich umgesetzt werden". Mit dem Kinderrechtsindex gebe es zum ersten Mal eine empirische Grundlage zur Beurteilung der Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention, erklärt die Leiterin des Wissenschaftlichen Beirates zum Kinderrechtsindex, Anne Lütkes. Damit könnten die Bundesländer systematisch verglichen werden.

Das Kinderhilfswerk will mit dem Index die politischen Entscheidungsträger erreichen, die für Programme und Strategien zur Umsetzung von Kinderrechten verantwortlichen sind. Denn es zeige sich deutlich, so Thomas Krüger, "dass die Umsetzung der Kinderrechte an vielen Stellen keine alleinige Frage der Kassenlage, sondern des politischen Willens ist."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 04. Dezember 2019 | 10:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Dezember 2019, 10:00 Uhr

1 Kommentar

frank d vor 2 Tagen

Wenn ich das richtig verstanden habe, dann ist im 14. Regierungsjahr der Sonnenkaiserin, in dem der Euro, Griechenland, das Klima, wir schaffen das usw. usf. Aber unbemerkt haben die Kinderrechte eklatanten Nachholbedarf?
Immer weiter auf der Autobahn des Wahnsinns, aber Vorsicht nicht das die tollen in die selbst gegrabene Grube purzeln.
Was wenn Bildungsministerinnen verklagt werden bezüglich Schulausfall und dem Recht auf Bildung.
Eines gestehe ich den uns regierenden zu bei der eigenen Selbstbeweihräucherung sind sie Weltspitze.
Nur halt am Output hapert es den tollen Worten folgt seit Jahren nix.
Gar nix. aber dafür bekommen Gesetze immer infantilere Namen.
Sapere Aude